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Illertissen

10.04.2019

Wie viel Europa steckt in Illertissen?

Eine ganze Menge Europa steckt in Illertissen: Das zeigt Europaabgeordneter Markus Ferber bei einem Rundgang.
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Eine ganze Menge Europa steckt in Illertissen: Das zeigt Europaabgeordneter Markus Ferber bei einem Rundgang.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbol)

Eine ganze Menge – das zeigt Europaabgeordneter Markus Ferber bei einem Rundgang durch die Stadt. Es geht um Feuerwehr, Apotheken und Bienenmuseum. Aber längst nicht nur.

Es gab Zeiten, da haben die Wahlen zum Europäischen Parlament nicht gerade viele Bürger an die Urnen gelockt: Europa ist weit weg, dachten sich viele Menschen. Heuer könnte das anders aussehen: Mit Brexit, Italiens Schulden und Zeitumstellung sind große Themen europäischer Politik in aller Munde. Doch Europa steckt noch in vielem anderen: Man kann nicht durch Illertissen laufen, ohne damit in Berührung zu kommen. Das demonstrierte der Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU) am Mittwochnachmittag bei einem Rundgang. Ob Feuerwehr, Kriegerdenkmal oder Apothekenrecht: Europas Spuren sind allgegenwärtig. Das erfuhren etwa 15 Interessierte, die mit Ferber durch die Vöhlinstadt schlenderten.

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Schon das Wetter war irgendwie europäisch

Einen Ansatzpunkt bot schon das Wetter: Nieselregen, kühl und grau – das ließ manchen Teilnehmer der Europa-Tour an das viel zitierte englische Klima denken. Start war im Bienenmuseum beim Vöhlinschloss, das Geld aus dem EU-Programm „Leader“ erhalten hat. Mit diesem Zuschuss wurde ein aufwendiger 3-D-Film produziert. Von dort ging es hinunter ins Städtchen, das seit vielen Jahren Partnerschaften zu den Kommunen Carnac in Frankreich und Elbogen in Tschechien unterhält – und damit laut Ferber den europäischen Grundgedanken der internationale Zusammenarbeit im besten Sinne verkörpert. Zu sehen sei die auch am Kriegerdenkmal auf dem Martinsplatz: Die EU sei ein Signal dafür, wie lange Feindschaften wie die zwischen Deutschland und Frankreich überwunden werden konnten. „Das ist das beste Zeichen dafür, warum wir die EU überhaupt machen“, sagte Ferber. Die Staatengemeinschaft könne ein Vorbild für andere Länder auf der Welt sein: „Die Konflikte links liegen lassen und in eine gemeinsame Zukunft schauen.“

Im Bienenmuseum steckt einiges Geld aus EU-Fördertöpfen.

Der Spaziergang führte zum Feuerwehrhaus in der Vöhlinstraße: Wie die Schutzanzüge der Einsatzkräfte beschaffen sein müssen, dafür würden europaweit einheitliche Anforderungen gelten, war zu erfahren. Auch die Illertisser Bäckereien lieferten Ferber Gesprächsstoff: Hier gelte es, sich in Europa für den deutschen Meisterbrief stark zu machen. Politiker anderer Länder hielten den für eine Barriere auf dem Arbeitsmarkt. Auch die duale Ausbildung (in Betrieb und Berufsschule) gebe es andernorts nicht.

Wie viel Europa steckt in Illertissen?

Für das eigene Modell werben sollte Deutschland in Europa auch, was das vergleichsweise restriktive Apothekenrecht angeht: Einfach das Rezept online einreichen und das Medikament per Post erhalten, so wie es etwa in den Niederlanden möglich ist – das soll es europaweit nicht geben, so Ferber. Auch wenn die Arzneimittel dann vielleicht günstiger zu haben seien. Denn die Beratung durch geschultes Personal sei wichtig, schon wegen schädlicher Wechselwirkungen von Arzneimitteln: „Es gibt viele Wege, sich zu vergiften“, sagte Ferber, als der Tross vor einer Apotheke hielt. Beim Versand bestehe das Risiko, dass Gefahren nicht erkannt würden.

Nicht nur ein Stück Europa gibt es in Illertissen – sondern ziemlich viele: Die Spuren und Auswirkungen der EU-Politik zeigte Abgeordneter Markus Ferber (Zweiter von Rechts) am Mittwochnachmittag bei einem Stadtrundgang.

Eine Sparkassen-Filiale vor Augen erklärte der langjährige Parlamentarier, dass kleine Banken per EU-Gesetz von der strengen Berichtspflicht befreit werden. Nach der großen Finanzkrise waren strenge Kontrollen eingeführt worden, diese überlasteten kleinere Institute wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Eine Einlagensicherung, also der Schutz von Sparguthaben, mache auf europäischer Ebene dagegen keinen Sinn: Bislang hätten noch nicht einmal alle 28 Mitgliedstaaten eigene Systeme aufgebaut. In der nächsten Legislaturperiode werde man hier Bilanz ziehen, kündigte Ferber an.

Europa ist doch weit weg - von wegen: Die allgegenwärtigen Spuren der EU zeigte Europaabgeordneter Markus Ferber bei einem Rundgang durch die Illertissen. Es geht um Feuerwehr, Apotheken und Bienenmuseum.
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Europaabgeordneter Markus Ferber besucht Illertissen
Bild: Alexander Kaya

Der Rundgang führte auch zum italienischen Café am Marktplatz: Dank offener Grenzen sei es heute selbstverständlich, dass alle Produkte aus Europa überall in Europa zu erhalten seien, so Ferber. An die Meriten der EU erinnere die Filiale eines Mobilfunkanbieters an gleicher Stelle: Ohne die EU hätte es die Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts nicht gegeben, sagte Ferber. Heute gebe es mehrere Anbieter und günstigere Preise. Auch das Ende der hohen Gebühren für Roaming – wenn Kunden im Ausland andere Mobilfunknetze nutzen – sei eine Leistung der EU.

Die Spuren europäischer Politik scheinen in Illertissen allgegenwärtig: Davon zeigten sich die Exkursionsteilnehmer durchaus beeindruckt. Ferber hofft nun, dass bei der Europawahl im Mai viele Menschen ihre Stimmen abgeben. Das stärke die einigenden Kräfte und halte die radikalen klein. Die EU sei sei dafür verantwortlich, dass in Europa viele Dinge gut funktieren. „Das ist ein hohes Gut“, so Ferber.

Auch der Nuxit verbindet die Region mit Europa: Mit dem Nuxit hat die Region ihren eigenen Brexit



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