Was für eine fiese Idee! Der Besucher einer Abendgesellschaft will dem Smalltalk entfliehen und schlägt ein Spiel vor. Die Gäste sollen ihr Handy auf den Tisch legen, eingeschaltet. Was an Botschaften ankommt, soll laut vorgelesen werden. Das ist der erste Moment der Spannung, den das Vöhringer Ensemble Szenenwechsel wirkungsvoll aufbaut. Verweigert sich jemand dem Spiel, hat er möglicherweise was zu verbergen. So entsteht Zugzwang, dem sich niemand entzieht. Was mit simplen Nachrichten beginnt, gipfelt in einem Crescendo an Emotionen.
Regisseur Johannes Koerner gelingt eine Gratwanderung. „Das perfekte Geheimnis“ von Paolo Genovese ist als Komödie angelegt, doch Tiefgang ist spürbar. Die Personenführung ist durchdacht, die Dialogregie wird zum tragenden Faktor. Keine oberflächlichen Gespräche, Koerner schürft tief. Alle auf der Bühne verdienen eine Blume, manche dürfen ein paar Blütenblätter mehr haben. So wie Erika Möres als elegante Psychoanalytikerin Eva. Sie spricht gespreizt, ihre Bemerkungen scheinen mit der Klinge geschärft. Gerhard Mahler als Ehemann Rocco überzeugt mit Intellekt und Gelassenheit. Sarah Schwerdel in einer Hosenrolle als Alex ist die Überraschung des Abends. Sie ist geballte Emotion, die ihren Höhepunkt durch das Coming-out „ja, ich bin homosexuell“ erreicht. Es hallt wie ein Verzweiflungsschrei in den Raum. Ihre ständigen Liegestütze werden mit Sonderbeifall belohnt.
Szenenwechsel Vöhringen spielt „Das perfekte Geheimnis“
Lukas (Lutz Freybott) kämpft verbissen mit Ehefrau Carlotta (Simone Hüftle) darum, dass er hetero ist, während Carlotta wegen eines fehlgeleiteten Anrufs überzeugt ist, er sei homosexuell. Hüftle zeigt ihre Verletztheit überzeugend und nur durch Mimik. Bianca (Diana Geiser) scheint eine glückliche Frau zu sein, stets beschwichtigend – bis sie mit der Wahrheit konfrontiert wird. Ihr Partner Cosimo (Eric Baur), nimmt es offenbar mit der Treue nicht so genau. Ein erfrischender Tupfer ist Marlit Feltes als pubertierende Tochter von Marco und Eva. Sie lehnt sich gegen die alles bestimmende Mutter auf, während ihr Vater ihr für eine Party „Verhüterli“ zusteckt.
Die Inszenierung überzeugt durch spielerische Dichte, dabei hilft die Nähe zum Publikum. Ein Kunststück im Bereich Technik und Beleuchtung erbringen Henning Schick und Daniel Geiser. Tüftelei war angesagt, damit alle Handys zur richtigen Zeit klingeln. Es gibt lang anhaltenden Beifall für einen amüsanten Abend, der stellenweise nachdenklich macht.
Weitere Termine
Freitag, 8. Mai, Sonntag, 10. Mai, und Mittwoch, 13. Mai, jeweils 20 Uhr bei KellerKult im Josef-Cardijn-Haus. Tickets unter kellerkult-voehringen.de.
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