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Kettershausen

14.08.2019

Wieso werden am Feiertag vielerorts Kräuter geweiht?

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Die duftenden Büschel werden am Feiertag geweiht.
Bild: Annette Zoepf (Symbolbild)

An Mariä Himmelfahrt haben die gebundenen Kräuterbüschel eine besondere Bedeutung – etwa in Kettershausen. Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende erzählt von dem Brauch.

Heißen sie nun Kräuterboschen oder Kräuterbuschen? Letztlich ist das nicht wichtig, denn es geht doch um dieselbe Sache: Maria zu ehren und deren Segen und Schutz für Haus und Hof zu erbitten. Am Donnerstag, 15. August, feiert die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt. An diesem bayerischen Feiertag werden vielerorts Kräuterbuschen geweiht. Doch was hat es mit diesem Brauch auf sich und welche Kräuter gehören eigentlich in ein solches Sträußchen?

Stephanie Sauerwein, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Kettershausen, sagt: „Traditionell gehört in den Kräuterstrauß eine Nachtkerze oder Rose, da diese beiden symbolisch für die Mutter Gottes stehen.“ Auch die Königskerze und Getreideähren würden häufig verwendet. Die längliche Königskerze steht für den Segen Mariens und das Getreide symbolisiert Brot. Diese Pflanzen bilden meist den Grundstock des Büschels.

Außen herum werden dann verschiedenste Kräuter angeordnet. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was die heimische Flora hergibt. „In unsere Kräuterbuschen kommt hinein, was wir auf Feldern und Wiesen finden. Von Sonnenblumen über Mais und Getreide bis hin zu Wildkräutern, die am Wegesrand blühen“, sagt Sauerwein.

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Beliebt sind traditionell auch Lavendel, Frauenmantel, Thymian, Kamille und Schafgarbe. Jede Kräuterart hat dabei ihre eigene Aufgabe und Bedeutung. So steht Salbei beispielsweise für Gesundheit und Heilung, während Kamille Glück und Liebe bringen soll. Rosmarin wird nachgesagt, guten Schlaf zu fördern.

Zwischen Glaube und Aberglaube

Über die Anzahl der zu bindenden Kräuter gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Literatur spricht von sieben, neun, zwölf, 15, 66, 77 oder sogar 99 Kräutern. Die Praxis hingegen zeigt, dass meist eher 15 als 99 Arten verwendet werden.

Doch worin liegt die Verbindung zwischen den Heilkräutern und der Himmelfahrt der Mutter Gottes? Der Legende nach haben die Apostel, welche Marias Grab drei Tage nach deren Tod aufsuchten, dieses leer vorgefunden. Stattdessen entdeckten sie Rosen und Lilien, ein Duft von Kräutern habe in der Luft gelegen, so die Überlieferung. Auch die Liebe der Gottesmutter zu Blumen könnte ein Ursprung der Tradition sein, ist zu erfahren.

Seit der Mitte des siebten Jahrhunderts wird am 15. August Mariä Himmelfahrt gefeiert. Die Kräutersegnung hat ebenso eine jahrhundertealte Tradition. Sie war wohl auch einst eine Ablöse für germanische Erntebräuche. Die Weihe sollte heilsame Einflüsse und Kräfte auf die Kräuter übertragen und den Hausbewohnern Schutz vor Gewitter und Krankheit sowie eine gute Ernte, Eheglück und mehr bringen.

Die Kräuter in den Büscheln haben oft symbolische Bedeutung.
Bild: Millonig (Symbolbild)

Letztlich ist das Binden der Büschel auch ein sozialer Akt: „Wir fragen jährlich im Ort herum, wer Lust hat, zu helfen. Da finden sich meist acht bis zehn Leute“, erzählt Sauerwein. „Zusammen gehen wir dann am Vorabend los, suchen Kräuter und binden sie gemeinsam.“ Außerdem sagt die Kettershauser Pfarrgemeinderatsvorsitzende: „Dabei haben wir viel Zeit zum Ratschen, das ist immer ganz witzig.“

Am Feiertag werden die Büschel dann im Gottesdienst geweiht und anschließend gegen ein kleines Entgelt verkauft. Zuhause sollten die Kräuter unbedingt aufgehängt werden, entweder auf dem Dachboden, im Stall, im Hausgang oder ganz klassisch im sogenannten Herrgottswinkel, einer Zimmerecke, in der ein Kruzifix hängt.

Dort verbleiben sie, bis sie im nächsten Jahr durch einen neuen Buschen ersetzt werden. Die geweihten Kräuter des Vorjahres sollen verbrannt werden, traditionell geschieht das im Osterfeuer.

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