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Landkreis

22.06.2018

Wie viel Nitrat steckt in den Böden?

Vor allem wegen den großen Mengen Gülle ist der Boden vielerorts mit Nitrat überlastet. Das kann auch gesundheitliche Folgen haben. In der Region sind die Zahlen aber im grünen Bereich.
Bild: Franziska Wolfinger (Archiv)

Die EU-Kommission hat Deutschland verklagt, weil die Nitratgehalte im Wasser zu hoch sind. Wie es in der Region aussieht und was Landwirte zum Thema sagen.

Deutschland muss mehr für sauberes Trinkwasser tun. Das hat der Europäische Gerichtshof festgelegt. Demnach sei die Grundwasserbelastung hierzulande deutlich zu hoch. Bei einer Messung im Jahr 2012 hatte sich gezeigt, dass die zulässigen Nitratwerte von 50 Milligramm pro Liter an 28 Prozent der Messstellen überschritten wurden. Diese Belastung ist nicht ungefährlich: Aus dem Nitrat bildet sich in der Erde Nitrit, das unter anderem zu Durchblutungsstörungen im Körper führen kann. Jedoch gibt es regionale Unterschiede, was die Belastung des Bodens angeht. Wie ist die Situation im Landkreis?

Für die Stadt Illertissen gibt der Verantwortliche direkt Entwarnung. Bernd Hillemeyr, technischer Leiter der städtischen Wasserversorgung, sagt: „Unser Wasser ist sogar für Babynahrung geeignet.“ Gewonnen werde das Trinkwasser in Illertissen aus dem Grundwasser, die Abpumpstation dafür stehe in einem Auwald im Süden der Stadt. „Dort wird so gut wie keine Landwirtschaft betrieben. Also gibt es auch keine Gefahr wegen zu hohen Nitratwerten.“ Laut Hillemeyr kommen an der Brunnenstelle auf einen Liter Grundwasser rund acht Milligramm Nitrat. „Wir sind also weit unter dem zulässigen Höchstwert.“ Deshalb werde das Wasser aus dem Brunnen auch nicht gefiltert, bevor es ins Trinkwassersystem eingespeist wird. „Das ist schlicht nicht notwendig. Unser Wasser hat eine ausgezeichnete Qualität“, so Hillemeyr.

Ähnlich ist die Lage in Vöhringen. Dort wird das Trinkwasser aus einem Grundwasserbrunnen in den Iller-Auen gewonnen, heißt es von Seiten der Stadt. Zwei Aktivkohlefilter säubern das Wasser, bevor es in die Leitungen gepumpt wird. Das sei aber eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der Nitratwert im Grundwasser liegt weit unter der Grenze. In Vöhringen sind es 14 Milligramm pro Liter.

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Die hohe Belastung des Bodens in vielen Teilen Deutschlands ist schon lange ein Thema. Gegenstand der Diskussion ist meist die Ausfuhr von Gülle. Denn in der ist auch das Nitrat enthalten, ein für Pflanzen wichtiger Nährstoff. Deswegen können Landwirte auch nicht darauf verzichten, sagt der Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes, Andreas Wöhrle. „Wir haben keine Alternative zur Gülle.“ Zwar könne auch Mineraldünger, der teuer im Einkauf und aufwendig in der Produktion sei, auf den Feldern ausgebracht werden. „Der Nutzen ist aber nicht der selbe. Durch die Viehhaltung haben wir sowieso Gülle. Dann sollten wir sie auch verwenden.“

Das Urteil des EuGH sieht Wöhrle kritisch: „Die reiten da einen toten Gaul.“ Denn die Werte, auf die sich die EU-Kommission bei ihrer Klage gegen Deutschland berufen hat, seien veraltet. „Seit vergangenem Jahr gibt es eine neue Düngeverordnung, die den Gebrauch von Gülle beschränkt.“ Diese schreibe unter anderem vor, dass Landwirte im Herbst nur noch wenig Gülle auf die Felder ausbringen dürfen, dafür aber im Frühling, wenn alles wächst und gedeiht, mehr. So soll die Nitratbelastung in der Erde in Grenzen gehalten werden. „Ich persönlich halte das für wenig sinnvoll. Dem Boden täte es besser, wenn wir dauerhaft Gülle ausfahren würden. Dafür aber in kleineren Mengen.“ Wöhrle nennt ein praktisches Beispiel: „Wenn ihre Frau eine Schwarzwälder Kirschtorte backt, sollten Sie die ja auch nicht gleich an einem Tag essen, sondern über die Tage verteilt.“

Die Region scheint jedenfalls keine Probleme mit hohen Nitratwerten zu haben. Auch im Markt Buch werden die zulässigen Grenzen unterschritten. Dort wird mit zwei Brunnen, einem in Buch und einem in Obenhausen, das Wasser nach oben befördert. Die Werte betragen knapp über neun und 0,1 Milligramm Nitrat pro Liter. Ähnlich wie in Illertissen wird laut Erwin Finkele, Mitarbeiter der Marktgemeinde, auch in Buch das Wasser nicht gefiltert. Dass die Werte so niedrig sind, war aber nicht immer so. Der Brunnen in Buch sei relativ neu. „Am alten Standort war die Belastung wesentlich höher. Da waren es knapp 45 Milligramm.“ Unter anderem deshalb habe man vor knapp zwei Jahren beschlossen, einen neuen Standort zu suchen.

In den nördlichen Teilen des Landkreises liegen die Nitratwerte ebenfalls unter dem Grenzwert. Im Trinkwasser der Stadt Neu-Ulm befinden sich im Durchschnitt lediglich 8,8 Milligramm Nitrat in einem Liter Wasser. SWU-Pressesprecher Sebastian Koch sagt auf Nachfrage: „Wir stehen sehr, sehr gut da.“ Das Wasser werde rein aus den Brunnen in den Iller-Auen gefördert. Kostspielige Filteranlagen seien nicht nötig bei einer so geringen Nitratmenge. In Ulm kämen auf einen Liter Trinkwasser 8,3 Milligramm Nitrat, so Koch. Gefördert werde das Wasser aus dem Brunnen „Rote Wand“.

Das städtische Wasserwerk Weißenhorn konnte in seiner letzten Untersuchung Mitte Mai 10,5 Milligramm Nitrat pro Liter nachweisen. Das Wasser wird aus Brunnen bei Grafertshofen und im Weißenhorner Birkenweg gefördert und ungefiltert ins Trinkwassersystem eingespeist. Wassermeister Roland Tszhamler führt die guten Werte darauf zurück, dass die Stadt die Güllemenge reguliere. Regelmäßig würden Bodenproben im Umland genommen. Je nach Ergebnis, dürften die Landwirte mehr oder weniger Gülle auf ihren Feldern ausbringen. Im nahen Umkreis der Brunnen dürfe gar nicht gedüngt werden.

In Senden sind 23,5 Milligramm Nitrat nachweisbar, heißt es von Seiten der Stadt. Auch hier dürfe im Schutzgebiet der Brunnen nicht mit Gülle gedüngt werden. Deshalb seien die Werte so niedrig, dass nicht gefiltert werden müsse.

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