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Fußball

16.01.2020

Eine Ulmer Lösung soll her

Der DFB-Pokal (hier das Spiel gegen Heidenheim) tut den Spatzen dank voller Zuschauerränge gut. In der Liga bleiben die meisten Sitze aber leer – das macht sich finanziell bemerkbar.
Bild: Alexander Kaya

Wenn es die Mitglieder so wollen, steht die Ausgliederung der Spatzen-Profis kurz bevor. Für den Verein wäre es wichtig – sonst droht eines Tages vielleicht wieder die Oberliga

Der 27. Januar 2020 wird den Weg ins Geschichtsbuch des SSV Ulm 1846 Fußball finden, das ist keine Frage. Die Frage ist nur, ob sich der Tag in ferner Zukunft als heilvoll oder unheilvoll entpuppen wird. An diesem Tag in eineinhalb Wochen werden die Mitglieder des Vereins auf der Mitgliederversammlung im Ulmer Kornhaus darüber entscheiden, ob die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) über die Bühne gehen wird oder nicht. Mindestens 75 Prozent der Stimmen müssen dafür her. Bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Versammlung haben die drei Vorstandsmitglieder Anton Gugelfuß (Sport), Thomas Oelmayer (Öffentlichkeitsarbeit & Marketing) und Alexander Schöllhorn (Verwaltung & Finanzen) am Mittwoch dargelegt, wie wichtig die Ausgliederung für den Regionalliga-Klub ist. Allein ein Blick auf die Finanzen zeigt, auf welchem dünnen Eis sich der Fußballverein bewegt.

3,4 Millionen Euro betrug der Umsatz im Geschäftsjahr 2018/2019, das im Juli 2019 endete, es ist der Rekordwert für die Fußballer, was vor allem an den beiden Partien im DFB-Pokal lag, die den Spatzen rund 750000 Euro in die Kasse spülten. Gleichzeitig stiegen aber auch die Ausgaben, sodass unterm Strich ein Gewinn von „nur“ 31000 Euro stand. Für Alexander Schöllhorn ist der geringe Gewinn trotz Umsatzrekord ein klares Zeichen dafür, wie viel Geld es kostet, in der Regionalliga oben mitspielen zu können. Das wird sich auch bei den Zahlen für das Jahr 2019/2020 zeigen. Bei gleichbleibendem Etat für das laufende Geschäftsjahr, aber nur einem Spiel im DFB-Pokal gegen Heidenheim dürfte klar sein, dass der Geldfluss derzeit nicht so sprudelt. „An mancher Ecke fehlen uns die Einnahmen“, sagt Anton Gugelfuß. Das liegt auch an fehlenden Zuschauerzahlen aufgrund des sehr verhaltenen Saisonstarts der Ulmer in der Regionalliga Südwest – obwohl das Interesse am Verein in der Region durchaus da ist. „Die Region muss aufspringen“, sagt Gugelfuß. Und das ist auch die Marschroute für die Ausgliederung der Profiabteilung.

Von der erhoffen sich die SSV-Chefs vor allem Sicherheiten für den Rest des Vereins, denn im Falle einer weiteren Pleite (in der Vergangenheit gab es drei), wäre der Kernverein abgesichert und könnte normal weiterarbeiten wie zuvor. Die finanzielle Verantwortung für die Profis liegt dann nämlich bei der KGaA. Neben der Sicherheit ist ein weiterer wichtiger Punkt der, dass sich der SSV Ulm 1846 Fußball durch die Ausgliederung im Profibereich der Gemeinnützigkeit entledigt und so wirtschaftlich arbeiten darf. Der Wert der Marke „SSV Ulm 1846 Fußball“ wurde von einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen auf 1,973 Millionen Euro geschätzt. Davon sind 1,4 Millionen Euro als Namensaktien die Grundlage der KGaA. Wichtig: Die 1,4 Millionen entsprechen nicht dem Wert des Profibereichs sondern gelten als „buchhalterische Größe“. Laut Gugelfuß gibt es „aussichtsreiche Gespräche“ mit potenziellen Investoren. Bei denen hoffen die Verantwortlichen vor allem auf Menschen aus der Region. „Viele haben ja Angst, dass wir den Verein verkaufen“, sagt Thomas Oelmayer. „Das wollen wir aber nicht. Die Entscheidungshoheit bleibt beim Verein.“ Die Geschäfte der KGaA führt eine extra gegründete GmbH. Deren Führungsriege ist die gleiche wie die der Fußballer: Oelmayer, Gugelfuß, Schöllhorn. Ausländische Investoren, wie das bei anderen Vereinen schon vorgekommen ist, wollen sie nicht.

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Es steckt also einiges hinter der Ausgliederungen: Arbeit, Anspruch und Hoffnungen. „Sie ist die Strukturreform, die wir brauchen“, sagt Oelmayer. Sie ist aber auch nur ein erster Schritt. Ohne sie sieht der Vorstand keine Chance, um vielleicht irgendwann in die 3. Liga aufzusteigen. Im Vergleich zu anderen Regionalligisten haben die Fußballer mit 1000 Mitgliedern relativ wenig, deren Beiträge sind wichtig, aber für große Sprünge reichen sie nicht. Als Wundermittel für den sicheren Aufstieg möchte Gugelfuß die Ausgliederung aber nicht sehen: „Viele denken, dass wir ab dem 28. Januar im Geld schwimmen. Das ist aber nicht so.“ Dann sei nur der erste Schritt getan und überhaupt fließe nicht das ganze Geld in Fußballer, sondern auch die Verwaltung drumherum. Das sei wichtig, denn die Gelder der Investoren sind Einmalzahlungen. Es muss verwendet werden, um wiederum neue Einnahmen zu schaffen. Risiko gibt es da immer – besonders im Sport. Bleiben die Erfolge und der anvisierte Aufstieg aus, ist das Projekt gescheitert. Dann sieht Thomas Oelmayer nur einen Ausweg: „Wir wollen nicht noch eine Insolvenz anmelden. Dann gehen wir wieder zurück in die Oberliga.“ Bei den Zuschauerzahlen mache das ohnehin nur wenig Unterschied. Trotzdem ist es ein Szenario, das niemand an der Donau sehen will. Und deshalb wirbt Oelmayer für Unterstützung: „Wir kämpfen als Ulmer für eine Ulmer Lösung.“ Möglichst mit regionalen Investoren.

Wie sich Drittliga-Fußball anfühlen kann haben indes die Spatzen bei ihrem ersten Testspiel in München gegen den FC Bayern II gemerkt. 1:1 stand es am Ende. Das Tor für die Ulmer schoss Lennart Stoll.

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