Basketball

16.11.2019

Bitte wach bleiben

Gavin Schilling schließt beim Spiel gegen Würzburg am vergangenen Samstag mal kurz die Augen, der Teamkollege Derek Willis schaut auch nicht allzu munter aus dem Trikot. Gegen Bamberg müssen die Ulmer zu noch späterer Stunde hellwach sein.
Bild: nordphoto/Hafner

Die Fußballer spielen gern zu später Stunde, Bamberg und Ulm bleibt nichts anderes übrig. Auf die sportliche Ausgangslage hat der Termin keine Auswirkungen

Dass internationale Spiele im Fußball unter der Woche um 21 Uhr beginnen, daran haben sich die Sportfreunde längst gewöhnt. Das Länderspiel-Leckerli zwischen Deutschland und Weißrussland in Mönchengladbach wird am Samstag um 20.45 Uhr angepfiffen und – Wunder über Wunder – das Zuschauerinteresse hält sich in Grenzen. Die Basketballer nehmen sich nun ein schlechtes Beispiel an den Fußballern, die Bundesligapartie zwischen Bamberg und Ratiopharm Ulm ist am Sonntag auf 20.30 Uhr angesetzt. Die Liga und der übertragende Sender Magenta-Sport wollen es so. Dabei gehen auch in Oberfranken die Menschen am Montag zur Arbeit, die Kinder und Jugendlichen gehen in die Schule.

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Am Samstag haben die Bamberger keine Halle, spielen dürfen sie nach einer Vereinbarung zwischen der Liga und dem Fernsehen aber nicht zeitgleich mit Bayern München oder Alba Berlin. Der Meister trifft am Sonntag um 15 Uhr auf Bayreuth, der Vizemeister um 18 Uhr auf Ludwigsburg, für Bamberg bleibt also der Termin um 20.30 Uhr. Glücklich ist damit auch im Lager des neunmaligen deutschen Meisters und sechsmaligen Pokalsiegers niemand. Normalerweise ist die Brose-Arena voll, am Freitag waren für das Spiel gegen Ulm noch etwa 1500 Karten zu haben. Die Unterstützung für die Gäste dürfte sich zudem sehr in Grenzen halten. Ganze acht Anhänger der Ulmer haben sich in Bamberg angemeldet. Der 270 Kilometer lange Rückweg zieht sich schließlich über mindestens drei Stunden. Auch in Schwaben gehen die Menschen am Montag zur Arbeit, die Kinder und Jugendlichen gehen in die Schule.

Ein paar Schlachtenbummler mehr oder ein anderer Termin würden allerdings an der sportlichen Ausgangsposition nichts ändern. Ebenso wie die Ulmer haben auch die Bamberger im Sommer einen personellen Umbruch vollzogen, anders als die Ulmer haben sie den prima hinbekommen. In der Liga Siege gegen Bayreuth, den MBC, Gießen, Hamburg, Göttingen, Bonn und nur eine Vierpunkt-Niederlage gegen Berlin. In der internationalen Champions-League ist Bamberg mit zuletzt drei Erfolgen nacheinander ebenfalls auf Kurs. Die Ulmer Bilanzen sind bekannt: Ein Sieg und fünf Niederlagen in der Bundesliga, ein Sieg und sechs Niederlagen im Eurocup.

Bitte wach bleiben

Trainer Jaka Lakovic ist zunehmend auch als Psychologe gefordert. Der Ulmer Trainer sagt: „Das Selbstvertrauen der Spieler hat ein bisschen gelitten, aber wir machen eine Menge, damit sie weiter an ihre eigenen Fähigkeiten glauben.“ Für Teambuilding-Maßnahmen ist wegen des eng getakteten Spielplans zwar keine Zeit. Dafür führt Lakovic viele Einzelgespräche, die in ihrer Intensität durchaus unterschiedlich ausfallen: „Es gibt Spieler, mit denen muss man ganz ruhig reden. Einen Zoran Dragic muss man dagegen anschreien, wenn man ihn richtig motivieren will.“ Der slowenische Routinier ist übrigens in dieser Woche nach einer zehntägigen Pause wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Ob es für Dragic schon in Bamberg zu einem Comeback auf dem Feld reicht, das ist noch offen. Ebenso offen wie die Frage, ob Max Ugrai nach zuletzt fünf Spielen ohne eine einzige Sekunde auf dem Feld mal wieder eingesetzt wird. Lakovic bestätigte am Donnerstag, dass Ugrai gesund ist und ganz normal trainiert: „Aber wir haben auf den großen Positionen eben vier andere Spieler. Ich habe für ihn noch keine Minuten gefunden.“

Dann versicherte der Ulmer Trainer noch, dass er mitnichten resigniert hat: „Ich wache jeden Morgen voller Energie auf.“

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