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Betlinshausen

06.03.2017

Zweite Chance für männliche Küken

So sehen die Zweinutzungshühner von Landwirt Udo Haas aus. Wegen der Vogelgrippe müssen auch sie derzeit im Stall bleiben.

Für die Eierproduktion sind die Tiere unbrauchbar und werden getötet. Mit sogenannten Zweinutzungshühnern will ein Betlinshauser Landwirt dieses Problem lösen.

Tierschützer fordern immer wieder, den Kükentod zu stoppen. Damit meinen sie, das gezielte Töten männlicher Küken, die in der Legehennenhaltung keinen Platz haben.

Ein Lösungsansatz, der das Töten der Küken komplett überflüssig machen könnte, sind sogenannte Zweinutzungshühner. Diese Tiere legen ebenso viele Eier wie konventionelle Legerassen und können auch zur Fleischproduktion gemästet werden. Der Betlinshauser Landwirt Udo Haas hat sich solche Vögel angeschafft. Damit ist er der erste Bauer der Region, der dieses Konzept ausprobiert. Auf seinem Biohof leben bisher rund 500 Hühner einer konventionellen Legerasse in ökologischer Haltung. Vergangenen Monat kamen dann 120 Hühner der Rasse Sandy dazu.

Geflügelzuchtmeister Peter Haible erklärt das Problem in der Geflügelhaltung und wie die Situation in Deutschland bisher ist. Als Berater beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist er auch für die Geflügelhalter in der Region zuständig. Er sagt, für die Mast würden sich die Küken einer konventionellen Legerasse nicht eignen, weil sie nicht schnell genug zunehmen würden. Bei Hühnern gebe es zum einen Rassen, die viele Eier legen und in der Legehaltung eingesetzt werden. Zum anderen gibt es Arten, die schnell viel Fleisch ansetzen und daher für Fleischproduktion geeignet sind.

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Die kleinen Hähne der Legehuhnrassen würden nach dem Schlüpfen in den Brütereien aussortiert und mit Kohlenstoffdioxid vergast. Im Süden Deutschland seien das rund 20 Millionen Tiere pro Jahr. Das sogenannte Kükenschreddern, wie es vielfach von Tierschützern und den Medien gezeigt werde, war in Deutschland aber nie verbreitet, sagt Haible. Nur eine solche Schreddermaschine habe es vor Jahren einmal gegeben.

Bisher ist Landwirt Haas begeistert von den neuen Tieren. Sie seien sehr robust und hätten sich schnell in ihrem neuen Stall eingewöhnt. Inzwischen legen die „Sandys“ genauso gut wie die anderen Hühner, obwohl sie derzeit wegen der Vogelgrippe immer drinnen bleiben müssen. Sobald die Einstallpflicht aufgehoben wird, sollen auch die Zweinutzungshühner in einem mobilen Stall mit viel Auslauf auf einer von Haas’ Wiesen leben. Wie auch die anderen Hühner bekommen die Sandys bei Haas nur biologisch erzeugtes Futter.

In Qualität, Größe und Geschmack unterscheiden sich ihre Eier nicht von den regulären Bioeiern vom Hof der Familie Haas. Lediglich an der Farbe und Form könne man die Eier der Zweinutzungshühner von denen konventioneller Rassen unterscheiden, sagt der Landwirt. Die Eier der Sandys seien eher cremefarben und laufen vorne spitz zu.

Haas erzählt, er habe die Entwicklung der Zweinutzungshühner schon länger verfolgt. „Und ich finde das eine wirklich gute Sache“, sagt der Landwirt. Schnell habe er entschieden, solche Hühner zu kaufen. Sobald er welche kriegen könne. Denn an die Sandys heranzukommen ist gar nicht so einfach. „Die Tiere sind im Moment sehr gesucht“, sagt Haas. Er hat seine Hühner über die sogenannte Bruderhahn-Initiative erworben. Pro Huhn zahlt er einen Aufschlag von fünf Euro. Dieser Aufschlag wird als Subvention an den Landwirt weitergeleitet, der die männlichen Küken aufzieht. Nur so lohnt sich die Mast dieser Hühnerrasse für ihn.

Darin sieht Haible den Nachteil der Zweinutzungshühner. Er sagt: „Bei einer Mastrasse wird ein Kilogramm Fleisch mit 1,7 Kilogramm Futter erzeugt. Bei der Rasse Sandy braucht man sieben Kilogramm.“ Das mache gerade das Fleisch für den Verbraucher sehr teuer und für den Landwirt schwierig, sein Erzeugnis am Markt zu verkaufen. Das hätten auch die Erfahrungen in Österreich gezeigt, wo Zweinutzungshühner schon verbreiteter sind, als in Deutschland.

Auch Haas wird die Eier seiner Zweinutzungshühner teurer verkaufen, als die der konventionellen Legerasse. Rund fünf Cent soll der Preisunterschied betragen. Er hofft, dass seine Kunden bereit sind, für die gute Sache etwas mehr Geld auszugeben. Nur dann kann er die Zweinutzungshühner weiter halten. Zur Einführung verkauft er die neuen Eier bis zum 1. April aber noch zum regulären Preis in seinem Hofladen in Betlinshausen.

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