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Illertissen/Neu-Ulm

01.09.2018

Wie sich die Dürre auf die Ernte im Landkreis auswirkt

Die Landwirte in der Region haben es derzeit nicht leicht. Die Trockenheit hat auch bei ihnen Schäden an der Ernte hinterlassen. Zwei Landwirte wagen eine erste Prognose – und sehen nicht nur auf den Feldern ein Problem.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Während die Bilanz im Süden besser ausfällt, leidet der Norden stärker. Sorgenvolle Blicke richten sich nun auf die Wälder.

Wer vor dem Supermarktregal steht und Gemüse einkaufen will, bemerkt schon jetzt die Auswirkungen des trockenen Sommers. Ein Beispiel: die Gurke. Die kostet derzeit weit mehr als einen Euro. Der Preis liegt – je nach Anbieter und Anbauweise – zwischen 1,29 Euro (für die Gurke aus Spanien) und 1,49 Euro (für die Bio-Gurke aus der Region). Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag der Preis laut Verbrauchermarktindex zwischen 81 Cent und einem Euro. Woran das liegt? Den Landwirten zufolge vor allem an der monatelangen Trockenheit. Doch wie sieht es mit dem Rest der Ernte aus? Zwei Bauern aus dem Landkreis Neu-Ulm erklären, welche Erträge sie nach dem Rekordsommer einfahren – und welche Probleme sie am meisten beschäftigen.

Einer davon ist Andreas Wöhrle, Kreisobmann des Bauernverbandes. Er schätzt die Lage mit Blick auf die bisherige Ernte verhältnismäßig gut ein. „Es ging noch“, sagt er knapp. Nur bei den Ackerbohnen habe es enorme Einbußen gegeben. Das zeigt: Auch am Landkreis Neu-Ulm ist die monatelange Trockenheit nicht spurlos vorübergegangen. Dafür gibt es ein weiteres Beispiel, das jedem Autofahrer aufgefallen sein dürfte: die abgeernteten Maisfelder. Wöhrle sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals schon im August Mais geerntet haben.“ Denn der steht eigentlich erst Mitte September auf dem Plan. Durch die vielen Sonnenstunden seien die Kolben in diesem Jahr jedoch früher reif. Das an sich sei jedoch kein Problem für die Landwirte.

Ernteausfälle: Nersingen, Steinheim und Straß haben gelitten

Hat die Region im Vergleich zum Rest Deutschlands also Glück gehabt? Wöhrle sagt Ja. Zumindest mehr oder weniger. Denn er sieht selbst im Landkreis Unterschiede: „Im Süden ist die Ernte noch in Ordnung, aber im Norden fällt sie geringer aus.“ Die Gemeinden Nersingen, Steinheim und Straß hätten besonders gelitten. Gerade Wiesen hätten vielerorts nicht oft genug gemäht werden können. Deren Heu ist jedoch für die Viehzucht wichtig.

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Den Unterschied zwischen Süden und Norden erklärt sich Wöhrle durch den Boden. Der sei im Norden kiesiger als im Süden. „Der lässt das Wasser leichter durch“, erklärt er. Die Konsequenz: Das ohnehin spärliche Regenwasser versickert schneller und kann von den Pflanzen nicht aufgenommen werden.

Ähnliche Eindrücke hat ein Mitarbeiter eines Milchbetriebs aus dem Rothtal, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er sagt: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Denn der Boden im Rothtal sei lehmiger und lasse dadurch weniger Wasser versickern. Der Landwirt beschreibt die Lage so: „Bei uns sind die Wiesen noch grün und ein paar Kilometer weiter ist alles gelb und verdorrt.“

Jedoch treffe auch die Landwirte im Rothtal ein deutschlandweites Problem, das mit der Trockenheit einhergeht: der sinkende Fleischpreis. Und der entstehe so: „Viele Viehzüchter müssen schon jetzt ihre Futtervorräte für den Winter verbrauchen.“ Neues Futter sei aber rar und teuer. Das bringe viele in die Bredouille: Entweder müssen die Bauern Futter teuer einkaufen – oder Tiere schlachten. Und mehr geschlachtete Tiere bedeuteten auch mehr Fleisch auf dem Markt und damit niedrigere Preise und weniger Geld für die Landwirte. Der einzige Lichtblick für den Mann aus dem Rothtal: Der Milchpreis könnte bald steigen. Denn weniger Tiere haben geringere Milchproduktion zur Folge – und somit höhere Preise.

Der Borkenkäfer macht im Landkreis schon jetzt Probleme

Kreisobmann Wöhrle macht sich derweil weniger Sorgen um die Ernte und mehr um die Wälder. Denn auch dort sei es zu trocken – und das treibe die Schädlingspopulation nach oben. So sei der Borkenkäfer in der Region wieder verstärkt unterwegs. Die kleinen braunen Käfer bohren sich in die Rinde der Bäume, um dort ihre Eier abzulegen. Die Bäume können wegen des wenigen Wassers jedoch kaum Harz produzieren, um sich gegen die Schädlinge zu wehren. Wöhrle sagt: „Die Förster müssen sich ranhalten und tote Bäume schnell entfernen. Sonst breiten sich die Käfer noch schneller aus.“ Und er spricht aus Erfahrung: Wöhrle selbst habe aus seinem Wald bereits einige Bäume wegen des Befalls entfernen müssen.

Der Obmann hofft nun vor allem auf Eines: Feuchtigkeit. „Wir brauchen jetzt flächendeckenden Regen. Mindestens 40 bis 50 Liter.“ Nur das könne der Natur jetzt nachhaltig helfen.

Wie Landwirte auf ein anderes Klima reagieren sollten - Lesen Sie dazu einen Kommentar von Jonathan Mayer: Ernte: Viele Landwirte müssen umdenken.

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