Fußball

22.01.2019

Anfahrt: 16000 Kilometer

Anfahrt: 16000 Kilometer
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Der australische Amity FC ist der Exot beim Elchinger U11-Eurocup. Fußballerisch können die jungen Spieler allerdings nicht mithalten. Dafür sammeln sie wichtige Erfahrungen

Die Jungs vom Amity FC haben am Wochenende beim U11-Eurocup in Elchingen (wir berichteten) alles verloren – aber sie kamen sich nicht verloren vor. Das lag daran, dass die kleinen Australier von den Gastgebern sehr gut betreut wurden und trotz ihrer zum Teil klaren Niederlagen im Turnier auch jede Menge Beifall vom Publikum erhielten. Dieses hatte schnell die Probleme der Mannschaft aus „Down Under“ erkannt, die nur mit sieben Spielern angerückt war und heftige Strapazen hinter sich hatte. Das Team aus Prestons, einem Vorort von Sidney, hatte noch die 27-stündige Anreise aus ihrer über 16000 Kilometer entfernten Heimat in den Knochen. Dazu kamen ein zweitägiger Ausflug nach München, einer nach Stuttgart, ein Aufstieg in den Ulmer Münsterturm und obendrein drei Testspiele gegen den FC Burlafingen, von denen es immerhin eines gewann. Da waren die sieben Partien beim Eurocup in der Elchinger Brühlhalle dann doch zuviel für die Jungs, von denen manche nicht einmal zehn Jahre alt sind.

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Nach der knappen Auftaktniederlage gegen den SV Jungingen (0:2) hielt der Trainer der kleinen Australier, Anel Kapur, ein gebürtiger Bosnier, eine lange Kabinenpredigt. Er impfte seinen Schützlingen ein, dass sie disziplinierter spielen und den Kontrahenten mehr unter Druck setzen müssen. „Die anderen Teams sind noch stärker“, schätzte er die nächsten Vorrundengegner Eintracht Frankfurt und Hamburger SV richtig ein. Gegen die Mannschaft des Bundesligisten aus der Hessenmetropole setzte es dann auch eine 0:9-Klatsche und gegen den HSV verlor der Amity FC mit 0:5. Damit war das Team aus dem fernen Kontinent klar Letzter der Gruppe D. Gemäß dem neuen Reglement durfte es am zweiten Turniertag aber weiterspielen. Mit der Folge, dass es vier weitere Pleiten gab: 0:4 gegen den FC Burlafingen, 0:3 gegen Gastgeber SV Oberelchingen, 0:9 gegen FDS Suomi aus Finnland, und 1:3 gegen die SGM Dietenheim/Regglisweiler. Immerhin gelang den Australiern im letzten Spiel noch das umjubelte Turnier-Ehrentor. Trotzdem belegten sie am Ende ohne jeden Punktgewinn mit 1:35 Toren den 24. und letzten Platz.

Trotzdem freute sich der Cheforganisator des Turniers, Tom Fuchs, über die Teilnahme des australischen Teams: „Der Verein hatte im Internet von unserem Turnier erfahren und sich für die Teilnahme beworben. Ein Team aus Australien war noch nie dabei und wir fanden es spitze, dass eine Mannschaft kommen wollte.“ Klar, die Jungs vom Amity FC mussten jede Menge Lehrgeld zahlen, aber ein Grund war, dass das Team sehr klein war. Bei nur zwei Auswechselspielern hatte es die Mannschaft von vornherein schwer.

Anfahrt: 16000 Kilometer

Trainer und Sportmediziner Anel Kapur, der seit 20 Jahren in Australien lebt, aber immer wieder mal nach Europa und in seine Heimat kommt, erzählte: „Unser Team ist so klein, weil alleine die Reisekosten sehr groß sind. Unser Verein hat den Trip schon etwas unterstützt, vor allem aber mussten die Eltern der Jungs die Kosten tragen. Und das konnten eben nur wenige.“

Die Reise zum U11-Eurocup, die von Sidney über Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) und München nach Elchingen führte, war der erste Trip der Jungen nach Europa und somit nach Deutschland überhaupt. „Immerhin haben die Jungs vor allem im Flugzeug viel geschlafen“, berichtete Kapur. „So war es erträglich. Aber zwei Jungs haben bald ihre Eltern vermisst.“ Der älteste Spieler aus dem Team aber gab zu: „Es ist wunderbar hier. Das lautstarke Publikum ist super. Ich könnte mir vorstellen, hierzubleiben.“ Wie Kapur weiß, ist Fußball „ein aufkommender Sport in Australien. Er ist schon hinter Rugby und Cricket die Nummer drei. Aber wer dort in der Zweiten Liga spielt, würde hier wohl in der siebten oder achten Liga dabei sein. Wir sind hier, um zu lernen.“ Aber wie gesagt: In Elchingen haben Zain, Zac und die anderen Spieler erst einmal Lehrgeld gezahlt. Und mit den Erfahrungen vom U11-Eurocup haben sie gleich am Sonntag nach Turnierende die lange, lange Heimreise angetreten.

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