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Buch

05.11.2019

Woher kommen die Plastikteile auf der Bucher Baustelle?

Die Firma Max Wild setzt Brechanlagen wie diese ein, um aus Abbruchstücken feines Betonrecyclingmaterial zu machen. Beim Landratsamt fragt man sich, wie nach dem Durchgang durch einen solchen Schredder noch große Plastikteile übrig bleiben sollen.
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Die Firma Max Wild setzt Brechanlagen wie diese ein, um aus Abbruchstücken feines Betonrecyclingmaterial zu machen. Beim Landratsamt fragt man sich, wie nach dem Durchgang durch einen solchen Schredder noch große Plastikteile übrig bleiben sollen.
Bild: Firma Max Wild

Plus Plastik im Betonrecyclingmaterial: Das Unternehmen Max Wild erklärt, warum die Abfallstücke eigentlich nicht auf der Baustelle hätten landen dürfen.

Zwischen Buch und Obenhausen entsteht derzeit ein neues Gewerbegebiet. Dort soll zum Beispiel ein Feneberg eröffnen und den Buchern mehr Einkaufsmöglichkeiten vor Ort bieten. Derzeit wird allerdings noch gebaut. Dass dabei der Baugrund nicht mit Kies, sondern mit Betonrecyclingmaterial (RC-Material) befestigt wurde, stößt der UWG-Fraktion im Marktgemeinderat sauer auf. Bereits in einer Sitzung im April sprach sich UWG-Rat Franz Eberl vehement dagegen aus. Vor etwa einem Monat hat er dann im Landratsamt einen Wäschekorb voll großteiligem Abfallstücken präsentiert, die er nach eigenen Angaben in dem im Gewerbepark verbauten Recyclingmaterial gesammelt hatte.

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Das hat Eberl nach eigenen Angaben auf der Baustellegefunden.
Bild: Firma Max Wild

Dass Plastik- und andere Abfallteile dieser Größe dort nichts zu suchen haben, darüber sind sich Eberl und die zuständigen Experten im Landratsamt einig. Letztere gehen der Beschwerde der Bucher UWG nach und versuchen, herauszufinden, wie diese bis zu 45 Zentimeter großen Teile auf der Baustelle gelandet sind. Eine abschließende Antwort liegt noch nicht vor.

Auch die ausführende Baufirma Max Wild aus Berkheim hat sich nun zu dem Fall geäußert. Das Unternehmen hat jahrzehntelange Erfahrung in der Aufbereitung und der Verwendung von RC-Material. Das Unternehmen arbeitet seit 1997 damit. In einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion heißt es zu dem Fall in Buch: „Für uns ist es aus rein technischer Sicht nicht nachvollziehbar, dass derart große Leichtstoffteile mit einer Größe von bis zu 45 Zentimetern im von uns gelieferten RC-Material vorhanden sein sollen.“ Einen anderen Fall, bei dem vergleichbar große Teile in dem zertifizierten RC-Material der Firma gefunden wurden, habe es bisher nicht gegeben, schreiben die Verantwortlichen. Sie erklären außerdem, woher das Recyclingmaterial stammt und wie es kontrolliert wird:

Woher kommen die Plastikteile auf der Bucher Baustelle?

So wird der RC-Beton kontrolliert

Recyclingmaterial, wie es auch in Markt Buch verwendet wurde, stamme aus dem selektierten Rückbau von Gebäuden aus der Region. Schon während der Rückbauarbeiten werde darauf geachtet, dass die unterschiedlichen Baustoffe wie Beton, Holz, Verbundstoffe und andere sortiert werden. Der Beton werde anschließend auf einem der firmeneigenen Recyclingplätze mit einer Brechanlage zu RC-Beton gebrochen. Heraus kämen dabei Stücke mit einer Korngröße von null bis 45 Millimetern. Das Geotechniklabor des Unternehmens prüfe den so produzierten Baustoff „RC-Beton 0/45 FSS“ sowohl chemisch als auch in Bezug auf seine bautechnischen Eigenschaften. Anschließend beprobe auch ein externer Fremdüberwacher das Material. Laut Auskunft der Firma Max Wild werde der RC-Baustoff nach den gleichen bautechnischen Vorschriften kontrolliert, wie natürliche Rohstoffe. Auch die Einhaltung der umwelttechnischen Grenzwerte werde im Zuge dieser Kontrollen überprüft. Um ein Zertifikat zu erhalten, mit dem der sogenannte „RC-Beton 0/45 FSS“ gleichwertig mit dem entsprechenden natürlichen Baustoff eingesetzt werden darf, müsse das Prüfzeugnis des externen Gutachters dann an den Baustoff Recycling Bayern e.V. geschickt werden. Der Überprüfungsverein zertifiziert das Material dann.

Verwendung von Recyclingmaterial schont Ressourcen

Baufirma und Landratsamt weisen darauf hin, dass der Einsatz von Recyclingmaterial eigentlich eine gute Sache sei. Schließlich dient er der Ressourcenschonung im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Eine Sprecherin des Landratsamtes hatte es als „schade“ bezeichnet, dass durch den Vorfall in Buch dieses Material in Verruf gerate. Richard Götz, Leiter der Abteilung Immissionsschutz und Abfallrecht im Landratsamt, ordnet Eberls Fundstücke ein. Sie seien in der Tat deutlich zu groß. Dem müsse man nachgehen. In der Masse liege Anteil aber unter den gesetzlichen Grenzwerten. Die liegen nach Angaben der Firma Max Wild bei 0,2 Masseprozent.

In dem Statement von Max Wild heißt es außerdem: Für die Verwendung von RC-Materialien sprächen nicht nur ökologische oder ökonomische Gründe. Auch aus bautechnischer Sicht weist RC-Beton bessere Eigenschaften auf als natürlicher Frostschutzkies. Das Recyclingmaterial sei standsicherer unter Schwerlast und weniger anfällig gegenüber Witterung.

In Buch gibt es auch kritische Stimmen zu der Sache: Hinter vorgehaltener Hand zweifeln manche Bürger an, dass Eberl die Plastikstücke tatsächlich in dem Betonrecyclingmaterial gefunden hat. „Wer weiß, wo der Müll wirklich herkommt“, sagte etwa eine Bucherin gegenüber unserer Redaktion.

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