Eishockey

27.02.2018

Geschlossenheit und Glaube

Die deutsche Eishockey-Mannschaft trat bei Olympia in Südkorea als Einheit auf. Für den Devils-Vorsitzenden Georg Meißner ist das die Erklärung dafür, dass es das Team von Trainer Marco Sturm bis ins Finale geschafft hat.
Bild: Daniel Karmann/dpa

Das olympische Silber der deutschen Mannschaft begeistert die Sportfans in der Region. Den Devils bescherte die Euphorie sogar einen Zuschauerzuwachs

„Sensationell“ – das ist wohl das Wort, das am Häufigsten fällt, wenn es um die Silbermedaille der deutschen Eishockeymannschaft in Südkorea geht. Erst im Finale konnte das Team von Marco Sturm von den Russen gestoppt werden, wenn auch denkbar knapp mit 3:4 in der Verlängerung. Es ist der größte Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte. „Sensationell“ findet das folglich auch Georg Meißner, Vorsitzender der Devils Ulm/Neu-Ulm. „Wir hatten bis 55 Sekunden vor Ende die Hand an der Goldmedaille“, sagt er. Bis dahin führten die Deutschen mit 3:2. Doch dann traf Nikita Gussew zum Ausgleich. In der Overtime markierte Kirill Kaprissow das 4:3 und damit die Goldmedaille für das Team der Russen, das unter dem neutralen Namen „Olympische Athleten aus Russland“ auflaufen musste.

Dass das deutsche Team überhaupt so weit kommen würde, hätte Georg Meißner nicht gedacht. „Da war aus meiner Sicht nicht allzu viel zu holen.“ Für ihn war es schon erstaunlich, dass es die Mannschaft über die Gruppenphase schaffte. In der unterlag sie zwar gegen Finnland und Schweden, dem amtierenden Weltmeister, gewann aber das Spiel gegen Norwegen und kam ins Play-off um das Viertelfinale.

Als nächste Gegner kamen die Schweiz, nochmals Schweden und die starken Kanadier. Die Deutschen ließen alle hinter sich. Wie schafft das ein Außenseiter-Team gegen solche starken Kontrahenten? „Mit dem Glauben daran, große Gegner besiegen zu können“, meint Georg Meißner. „Ein großer Anteil macht die Psyche aus. Marco Sturm hat seinen Spielern diesen Glauben vermittelt. Das macht er gut.“ Meißner sagt aber auch: Wenn es läuft, dann läuft’s. So gesehen beim 1:1-Ausgleich der Deutschen gegen Russland durch Felix Schütz. Seine Vorlage lenkte Torwart Wassili Koscheschkin ins eigene Netz. „Das Quäntchen Glück gehört eben auch dazu.“

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Besonders imponiert hat Meißner die „Geschlossenheit in der Defensive“. Die Russen seien teilweise verzweifelt angesichts der Mannschaftsleistung der Deutschen. Deshalb möchte der Devils-Vorsitzende auch keinen Spieler der deutschen Nationalmannschaft hervorheben. „Damit tue ich mir schwer. Bei jeder Mannschaftssportart ist jeder einzelne wichtig.“ Als Beobachter sei es ohnehin schwierig, die Wichtigkeit eines Einzelnen zu bewerten. „Jeder Spieler bekommt vom Trainer eine Rolle, die man als Zuschauer gar nicht kennt.“

Von denen gab es übrigens einige. Obwohl das Spiel um fünf Uhr morgens deutscher Zeit begonnen hatte, schalteten über 3,5 Millionen Zuschauer ein – ein enormer Wert. Für Meißner ist das ein Indiz dafür, wie gut der Erfolg dem Eishockey in Deutschland tut: „Das sieht man ja immer wieder, dass sich nach einzelnen Turnieren mehr Kinder bei den Vereinen melden.“ Davon könnte auch das Eishockey profitieren, denn in Deutschland hinkt man in der Nachwuchsarbeit im Vergleich zu anderen Ländern noch hinterher. Besonders in Skandinavien ist das so. „Da hat das Eishockey einen höheren Stellenwert als Fußball“, sagt Meißner. Deshalb kommen von dort wesentlich mehr Spieler, die den Sprung in die nordamerikanische Profiliga NHL schaffen – die stärkste Liga der Welt.

Während die Verantwortlichen der Devils also noch auf langfristige Auswirkungen der Silbermedaille hoffen, hatte der Erfolg am Sonntag aber auf jeden Fall einen kurzfristigen Effekt auf die Ulmer. Zum Derby gegen Burgau kamen laut Meißner etwa 80 bis 100 Zuschauer mehr als gewöhnlich. Ganz spontan hätten sich einige Leute telefonisch beim Verein gemeldet und sich erkundigt, ob es noch Karten für das Spiel gebe. „Es gab sogar Anfragen aus Heidenheim“, berichtet Meißner (siehe nebenstehender Bericht).

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