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Oberschönegg: "Ehrmann, keiner kotzt mich mehr an": Video aus Stall bringt Shitstorm

Oberschönegg

"Ehrmann, keiner kotzt mich mehr an": Video aus Stall bringt Shitstorm

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    An Ehrmann ist Kritik entbrannt, weil Videoaufnahmen schlechte Haltungsbedingungen auf Lieferantenbetrieben zeigen.
    An Ehrmann ist Kritik entbrannt, weil Videoaufnahmen schlechte Haltungsbedingungen auf Lieferantenbetrieben zeigen. Foto: Aninova e.V., Alexander Kaya (Archivbild)

    Am Montagabend hat eine Tierrechtsorganisation namens Aninova Videomaterial aus Höfen veröffentlicht, die Ehrmann-Zuliefererbetriebe sein sollen, und damit eine massive Kampagne gegen die Molkerei ausgelöst. Auf dem Video sind Kühe aus Kettershausen und Egg zu sehen, die ganzjährig angebunden sein sollen. Das Video ist kein sachlicher Beitrag, sondern enthält zahlreiche persönliche Meinungsäußerungen und wird mit dramatischer Musik und Werbefilm-Elementen untermauert. Innerhalb von weniger als drei Tagen wurde es auf Instagram bereits über 800.000-mal aufgerufen. Angesichts der minütlich steigenden Klick-Zahlen ist zu erwarten, dass die Reichweite noch größer werden wird.

    Nach dem Erscheinen des Videos zeigten sich Tausende Menschen empört und formulierten scharfe Vorwürfe gegen Ehrmann. Konkret geht es um Folgendes: Ehrmann werbe im Internet und im Fernsehen mit Kühen auf grünen Wiesen, aber das, was die Tierschutzaktivisten anhand der Videos belegen solle, zeige ein anderes Bild. Kühe würden ein Leben lang in Ketten angebunden sein. Was Ehrmann mache, sei eine "dreiste Werbelüge". Erst Anfang des Jahres hatte es ähnliche Vorwürfe der Tierrechtsorganisation Peta gegeben.

    Um der Kampagne einen Namen zu geben, formulierte die Organisation mit Sitz in nordrhein-westfälischen St. Augustin den Ehrmann-Werbespruch um und schrieb: "Ehrmann, keiner kotzt mich mehr an". Die Vorwürfe stützen sich maßgeblich auf die Videos, die in Egg und Kettershausen entstanden sein sollen. Quellen sind im Video nicht genannt. Stattdessen rufen ein Schauspieler, ein Rapper und ein Autor dazu auf, keine Milchprodukte zu konsumieren und einen veganen Lebensstil zu pflegen. Zum Donnerstagvormittag ruderte Aninova bereits ein wenig zurück. Eine Mitarbeiterin namens Lisa verkündet in einer Instagram-Story, dass Ehrmann sich gemeldet habe. Demnach würden nur fünf Prozent der Zulieferer von Ehrmann eine ganzjährige Anbindehaltung betreiben. "Fünf Prozent – okay, das klingt erst einmal gar nicht so schlecht, aber wieso trennt sich Ehrmann denn dann nicht von diesen Betrieben?", möchte Lisa wissen.

    Den Wert von fünf Prozent bestätigt Ehrmann auf Nachfrage unserer Redaktion. Jedoch ging das Unternehmen nicht inhaltlich auf die Vorwürfe ein. Wie eine Sprecherin mitteilte, würden alle Ehrmann-Milcherzeuger von unabhängigen Prüfungsstellen geprüft und zertifiziert. Ein Großteil von komme aus dem Allgäu und würde "ihren Kühen in der Regel über einen großen Zeitraum des Jahres Laufstall- oder Weidehaltung" anbieten. 

    Tierschützer üben Kritik an Ehrmann nach Skandal-Video

    Das virale Video blieb unverändert. Was die prominenten Gäste im Video sagen, ist teilweise sehr emotional. Rapper Pikayzo erklärt beispielsweise anfangs des Videos: "Wenn ich solche Bilder sehe, werde ich unfassbar wütend". Für ihn sei es moralisch nicht vertretbar, Milchprodukte zu konsumieren. Ganz ähnlich sieht es Autor Maximilian Pollux: "Es gibt kein Tierprodukt ohne Tierleid, deshalb bleibt eigentlich nur die vegane Ernährung." Schockiert hätten ihn die Aufnahmen jedoch nicht, denn Anbindehaltung sei Realität: "nicht nur bei Ehrmann, sondern überall".

    Aninova-Vorsitzender Jan Peifer räumte ein: "Mit solch einer Aufmerksamkeit haben wir nicht gerechnet". Den Stein ins Rollen gebracht habe ein verdeckt aufgenommenes Video, das der Tierrechtsorganisation zugespielt worden sei. Die Aufnahmen seien in zwei Betrieben in Egg an der Günz und Kettershausen entstanden. Die Landwirte hätten gesagt, dass sie für Ehrmann produzieren, teilweise schon seit über zehn Jahren. "Es sind Betriebe mit 20 bis 50 Kühen. Genau mit solchen kleinen Höfen wirbt Ehrmann auf seiner Website und will damit eine artgerechte Tierhaltung suggerieren, die es aber nicht gibt", moniert Peifer.

    Video von Aninova: Kühe werden mit Ketten und Bändern am Hals fixiert

    Unklar ist bislang, inwiefern Aninova (ehemals "Deutsches Tierschutzbüro") die Bedingungen bei den landwirtschaftlichen Betrieben überprüft hat. Auf Nachfrage teilte Vorsitzender Peifer mit, er habe mit den betroffenen Landwirten telefoniert. Es sei jedoch weder er noch ein anderer Aninova-Mitarbeiter in Egg oder Kettershausen gewesen. 

    Trotzdem ist sich Peifer sicher: "Die Tiere können sich weder bewegen noch umdrehen, so eng sind die Ketten. Bis zum Tod angebunden, ein Leben an der Kette – ich glaube, es gibt kaum etwas Schlimmeres, was einem Tier angetan werden kann." Der Chef habe die Veterinärämter in Mindelheim informiert und ihnen auch das Bild- und Videomaterial zugeschickt. (mit dpa)

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