Kultur im Schloss

19.03.2013

Zwischen Leben und Tod

Ein sehr gut eingespieltes Duo: Corina Golomoz an der Bratsche und Yuko Ellinger am Piano. In der familiären Atmosphäre im Barocksaal beglückten die jungen Musikerinnen das Publikum mit bester Kammermusik.
Bild: Vo Minh Thu Tran

Das erste Konzert für Bratsche und Klavier im Barocksaal

Illertissen Der „Freundeskreis Kultur im Schloss“ feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen – in dieser Zeit gab es noch nie ein Konzert mit Bratsche in Illertissen. Bis zum Samstag, denn da war die junge Bratschistin Corina Golomoz zusammen mit der Pianistin Yuko Ellinger zu hören. Von Klassik bis Moderne: Zusammen boten sie Kammermusik vom Feinsten. Die junge Corina Golomoz spielte mit unbändiger Lebensfreude. Sie und ihre Begleiterin schufen eine treffende Balance zwischen Klavier und Bratsche. Es war gut zu hören, dass die beiden schon seit Jahren zusammenspielen.

Den Anfang machte das Duo an diesem Abend mit dem Notturno in D-Dur für Viola und Klavier, op. 42 von Ludwig van Beethoven. Golomoz zeigt hier eine schöne Grundintonation. Die Palette reicht von großer Spielfreude der jungen Bratschistin im ersten Satz, in dem sie fast tänzelnd ihren Bogen auf den Saiten bewegt, bis zu großer Ruhe, die Klavier und Bratsche im Adagio ausstrahlen, ohne ermüdend zu wirken. Golomoz und Ellinger spielen so fröhlich, dass im Publikum spontaner Beifall aufkommt.

Kammermusikalisch genial gelingt den beiden auch die Interpretation der Sonate Nr. 2 in Es-Dur für Viola und Klavier von Johannes Brahms, die im Original für Klavier und Klarinette komponiert wurde. Hier besticht das sehr mutige, subtile Piano und Pianissimo der beiden Musikerinnen, das trotzdem glasklar selbst in den letzten Reihen des kleinen Barocksaals ankommt. Den Kontrast bildet das expressive, leidenschaftliche Spiel im Allegro appassionato, in dem Yuko Ellinger temperamentvoll und romantisch stilsicher ein intensives, dichtes Legato ertönen lässt. Die junge Pianistin spielt ihre Jazz-Erfahrung aus – ihre Finger gleiten virtuos über die Tasten. Die gebürtige Japanerin entlockt dem kleinen Konzertflügel jubilierende Töne.

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Der Höhepunkt des Abends bildet die Sonate in D-Dur für Viola und Klavier von Dimitri Schostakowitsch, dem letzten Werk des Russen. Er beendete die Arbeiten daran nur eine Woche vor seinem Tod. Das lässt sich auch aus dem Charakter des Stückes heraushören. Der matte, aber zugleich leidenschaftliche Bratschenklang berührt zutiefst. Das Klangspektrum der Sonate ist unglaublich groß und reicht von weich und leise bis zu einem harten, fast gehämmerten Ton. Das Stück beginnt einfach und ruhig mit einem Pizzicato der Bratsche, das langsames Ticken einer Uhr nachahmt. Das Tempo ist von den Interpretinnen gut gewählt. Schlichtheit kennzeichnet den ersten Satz, Golomoz geht sehr sparsam mit dem Vibrato um und verzichtet an einigen Stellen komplett darauf. Trotzdem baut sich im Publikum hohe Aufmerksamkeit auf.

Der zweite Satz mutet fast trotzig an, scheint eine Ode an das Leben zu sein, mit Motiven aus Schostakowitschs unvollendeter Oper „Der Spieler“. Die Sonate endet mit Tönen der Bratsche, die sich scheinbar im Nichts auflösen – und den Zuhörer mit Gänsehaut still verharren lassen. Erst nach langer Erholungspause folgt lauter Applaus, den die jungen Frauen mit einer Zugabe belohnen: Kammermusikalisch sehr intim und kantabel legen sie den vierten Satz aus Schumanns „Märchenbilder“ op. 13 aus.

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