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05.03.2010

Wo der Todesengel des Islam das Treppenhaus putzte

Neu-Ulm/Ulm Der Junge aus gutem Haus, der im Namen Allahs den Massenmord plante, hat die Kehrwoche immer zuverlässig erledigt. Hinter der weiß gestrichenen Tür eines Mehrfamilienhauses lebte er im Ulmer Ortsteil Böfingen. Gerade ist Julia D. in die ehemalige Wohnung von Fritz Gelowicz eingezogen, der gestern zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde. Für die Richter war er der Kopf der "Sauerland-Gruppe", die 150 amerikanische Militärangehörige töten wollte. Dass in ihrer 46-Quadratmeter-Wohnung einmal ein von Hass erfüllter Terrorist gewohnt hat, davon wusste die junge Frau bislang nichts. Die Nachbarn - fünf weitere Wohnungen hat das Haus - haben Fritz Gelowicz nie erwähnt. Ausgerechnet hier, in der ruhigen Gegend, wo viele Familien leben, soll einer ein ungeheures Blutbad geplant haben. Julia D. kann es kaum fassen. Kleines Schlafzimmer, heller Wohnraum mit Gartenblick, beigefarbene Steingutfliesen am Boden, hellbraune Holzdecke - so wohnte der zum Islam konvertierte Gelowicz, als er längst mit fanatischen Terrorgedanken schwanger ging.

Ein Hausbewohner aus dem Stock darüber, wo es streng nach Katzenfutter riecht, kann sich noch an Gelowicz erinnern. Ganz normal habe der ausgesehen, zurückgezogen gelebt und kaum Kontakt zu den anderen Mietern gehabt. Probleme habe es nie mit Gelowicz und seiner Frau gegeben. Zuverlässig hat sich der an den Putzplan gehalten, alle sechs Wochen war er dran, Treppenhaus, Keller, da gab es nichts zu sagen. "Doch wer so viele Menschen umbringen wollte, für den sind zwölf Jahre Haft viel zu wenig", findet der ehemalige Hausgenosse.

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Nicht nur er fragt sich, wie aus einem "ganz normalen" jungen Ulmer ein so gefährlicher islamistischer Terrorist werden konnte. Nichts hatte darauf hingedeutet, sagen frühere Bekannte. Als lebenslustig und sportlich beschreiben sie den 1979 geborenen Fritz Gelowicz. Nach der Scheidung seiner Eltern, einer Medizinerin und eines Geschäftsmanns, wuchs er beim Vater in Ulm auf. Amerikanische Hip-Hop-Musik, Basketball, als Realschüler imitierte er die Kultur der Nation, die er später so abgrundtief hassen sollte. Das Terror-Ziel der Sauerland-Gruppe waren US-Soldaten. Nach Erkenntnissen der Behörden soll Gelowicz mit 16 Jahren zum Islam konvertiert sein. Dass er Alkohol und Zigaretten abschwört, freut seine Bekannten eher. Auch dass er das Abitur nachholt, ein Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule Neu-Ulm aufnimmt, fällt auf - positiv.

Fachhochschul-Student und Lehrling des Terrors

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Kaum einer ahnt, dass er da bereits im Multikulturhaus im Neu-Ulmer Industriegebiet verkehrt. Gleich neben einem Bordell, das Liebesdienste und Maultaschensuppe feilbietet, hetzen Hassprediger gegen Ungläubige. Größen der militanten Islamistenszene geben sich die Klinke in die Hand. Dort verkehrt auch Khaled El Masri, der Deutsch-Libanese, der angeblich vom amerikanischen Geheimdienst entführt und misshandelt wurde. In einer Vernehmung sagt Gelowicz, dass er seinen Entschluss, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen, nach der Affäre um El Masri traf. Attila Selek, den ebenfalls aus Ulm stammenden Mitverschwörer der Sauerland-Gruppe, trifft Gelowicz wohl auch im Multikulturhaus.

Aus Fritz ist zu dieser Zeit "Abdullah" geworden, ein Auszubildender des Terrors. Seine Lehre führt ihn ab 2004 mehrfach ins Ausland, Ägypten, Saudi-Arabien, Syrien. Offiziell paukt er arabische Vokabeln und studiert den Koran. Später reist Gelowicz nach Pakistan, wohl Anfang 2006. In einem Ausbildungslager der ursprünglich aus Usbekistan stammenden Terrorgruppe "Islamische Dschihad-Union" (IJU) lernt er den Umgang mit Waffen und Sprengstoff. Welche Rolle seine Ehefrau Filiz in der Terror-Karriere von Fritz Gelowicz spielt, ist unklar. Sicher ist: Vor wenigen Tagen wurde sie festgenommen, sie steht im Verdacht, die Terrororganisation IJU finanziell unterstützt zu haben. Das Geld sollte zum Kauf von Waffen und Kommunikationsmitteln für den "Heiligen Krieg" gegen Ungläubige verwendet werden.

Experten sind sich sicher, dass auch nach der Schließung des Multikulturhauses 2005 in der Region weiter gewaltbereite Islamisten leben. Manche vielleicht nach außen zurückgezogen, bieder. Unauffällige Bürger, die brav die Kehrwoche erledigen. Doch innerlich vom Hass auf "Ungläubige" zerfressen. Wie Fritz, der Möchtegern-Massenmörder aus Böfingen. "Politik

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