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Illertissen

07.07.2020

Wie soll der "Adler" in Zukunft aussehen?

Die Sanierung des Adler-Gebäudes in Illertissen steht an. Zwei Architektenentwürfe gibt es dafür – und die könnten unterschiedlicher nicht sein.
Bild: Rebekka Jakob

Plus Die beiden Gewinnerentwürfe für die Neugestaltung des markanten Illertisser Gebäudes könnten unterschiedlicher nicht sein. Dem Stadtrat steht eine schwierige Entscheidung bevor.

Es ist eines der markantesten Gebäude in Illertissen – und besitzt einen hohen Promi-Faktor: Boxlegende Max Schmeling sei schon hier gewesen, als es noch einen Boxklub im alten „Adler“ in der Nachbarschaft des Rathauses gab, wie Bürgermeister Jürgen Eisen erinnerte. Heute sind es vor allem Vereine wie der Schachklub und die Awo, die das Gebäude benutzen, das kleine Elbogen-Museum findet man dort auch. Und ein wichtiger Treff für Senioren in der Stadt ist der Adler auch: Der 100-jährige Valentin Mayer sei schon bei ihm gewesen, verriet der Bürgermeister: Wenn der Adler saniert wird, müsse in dieser Zeit dringend ein Ersatz-Standort für die Kartenspielrunde her. Doch bis es so weit ist, steht noch eine wichtige Entscheidung aus: Nämlich die, wie das Adler-Gebäude künftig aussehen wird.

Die Stadt hatte dazu eine Mehrfachbeauftragung gestartet – im Prinzip ein Wettbewerb unter mehreren Architekturbüros um die beste Lösung. Barbara Wohn vom Münchner Büro Brinkmeier und Salz hatte den Prozess begleitet und stellte dem Stadtrat nun das Ergebnis vor, zu dem ein Gremium aus Fachleuten, Bürgermeister Jürgen Eisen und mehreren Vertretern des Stadtrats gekommen war. Unter den vier eingereichten Vorschlägen hat das Gremium zwei gleichrangige erste Plätze vergeben: an den Vorschlag von Fischer und Steiger, der als „Haus der Vereine“ bezeichnet wurde, und an das „Bürgerhaus“ von Wilhelm Architekten.

Im "Haus der Vereine" wäre unter dem Dach Platz für einen Saal

Unterschiedlicher könnten die beiden Vorschläge nicht sein, wie Wohn erläuterte. Das „Haus der Vereine“ sieht einen Anbau an bisheriger Stelle, aber größerer Dimension mit flachem Satteldach vor. Die Fassaden des „Adler“ bleiben praktisch unverändert, das Dach bekäme ein zusätzliches Oberlicht. Unter dem Dach könnte ein zusätzlicher kleiner Saal entstehen, beispielsweise für Vorträge. Ein verglastes Foyer im Dachgeschoss gibt den Ausblick zum Schloss frei.

Ganz anders der Ansatz im „Bürgerhaus“: Nach den Vorschlägen des Architekten soll an den Adler ein winkelförmiger Anbau mit zwei angeschnittenen Satteldächern gesetzt werden. Der größte Teil des Anbaus fasst einen kleinen Saal mit einem spektakulären Fensterband, in dem das Schloss zu sehen sein wird. Etwa 70 Personen an Tischen könnten dort Platz finden. Die bestehende Tafel soll in dieser Variante abgebrochen werden – auf etwa 300.000 Euro schätze der Architekt allein den Bau der Ersatzräume dafür, informierte Bürgermeister Eisen.

Das Bürgerhaus erfüllt nicht die Raumanforderungen der Nutzer

Alle Teilnehmer hatten laut Wohn als Vorgabe ein Raumprogramm bekommen, das die Bedürfnisse der Nutzer abbildet. Das „Haus der Vereine“ habe dabei alle Flächen des Raumprogramms umgesetzt, so Wohn. Beim „Bürgerhaus“ sieht die Sache anders aus: Die Gasträume würden um die Hälfte auf 52 Quadratmeter schrumpfen, auch die Museumsräume wären mit 53 Quadratmetern kleiner als die geforderten 80. Dafür stünden ein zusätzlicher Begegnungsraum mit 15 Quadratmetern sowie eine zusätzliche Ausstellungsfläche im Foyer mit 20 Quadratmetern zur Verfügung. Ebenfalls fehlt eine Teeküche zum Veranstaltungssaal. Die Lagerräume für das Museum und die Vereine würden in dieser Variante ins Dachgeschoss wechseln. Der Planer wolle den bestehenden „Adler“ nur marginal sanieren, dafür das Budget für den umfangreichen Anbau verwenden, informierte Barbara Wohn die Stadträte.

Diese waren geteilter Meinung über die beiden Vorschläge. Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne), selbst Mitglied im Bewertungsgremium, machte sich für das „Haus der Vereine“ stark, deren Wünsche damit erfüllt würden. Das sei beim „Bürgerhaus“ überhaupt nicht der Fall. „In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt.“ Andere wie Ansgar Bauer (FW) begeisterte die Bauweise des „Bürgerhauses“: „Der Vorschlag nimmt die alte Straßenkante wieder auf, so wie es vor dem Abbruch des Bauernhauses an der Stelle war.“ Komme man mit dem Auto von der Steig herunter, sähe das deutlich besser aus. Am Ende folgte der Stadtrat dem Vorschlag von Andreas Lanwehr (FW): Der Architekt des „Bürgerhauses“ möge eine Schätzung der Kosten seines Projekts abgeben. Erst dann will der Stadtrat entscheiden, welche der beiden Varianten tatsächlich gebaut werden soll.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar:

Adler-Sanierung in Illertissen: Wie würden Sie entscheiden?

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