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Illertissen

28.12.2020

Zweiter Corona-Lockdown stürzt Taxifahrer in die Krise

Die Taxiunternehmen in der Region sind durch die Corona-Krise in der Klemme. Sie müssen betriebsbereit sein – haben jedoch kaum Aufträge.
Bild: Jan Woitas, dpa

Plus Die Taxi-Branche ist durch den Lockdown in der Klemme – trotz Betriebspflicht fallen kaum Fahrten an. Unternehmer aus Illertissen, Babenhausen und Weißenhorn schildern die Lage.

Plexiglasscheiben, Mundschutz, Desinfektionsmittelspender im Auto: Die Taxibranche hat sich bereits Anfang des Jahres auf die entsprechenden Corona-Maßnahmen eingestellt. Viel hat ihnen das jetzt allerdings nicht genützt. Denn trotz Betriebspflicht bleibt der Großteil der Fahrten wegen des Lockdowns aus.

Momentan stehen nur noch Krankenfahrten an

Keine Veranstaltungen, keine Besuche in der Kneipe, keine Weihnachtsfeiern und eine Ausgangssperre nach 21 Uhr – was auf den ersten Blick besonders Gastronomen trifft, bekommen auch die Taxiunternehmen zu spüren. Denn wo niemand aus dem Haus geht, braucht auch niemand einen Fahrdienst zurück.

Das ist auch hier in der Region der Fall. Ishak Tangüner von Taxi Weißenhorn: „Momentan machen wir vor allem Krankenfahrten. Das sind zum Glück aber auch nicht so viele – zum Glück, weil wir dann weniger kranke Menschen haben, auch wenn das für uns weniger Einnahmen bedeutet.“

Die Bareinnahmen fehlen, wie ein Fahrer von Illertal Taxi sagt

Auch Ibrahim Sereflioglu von Illertal Taxi in Illertissen hält sich überwiegend mit Krankenfahrten über Wasser. „Jedoch haben die Krankenkassen meist ein Zahlungsziel von rund acht Wochen. Das heißt, wir warten hier noch mal deutlich länger auf unser Geld. Es fehlen einfach die Bareinnahmen.“ Im Vergleich zum normalen Geschäft fehlen ihm rund 60 bis 70 Prozent seiner Einnahmen, sagt der Unternehmer.

Im ersten Lockdown seien es sogar noch mehr gewesen. „Doch hier hatten wir noch einen Puffer. Ich habe dann den Fehler gemacht, die erste staatliche Soforthilfe nicht zu beantragen, weil ich dem Staat nicht auf der Tasche liegen wollte und gedacht habe, dass die Situation schnell vorbeigehen wird. Doch nun ist der Puffer aufgebraucht, einen neuen aufzubauen mit der derzeitigen Auftragslage unmöglich.“

Taxiunternehmen bekommen kaum Corona-Hilfen vom Staat

Corona-Hilfen vom Staat bekommen die Taxiunternehmen dennoch kaum. Denn im aktuellen Beschluss, der aus der Telefonkonferenz der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder vom 13. Dezember 2020 hervorging, werden zwar weiterhin finanzielle Hilfen für „betroffene Unternehmen“ versprochen, jedoch ist im weiteren Verlauf nur von „von Schließungen betroffenen Unternehmen“ die Rede.

Dazu zählt die Taxibranche allerdings nicht, haben die Unternehmen doch eine Betriebspflicht. „Ich kann nicht einfach zumachen, auch wenn sich das Geschäft nicht lohnt“, so Sereflioglu. Sein Kollege Tangüner ist schon froh über kleine Einnahmen: „Auch 20 oder 30 Euro Umsatz sind momentan besser als nichts.“

Von den kleinen Einnahmen können keine Löhne gezahlt werden

Dennoch können davon keine Löhne gezahlt werden. Sereflioglu hat deswegen vor kurzer Zeit einen Kredit aufgenommen, „um wenigstens die Fixkosten sicher decken zu können.“ Tangüner hat sich Geld bei Bekannten geliehen. Kurzarbeit haben beide versucht zu vermeiden. „Wir haben zuerst Urlaubstage und Minusstunden aufgebraucht, wenn das für die Mitarbeiter in Ordnung war,“ erzählt Sereflioglu. Für August und September habe er dann aber doch Kurzarbeit anmelden müssen, Tangüner für September bis November. Doch auch hier berichtet er von Problemen: „Das Geld wird einfach von einer Stelle zur nächsten geschoben. Erhalten habe ich noch nichts.“

Aktuell werden bei Illertal Taxi Minusstunden aufgebaut, einige Mitarbeiter seien Jahreszeit bedingt sowieso krank gemeldet. Leiden müssten besonders die 450-Euro-Kräfte, die derzeit nicht eingesetzt werden könnten, erklärt der Chef, bei dem derzeit von neun Autos lediglich vier fahren. Auch im Unternehmen von Tangüner sind aktuell mit sieben Fahrern von 13 nur gut die Hälfte auf den Straßen unterwegs. Die Nächte schlägt sich der Chef selbst um die Ohren, sagt er. „Letzte Woche hatte ich um 23 Uhr noch eine Fahrt vom Bahnhof. Der junge Mann, der mit dem Zug ankam, durfte ja von seiner Familie nicht abgeholt werden. Das war allerdings auch die einzige außerplanmäßige Fahrt des Tages.“

Auch in Babenhausen fahren weniger Taxis

Auch Armin Späth von Taxi Späth in Babenhausen fährt sein Angebot zurück. „Beim Personal mussten wir reduzieren, die Werbung haben wir auf Null herunter gefahren.“ Wünschen würde er sich, dass es wieder läuft wie vorher. Besonders die Unsicherheit mache zu schaffen, so Sereflioglu. „Man wartet ständig – kommt ein Anruf rein oder nicht. Wie es weitergeht, kann man nicht sagen.“ Das zehrt an den Nerven. Nichtsdestotrotz sieht er noch die wenigen positiven Aspekte: „Wir kommen sicherlich noch besser weg als Taxifahrer in den Großstädten. Denen bricht mit entfallenden Messen und der entsprechenden Konkurrenz natürlich noch mehr Umsatz weg.“ Tangüner ist froh, dass wenigstens seine Autos abbezahlt seien. Zumindest ein Problem weniger.

Doch das Grundproblem bleibt: Die meisten Fahrten bleiben aus. „Ich würde mir wünschen, dass die Wirtschaften wieder öffnen, damit wir wenigstens am Wochenende einigermaßen normal arbeiten können,“ so Sereflioglu. Auch Tangüner denkt an die Gastronomie: „Für sie und für uns würde ich mir wünschen, dass die Hilfen schneller ankommen, um Zahlungen entsprechend pünktlich tilgen und ein bisschen beruhigter sein zu können.“

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