Basketball

25.05.2019

Der Albatros ist obenauf

Die Berliner Albatrosse und ihr Maskottchen brauchen nur noch einen Sieg für den Einzug ins Halbfinale der Play-offs. Die Ulmer wollen es ihnen am Sonntag möglichst schwer machen.
Bild: Imago-Images/Camera 4

Wenn Ulm noch ein Spiel gegen Berlin verliert, dann ist die Saison beendet. Aber noch träumen die Spieler und der Trainer erzählt von eigenen Sehnsüchten

Ein nüchterner Beobachter hat aus den beiden ersten Spielen der Viertelfinalserie in den Play-offs der Basketball-Bundesliga zwischen Alba Berlin und Ratiopharm Ulm vermutlich diesen Schluss gezogen: Wenn die Ulmer gut spielen und sich wehren, dann verlieren sie mit 15 Punkten Differenz. Wenn nicht, dann können es auch an die 30 sein. Eine Niederlage in jeder beliebigen Höhe in Spiel drei am Sonntag (15 Uhr) wäre für die Ulmer gleichbedeutend mit dem Ende der Saison. Das würden sie gerne noch ein bisschen hinaus zögern. Das minimale Ziel ist es, mit einem Sieg ein zweites Heimspiel zu erzwingen, das dann am kommenden Dienstag wieder in der Ratiopharm-Arena ausgetragen würde. Vor fünf Jahren haben die Ulmer genau das geschafft, auch wenn am Ende eben doch Alba ins Halbfinale kam. Nach einem 0:2-Rückstand eine Serie noch komplett zu drehen, das ist in der Geschichte der Play-offs überhaupt erst drei Mannschaften gelungen und in den vergangenen 16 Jahren gar keiner mehr. Thorsten Leibe-nath hält genau das trotzdem für möglich, wenn seine Spieler die Zahl der Ballverluste reduzieren und wenn sie sich mehr Rebounds schnappen. Der Ulmer Trainer gibt zu bedenken: „Meine Alternative wäre: Ich stelle mich vor die Mannschaft und sage ihr: Wir fahren nach Berlin, um zu verlieren.“

Ein großer Wettanbieter sieht Alba am Sonntag als 7:1-Favoriten, was in etwa auch die Einschätzung von Basketball-Deutschland sein dürfte. Trotzdem geht Leibenath davon aus, dass seine Spieler von der ganz großen Überraschung träumen und er gewährt einen Einblick in die eigenen Sehnsüchte seiner jungen Jahre: Ein Spiel mit einem Dunking in der entscheidenden Phase zu entscheiden, das war der Traum von Leibenath. Geklappt hat das mit dem Dunking nie. Nicht in der entscheidenden Phase eines Spiels und auch in keiner anderen.

Offen ist derzeit noch, in welcher Besetzung die Ulmer am Sonntag an der Realisierung ihres Traums von einem Sieg in Berlin arbeiten werden. Leibenath befürchtet: „Wir werden wohl nicht aus dem Vollen schöpfen können.“ Dwayne Evans hat seinen grippalen Infekt zwar teilweise auskuriert und am Donnerstag wieder trainiert. Patrick Miller musste aber in Spiel zwei wegen der Beschwerden an der Schulter komplett pausieren und sein Vertreter ist nicht einmal annähernd im Vollbesitz seiner Kräfte. Per Günther schleppte sich mit Leidensmiene über das Feld, er hatte offensichtlich ständig Schmerzen und nahm in den kurzen Pausen des Spiels eine Art Schonhaltung ein. Ursache ist ein Eingriff am Knie vor mehreren Wochen. Günthers Trainer sagt: „Die Prognose war damals positiv, die Realität ist weniger positiv. Wenn es nicht die Play-offs wären, dann hätten wir nicht einmal darüber nachgedacht, ob Per spielt.“

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Viele Beobachter stellten sich allerdings auch die Frage, warum der Vertrag mit Per Günther um ein weiteres Jahr verlängert wurde und warum das Ulmer Basketball-Denkmal sich das selbst im Herbst seiner Karriere noch antut. Leibenath ist nach wie vor von der Richtigkeit dieser Entscheidung überzeugt: „Per wird den Sommer über daran arbeiten, dass er seine Verletzung komplett auskuriert. Wenn ihm das gelingt, dann ist er ein anderer Spieler.“

Das Ende der Saison ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nahe, konkrete Pläne für die Zeit danach gibt es noch nicht. Der Ulmer Tross fliegt jedenfalls noch am Sonntagabend geschlossen aus Berlin zurück, die traditionelle Verabschiedung der Mannschaft von den Fans wird es wahrscheinlich auch wieder geben. Der Verwandlung des Trainers Thorsten Leibenath in einen Sportdirektor ist dann abgeschlossen und er kann sich mit voller Kraft seinen neuen Aufgaben widmen.

Zu denen gehört neben Verhandlungen mit alten und neuen Spielern auch die Verpflichtung des eigenen Nachfolgers. Bei einer Pressekonferenz am Freitag versicherte Leibenath einmal mehr, dass es bisher keinen unterschriebenen Vertrag mit einem Trainer gibt.

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