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Vortrag Anton Graf gibt interessante Einblicke in die vielleicht tausendjährige Geschichte der Marktgemeinde Buch

16.01.2015

Zugeheiratete Schullehrer und eingelochte Bauern

Anton Graf vor einer historischen Aufnahme der Marktgemeinde Buch aus der Zeit um 1890.
Bild: Langhans

Mit knapp 150 Besuchern war der Dorfstadel in Buch voll, als der frühere Bürgermeister und Chronist Anton Graf im Rahmen der Volkshochschule über die Geschichte des Rothtals und der Marktgemeinde erzählte. Wie zwei Bewohner von Buch und Ritzisried wegen ihres Waldstreits mit den Fuggern in Weißenhorn ins Gefängnis kamen, war ebenso zu hören wie von armen Lehrern. Der Referent wusste trotz weniger Quellen auch frühe Ortsgeschichte interessant aufzubereiten und erhielt mehrfach Applaus.

Denn dürftig ist das Wissen um die Ursprünge Buchs, deren Burg vielleicht im 11./12. Jahrhundert von den Herren von Biberegg-Roggenburg errichtet wurde. Darauf kam sie in Besitz der Edelherren von Neuffen in Weißenhorn. Die Sage vom Möhringer erzählt, wie Berthold von Neuffen zunächst um die Hand der Gräfin von Marstetten, wie die Herrschaft in Buch auch hieß, anhielt und dann deren Tochter heiratet. Denn der totgeglaubte Möhringer war gerade rechtzeitig von den Kreuzzügen zurückgekehrt. Beim Rasten in der, erst im letzten Jahrhundert abgerissenen Mühle habe er von der bevorstehenden Hochzeit gehört und war in sein Schloss geeilt.

Während die Burg bald darauf herunterkam und dazu durch Feuersbrunst über den Funkenschlag von einem brennenden Wohnhaus geschädigt wurde, ging es im Dorf stetig voran. Die Herrschaften – lange Zeit waren es die Fugger – wechselten, doch Buch, die alte Grafschaft Marstetten, blieb innerhalb ihrer mehr oder weniger erhaltenen Grenzen das Zentrum mit niederer Gerichtsbarkeit. Neben dem Amtmann mit festem Wohnsitz waren alle wichtigen Handwerksberufe vertreten. Es gab eine Mühle, eine Kirche mit Pfarrer und einen Lehrer. Da sich diese trotz zusätzlicher Orgel- und Mesnerdienste kaum ernähren konnten, heirateten sie häufig in eine Landwirtschaft ein, wie es auch in Buch geschah.

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Anton Graf verstand es vorzüglich, aus schriftlichen Quellen und historischen Stätten Jahrhunderte bäuerlicher Dorfgeschichte zu beschreiben. Später kam eine Poststelle hinzu, eine Feuerwehr wurde gegründet und ein Spritzenhaus gebaut mit angeschlossener Arrestzelle. Sogar von frühindustriellen Aktivitäten durch die Wasserkraft der Roth wusste Graf zu berichten. Unzählige Webstühle waren in Betrieb. Der letzte Weber im Ort sei 1943 gestorben. „Das Rothtal war der ideale Industriestandort, bis es das Illertal durch den Eisenbahnbau überholt hat.“

Der Referent hatte seinen Vortrag in die Kapitel „Das Rothtal und die Besiedlung im Raum Buch“, „Geschichtliches zum Markt Buch“ und „Die ehemaligen Herrschaften von Buch bis ins 19. Jahrhundert, die Sage vom Möhringer und Erläuterungen von Begriffen“ gegliedert.

Dabei handle es sich weniger um eigene Recherchen, erklärte Graf bescheiden, sondern um das Zusammenfügen und verantwortungsvolle Ergänzen verschiedener Quellen, sei es aus alten Akten, Saalbüchern oder von Autoren wie etwa Lehrer Bürzle. Seit Ende seiner Amtszeit 2008 kümmert sich Graf als Chronist offiziell um die Geschichte in der Marktgemeinde. Dabei tritt er in die Fußstapfen seines Vaters Josef Graf, der von 1948 bis 1972 Bürgermeister von Buch war. Anton Grafs Arbeit umfasst weitaus mehr Kapitel, als er an dem Abend anreißen konnte. Wer Genaueres wissen will, kann dazu in den Unterlagen, die sich im Rathaus befinden, nachlesen. Oder aber, der Chronist setzt seine Vorträge fort, vielleicht themenbezogen, da er noch viele interessante Details kennt.

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