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Tischtennis

21.07.2020

Er hat bewiesen, dass er es kann

Dimitrij Mazunov hat in Neu-Ulm gleich mehrere Aufgaben: Er muss aus Routiniers und Nachwuchsspielern eine schlagkräftige Mannschaft formen und eine Trainingsgruppe für Talente einrichten.
Bild: Willi Baur

Der neue TTC-Trainer Dimitrij Mazunov hat mit Ochsenhausen viele Titel geholt und im Doppel sogar eine WM-Medaille – mit einem Sieg über zwei deutsche Legenden

Tischtennis-Bundesligist TTC Neu-Ulm hat dieser Tage seinen neuen Trainer Dimitrij Mazunov vorgestellt, vor Freunden und Sponsoren des jungen Vereins verteilte Präsident Florian Ebner dabei reichlich Vorschusslorbeeren. „Mit seiner Verpflichtung ist uns ein Husarenstück gelungen“, freute sich der Klubchef, der nach dem achten Tabellenplatz in der Premierensaison mit einem deutlich veränderten Team jetzt höhere Ziele anpeilt. Trotzdem äußerte sich Ebner dazu eher vorsichtig: „Wir wollen uns jetzt weiterentwickeln und den zweiten Schritt gehen.“ Auch sein neuer Trainer blieb im Gespräch mit unserer Redaktion zurückhaltend, formulierte aber seine Hoffnungen konkreter: „Mit Hao Shuai sind wir ein Kandidat für die Play-offs“, sagte der 49-jährige Russe: „Ohne ihn wäre das schwierig.“

Der Chinese und frühere Weltklasse-Mann Hao, inzwischen 36 Jahre alt, steht zumindest für gelegentliche Einsätze bereit und wäre dann zweifellos eine enorme Verstärkung des Stammkaders. Den werden künftig neben den Routiniers Tiago Apolonia, 33, und Neuzugang Emmanuel Lebesson, 32, zwei 18-jährige Nachwuchskräfte bilden: Kay Stumper und Vladimir Sidorenko, den Mazunov aus Ochsenhausen mitgebracht hat.

„Das ist eine sehr interessante Mischung aus erfahrenen Spielern und zwei hochtalentierten jungen Leuten“, meint der Erfolgstrainer, der mit den Oberschwaben schon als Spieler zahlreiche Titel gewonnen und dort zuletzt sieben Jahre als Trainer gearbeitet hat, zuletzt zwei als Chefcoach. „Es wird wichtig sein, dass die Mannschaft schnell zusammenfindet und dass sie menschlich harmoniert“, sagt Mazunov und weiß: „Das ist meine Aufgabe.“ Nicht die einzige. Er soll überdies Ebners Plan umsetzen, der eine vor Ort fest etablierte Trainingsgruppe vorsieht. Gemeinsam mit weiteren Toptalenten sollen hier die beiden eigenen Nachwuchshoffnungen zu Leistungsträgern reifen.

„Dabei können und sollen sie auch viel von den älteren Spielern profitieren“, wünscht sich der Trainer. Was zudem heißt: etwas verlängerte Präsenzzeiten der Routiniers im TTC-Quartier, vergleichbar in etwa dem Akademie-Betrieb, wie ihn Dimitrij Mazunov in Ochsenhausen erlebt hat.

Sidorenko soll demnach bald nach Neu-Ulm ziehen, der Trainer selbst lebt mit seiner Familie weiterhin im nahen Schwendi. Als 21-Jähriger war der damalige russische Nationalspieler 1992 aus seiner Heimat zum oberschwäbischen Verein gewechselt, sozusagen im Schlepptau seines älteren Bruders Andrei, der beim seinerzeitigen bayerischen Bundesligisten TSV Milbertshofen angeheuert hatte.

„Das war ein logischer Schritt“, erinnert sich Dimitrij Mazunov, „denn von ihm habe ich viel profitiert.“ Aufgewachsen sind die Brüder in Nischni Nowgorod, einer Millionenstadt 400 Kilometer östlich von Moskau, bei der die Oka in die Wolga mündet und die zu Sowjetzeiten Gorki hieß.

Der Grundstein für die spätere Tischtennis-Karriere wurde früh gelegt. Mit sechs Jahren im Kindergarten habe er die ersten Bälle geschlagen, berichtet der TTC-Trainer: „Dann ging es ziemlich schnell aufwärts.“ Tägliches Training sei selbstverständlich gewesen. Damit war der Sprung in den Nationalkader nur eine Frage der Zeit, erste Titel und Medaillen bei Jugend-Europameisterschaften inklusive.

Später bei den Aktiven blieben beiden Mazunov-Brüdern auf der internationalen Bühne zumindest im Einzel die ganz großen Erfolge versagt. Nicht nur der schwedischen Dominanz in dieser Zeit wegen. „Im Tischtennis entscheiden oft Kleinigkeiten“, weiß Dimitrij. „Im Grunde der Kopf und die Nerven.“

Und damit sei er „leider nicht immer hundertprozentig klargekommen“, bedauert er rückblickend. Ihre größten Erfolge feierten die Mazunovs denn auch gemeinsam, nämlich im Doppel. Unter anderem mit der Bronzemedaille 1991 bei den Weltmeisterschaften im japanischen Chiba. Vorausgegangen war im Viertelfinale der Sieg über die Titelverteidiger Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner, die zwei Jahre zuvor in Dortmund gefeiert hatten. Emotional einen noch höheren Stellenwert misst der TTC-Trainer freilich dem vierten Platz bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen bei, hier mit seinem späteren Doppelpartner Alexei Smirnov.

Gemeinsam mit „Rossi“, inzwischen Herren-Bundestrainer, und weiteren früheren Weltklasse-Leuten absolvierte Dimitrij Mazunov übrigens auch die deutsche A-Lizenztrainer-Ausbildung. Deren internationale Anerkennung verbunden mit seiner persönlichen Qualifikation bescherten ihm schon vor seinem Engagement in Ochsenhausen eine ebenso reizvolle wie schwierige Mission im Ausland: Von 2009 bis 2012 betreute er das Nationalteam von Katar.

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