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05.07.2010

Zug um Zug setzt sich die Erkenntnis durch

Ute Ünal am Eingang, wo sich künftig die Raucher aufhalten werden. Foto: Taglang
Bild: Taglang

Illertissen Vorbei ist es mit der gemütlichen Zigarette in Gastrobetrieben. Raucher werden ab 1. August ausnahmslos an die frische Luft gesetzt, dafür haben 61 Prozent der Bayern beim Volksentscheid votiert. Künftig ist blauer Dunst in sämtlichen Räumen der Gastronomie und Bierzelten untersagt. Gerade für Kneipenbesitzer, die sich mit der bisherigen Regelung arrangiert haben, eine Enttäuschung.

Von Karin Taglang und Regina Langhans

Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, sagt hingegen Alfred Seitz, Pressesprecher der Krankenkasse AOK Günzburg, zuständig auch für den Landkreis Neu-Ulm: "Zug um Zug setzt sich die richtige Erkenntnis durch." Dem Gesundheitsberater haben sich die für ihn abschreckenden Bilder von rauchenden Patienten in Krankenhausfoyers ins Gedächtnis eingebrannt. Jeder wisse, dass Rauchen nicht gesund ist, aber erst öffentliche Maßnahmen hätten einen Gesinnungswandel bewirken können. "Längst finden wir es normal, dass in Krankenhäusern Rauchen strikt untersagt ist, in Speiselokalen ist es verpönt, und künftig eben auch in allen Räumen der Gastronomie." Seitz hofft, dass so viel öffentliches Gesundheitsbewusstsein auch zum Umdenken bei Rauchern führt.

"Das neue Rauchverbot ist sowohl für das Geschäft wie auch für die Gäste nur zum Nachteil", meint Ute Ünal, Inhaberin der Illertisser Gaststätte Vöhlin. Im Winter wird sich zeigen, wer bereit ist, sich bei eisigen Temperaturen zum Rauchen nach draußen zu begeben. Im Gegensatz zu Restaurants hält Ünal das neue Rauchverbot in Kneipen für unangemessen, da die Wurzeln des Rauchens in der Erziehung und im Elternhaus angesiedelt seien. Ünal beobachtet, wie sich durchaus überzeugte Nichtraucher zu den Rauchern gesellen. In Anbetracht der geringen Wahlbeteiligung könne man nicht von mehrheitlicher Befürwortung des gesetzlichen Rauchverbotes ausgehen. Viele Faktoren, wie beispielsweise die Hitze oder das WM-Fieber, hätte die Menschen vom Wählen abgehalten.

Zug um Zug setzt sich die Erkenntnis durch

Rauchtourismus über die Illergrenze?

Ärgerlich über die neue Regelung ist auch Wirtin Hariklia Vassilakou in der Gaststätte Engel in Vöhringen, zumal es ihr als Ausländerin verwehrt blieb, überhaupt an der Wahl teilzunehmen. Zudem betont sie die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen.

"Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt", zitiert Lungenfacharzt Dr. Rolf Wößner Immanuel Kant. Gegner des neuen Rauchverbotes würden lediglich auf die Freiheit des "egoistischen Rauchers" pochen. Schließlich würden nicht Zigaretten verboten, sondern nur das Rauchen in der Öffentlichkeit. Wößner schätzt das neue Rauchverbot aus Gesundheitsgründen positiv ein.

Nicht so reglementiert werden Raucher jenseits der Iller, "es sei denn, sie gehen in Dietenheim und Regglisweiler in die auf bayrischem Boden liegenden Sportgaststätten", weiß Dietmar Kögel, Hauptamtsleiter in Dietenheim. Grenzgänger über die Iller gebe es dann zweifach: "Zum Rauchen nach Württemberg und für den Alkoholkauf ab 22 Uhr an bayerische Tankstellen." Um diese Zeit ist für Baden-Württembergs "Tanken" Zapfenstreich beim Alkoholverkauf.

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