Bei Wieland in Vöhringen herrscht nach dem Raubüberfall in der Nacht auf Sonntag großes Rätselraten: Warum sind zwei bewaffnete und maskierte Männer auf das Werksgelände eingedrungen? Als Diebesgut käme allenfalls Metall infrage – „sonst gibt es hier nichts zu holen“, sagt ein Beschäftigter am Montag am Werkstor. Für den Abtransport von Kupfer wäre ein Lastwagen nötig. „Bei kleineren Mengen lohnte sich doch das Risiko gar nicht.“ Der käme nachts nur über die Liefereinfahrt hinein und hinaus. Ob ein Lkw im Spiel war, ist unklar. Und wurde überhaupt etwas gestohlen?
Darüber und über das mögliche Motiv machen weder die Polizei noch das Unternehmen Angaben. Die zuständigen Behörden seien unmittelbar nach dem Vorfall informiert worden und hätten die Ermittlungen aufgenommen, teilt Unternehmenssprecher Wolfgang Albeck mit. Wieland stehe mit den Behörden in Austausch. Niemand sei verletzt worden.
Polizei sucht Räuber nach Überfall bei Wieland mit Hubschrauber
Gegen 1.30 gelangten die Täter auf das Werksgelände. Sie bedrohten einen Sicherheitsmann mit einer Pistole, fesselten ihn und durchsuchten danach das Betriebsgelände und Räumlichkeiten. Der gefesselte Mann konnte einen Notruf absetzen, die Polizei fahndete mit Streifenwagen und setzte ab etwa 4 Uhr morgens auch einen Helikopter ein, dessen Lärm Anwohner weckte. Bis 5 Uhr fahndeten die Einsatzkräfte, ohne Erfolg. Bis zum Abend liefen weitere Maßnahmen. Seitdem halten alle Polizistinnen und Polizisten nach Angaben eines Präsidiumssprechers die Augen offen. Zu möglichen Hinweisen aus der Bevölkerung gab der Sprecher keine Auskünfte. Auch zur Beute, zu möglichen Beschädigungen auf dem Werksgelände und zur Frage, wie der gefesselte Mitarbeiter die Polizei rufen konnte, äußerte er sich nicht. Wieland-Sprecher Albeck verweist auf die laufenden Ermittlungen. Er bitte um Verständnis, „dass wir uns derzeit nicht zu weiteren Details äußern können“.
An der Pforte für die Ein- und Ausfahrt von Lieferungen sagt ein Mitarbeiter beim Schichtwechsel gegen 13 Uhr freundlich, aber bestimmt, er erteile keine Auskünfte. Beschäftigte berichten, der Überfall sei intern auf Schicht heute kein großes Thema gewesen. Alle rätseln über den Sinn des Überfalls. Denn selbst wenn etwas gestohlen worden sei, hätten die Räuber ein Problem. Das Kupfer lasse sich zu Wieland zurückverfolgen. Ein Weiterverkauf sei höchstens an Abnehmer „weit weg“ möglich. Bei Wieland in Vöhringen würden ferner Zusatzstoffe für Legierungen gelagert, etwa Zink oder Silber. „Das Silber jedoch ist hinter einem dicken Tresor, da kommt man nicht so ohne Weiteres heran“, sagt einer. Das Silber sei in Granulat-Form, aber wohl schon in Millionenhöhe an Wert.
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