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Winterrieden

21.06.2018

Zu Gast in einer Villa Kunterbunt

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5 Bilder
Im Hobbykeller von Rudolf Beer aus Winterrieden ist eine einzigartige Sammlung seiner prachtvoll gestalteten Holzhäuschen zu entdecken.
Bild: Zita Schmid

Rudolf Beer aus Winterrieden bastelt und malt seit jeher gerne. Mit der Zeit haben sich unzählige Werke angesammelt – von kunstvollen Pfannen bis zu Holzhäuschen.

Schon das Modellhaus im Eingangsbereich ist ein Blickfang. Man muss es einfach genauer betrachten: die Sprossenfenster, die verschnörkelte Verzierung und Balkone. Winzige Stufen führen hinauf zur Tür. Diese lässt sich, wie die anderen, öffnen. Auch die Blumenkästen vor den Fenstern können nach Belieben verschoben werden. Jede der drei Etagen des Modellhauses lässt sich heben, um das Innere einzurichten. „Das Haus habe ich einfach aus dem Kopf heraus gemacht“, sagt Rudolf Beer.

Ideen „aus dem Kopf heraus“ hatte der Winterrieder im Laufe der Jahre noch bedeutend mehr. So viele, dass Besucher bei ihm zu Hause unentwegt damit beschäftigt sind, zu schauen, zu staunen und vom Keller bis zum Obergeschoss immer wieder Neues zu entdecken. Denn die unzähligen Exponate seiner Kreativität, seines handwerklichen Könnens und – wie er sagt – „der Lust am Schaffen“ sind einzigartig.

Da sind etwa die Pfannen, die im Treppenhaus hängen. Ordentlich mit dem Stiel nach oben, schmücken sie die Wand mit bunter Blumenpracht, denn Beer hat sie allesamt kunstvoll bemalt. Ebenso wie die metallenen Bettflaschen und die alten Alu-Milchkannen. „Den Sommer über war ich auf Flohmärkten und habe gesammelt, damit ich im Winter etwas zu tun habe“, erinnert er sich und lacht.

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Beer ist in Oberstdorf aufgewachsen. Der heute 76-jährige Rentner ist gelernter Bäcker und Konditor, arbeitete im Laufe seines Lebens aber in verschiedenen Firmen der Umgebung, unter anderem als Lastwagenfahrer. Er bastele und male schon immer gerne, erzählt er. Und das mit großem Talent.

Von seiner Bildergalerie mit Tierporträts etwa schauen Collie, Husky oder Berner Sennenhund dem Betrachter mit lebendig wirkendem Ausdruck entgegen. Auch in knorrigen Baumwurzeln erkannte das Künstlerauge Potenzial für Fantasiegesichter, die unheimlich dreinschauen. Mit Pinsel und Farbe erhielt eine von ihnen große Augen, ein rotes Gesicht und einen Bart.

Unzählige, oftmals marode Figuren jeglicher Art hat er auf Flohmärkten gekauft und sie hergerichtet. Einer kleinen Jesus-Statue etwa fehlten die Hände. Nicht nur diese ersetzte der Winterrieder. Um die Statue herum baute er einen ganzen Hausaltar, gestaltet mit Säulen, einer Art Tabernakel und Kelch.

Obwohl der Rentner nach eigener Aussage nicht sonderlich gläubig ist, hängt an den Wänden eine stolze Anzahl an Kreuzen. Die Figuren des gekreuzigten Heilands darauf hat er von aufgelösten Grabstellen. Alle wurden sie restauriert und allen hat er danach eigene Kreuze entworfen, an denen sie nun befestigt sind. Eine Besonderheit ist auch eine filigrane Holzkirche. Öffnet man deren Türchen und schaut hinein, ist man überrascht: Das Bauwerk hat ein Innenleben im Mini-Format.

Neben den mehr als 40 selbst gebauten Weihnachtskrippen samt Figuren, die sich im Keller quasi gerade in Sommerpause befinden, fehlen einem beim Anblick der Holzhäuser im Nebenzimmer beinahe die Worte. Auf den ersten Blick sind es unüberschaubar viele. Wie das Modellhaus im Eingangsbereich sind sie etwa mit Balkonen, schmucken Fassaden oder Türmchen bis ins Detail ausgestattet. Jedes sieht etwas anders aus. Ein Haus ist bemalt und könnte in den Alpen stehen. Ein anderes hat bunte Dachschindeln. „Das waren einmal Obstkisten“, erklärt Beer. Daraus hat er die winzigen Schindeln ausgesägt. Es gab wohl wenige Materialien, die er nicht auf irgendeine Weise wiederverwenden konnte. Die Tisch-Sets aus Bambus etwa, die er für das Dach in Form schnitt. Oder die alten Zigarrenkisten, deren Holz er für Fenster hernahm. Die Schaffenskraft des Winterrieders scheint unerschöpflich.

Doch seit einigen Monaten wird in der Werkstatt nicht mehr skizziert, entworfen, gesägt und geleimt. Beer pflegt seine erkrankte Frau und führt den Haushalt. „Außerdem hätte ich für Neues sowieso keinen Platz mehr“, ergänzt er.

Nicht nur, um Stellraum zu schaffen, sondern auch für den guten Zweck und zum Verkauf wollte er in der Vergangenheit schon das eine oder andere Haus sozialen Einrichtungen schenken. Doch Sachspenden waren dort oft nicht erwünscht. Bis auf das Holzhaus, das seine Tochter reserviert hat, bleiben sie also wohl im Keller stehen. Ein Lieblingsstück hat Beer nicht. „Ich bin stolz auf alle meine Sachen, denn sie sind mir alle gelungen.“

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