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Kultur im Schloss

06.03.2012

Zwischen Romantik und Moderne

Ivan Podyomov, Preisträger im Fach Oboe beim ARD-Musikwettbewerb und Dimitri Vinnik, Klavier, ebenfalls mit Wettbewerbspreisen ausgezeichnet, warteten im Barocksaal mit einem Programm auf, das die Hörer zutiefst bewegte.
Bild: ch

Die Vielfalt von Kompositionen für Oboe

Illertissen Vom Fleck weg hat der unermüdliche Organisator von Kultur im Schloss, Fritz Unglert, den ARD-Preisträger Ivan Podyomov nach seinem Vorspiel im Münchner Herkulessaal für einen Auftritt in Illertissen engagiert. Jetzt stellte sich der Künstler mit einem technisch anspruchsvollen, für die Hörer alles andere als leicht zu goutierendem Programm vor, das Werke von sieben Komponisten umfasste.

Am Beginn stand ein Alterswerk von Camille Saint-Saens, seine Sonate D-Dur, eine der ersten Kompositionen des 20. Jahrhunderts für Oboe. Ursprünglich hatte der 86-jährige Maestro eine Kantate für Bariton und Orchester schreiben wollen. Die kam nicht zustande, und so instrumentierte er die Fassung für Oboe um, weil die der menschlichen Stimme am nächsten kommt. In den expressiven Beginn wie in die folgende Hirtenweise und in das keck sprudelnde Allegro sind virtuose Passagen eingestreut, die Podyomov überlegen meistert.

Mit Anklängen an Zwölftönigkeit

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Moderner, immer apart und mit Anklängen an Zwölftönigkeit, gibt sich Frank Martin in seinem Spätstil, während Carl Nielsen schon in seinem op. 2, mit 24 Jahren geschrieben, die formale Beherrschung großer Bögen gelingt. Stets grundiert Begleiter Dimitri Vinnik mit adäquaten Klangfarben, die im Falle von Benjamin Britten bis hin zu dumpfem Schlagzeugdröhnen reichen. Gerade in seinen Variationswerken gelingt Britten, dem oft Eklektizismus vorgeworfen wird, ganz Neues mit zum Teil unerhörten Wirkungen und bezwingenden rhythmischen Effekten. In seinen „Temporal Variations“ ist das vor allem in den kurzen Sätzen „March“ „Exercises“ und „Waltz“ der Fall. Vinnik stellte sich auch als Pianist mit Impromptus von Franz Schubert vor. Das in Es-Dur mit dem Laufwerk mechanisch noch so blendend heruntergespielt, wird dem Liedmeister, der überall durchblickt, nicht ganz gerecht. Besser gelang das in dem aus gebrochenen Akkorden geformten in As-Dur. Dann folgten Robert Schumanns berühmte Fantasiestücke, eigentlich für Klarinette gedacht, aber von Podyomov mit der Oboe d’ amour fein ausgedeutet ins Programm genommen, weil besser passend als die eigentlichen Oboensätze Schumanns. Am Schluss stand, als autobiografisches Werk, die Suite von Pavel Haas, dem im KZ-Lager Ermordeten, das in bestürzender Weise die Zeichen der Zeit widerspiegelt, mittelalterliche Choräle einstreut und in feierliches Glockenläuten mündet.

Die beeindruckten Hörer erklatschten sich noch zwei Zugaben.

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