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Pandemie

27.01.2021

Kein Sport, keine Beiträge

Nordic Walking in der Gruppe – undenkbar in Zeiten der Corona-Pandemie. Auch andere Angebote können die Vereine ihren Mitgliedern derzeit nicht machen.
Foto: Karl Aumiller

Anfang des Jahres wird normalerweise das Geld abgebucht. Der SV Nersingen bittet seine Mitglieder erst später zur Kasse. Wir haben bei anderen Vereinen nachgefragt

Kein Fußball, keine Gymnastik, kein Taekwondo – die Amateur- und Freizeitsportler sind im zweiten Corona-Lockdown zur Untätigkeit verurteilt, die Vereine können ihnen keine Angebote machen. Trotzdem werden in der Regel zu Beginn des Jahres die Mitgliedsbeiträge fällig. „Wenn wir die jetzt einziehen, dann wäre das schlecht für das Image“, findet Ralph Hamann, der Vorsitzende des SV Nersingen. Man hat sich intern im Verein besprochen und beschlossen: Die etwa 1000 Mitglieder werden nicht wie üblich in der ersten Februarwoche zur Kasse gebeten, sondern das Geld wird erst dann abgebucht, wenn Training, Kurse und Spiele wieder möglich sind. Wir haben beim SV Nersingen nachgefragt und uns bei anderen Sportvereinen umgehört, wie dort mit dem Thema umgegangen wird.

Der SV Nersingen kann die Aussetzung der Beiträge verkraften, Hamann stellt fest: „Es geht uns finanziell ganz gut.“ Auch deswegen ist ein neues Funktionsgebäude mit Umkleide- und Schiedsrichterkabinen sowie einem für Sport und Versammlungen geeigneten Saal geplant, das bis zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 2028 fertig sein soll. Aber auch kurzfristig hat der SV Nersingen Auslagen: Abgaben an übergeordnete Verbände, an Versicherungen, Ratenzahlungen und Abschläge, Gebühren für Müllabfuhr, Strom, Wasser und Abwasser, Investitionen in das Vereinsheim und in die Sportanlagen. Dafür muss der Verein jetzt in Vorleistung treten und das Geld also sozusagen vorstrecken. Was wegen des gut gefüllten Festgeldkontos möglich ist und in absehbarer Zeit wird die nach Hamanns Einschätzung „wichtigste und berechenbarste Einnahmequelle“ wieder sprudeln: „Spätestens Ende des zweiten Quartals werden wir hoffentlich wieder ein Sportangebot machen können.“

Die Zahl der Mitglieder ist beim SV Nersingen in der Pandemie ziemlich konstant geblieben, beim TSV Weißenhorn ist sie leicht rückläufig. So um die 2500 sind es immer noch, aber bei der natürlichen Fluktuation ist das Gleichgewicht verloren gegangen. Etwa 300 Mitglieder verliert der Verein pro Jahr, aber es kommen weniger neu dazu. Teilweise geht der Verein einen ähnlichen Weg wie der SV Nersingen: Einzelne Sparten wie Tanzsport oder Kampfsport verzichten auf die Abbuchung der Abteilungsbeiträge, über eine spätere Bezahlung der Vereinsbeiträge wird zumindest diskutiert. „Ich halte das nicht für ausgeschlossen“, sagt der Vereinsvorsitzende Jürgen Bischof und verweist darauf, dass ja auch weniger Ausgaben anfallen: „Wir zahlen keine Hallenmiete und die Übungsleiter bekommen auch nichts.“ Viel mehr als finanzielle Fragen treibt ihn aber diese Überlegung um: „Finden alle Kinder und Jugendlichen nach dem Lockdown den Weg zurück zu den Sportvereinen?“

Beim TSV Buch werden die Beiträge voraussichtlich pünktlich eingezogen und in der Chefetage des Vereins geht man aus Erfahrung davon aus, dass die gut 1000 Mitglieder des Vereins damit einverstanden sind. Während des ersten Lockdowns war den Taekwondo-Sportlern die Rückerstattung der Abteilungsbeiträge angeboten worden – kaum einer hat davon Gebrauch gemacht. Über die Treue der Sportler in der Rothtal-Gemeinde freut sich der Vereinschef Manuel Müller. Der verweist auf die gesunkenen Einnahmen vor allem der Fußballabteilung: Wegen der in Bayern im Vergleich zu Württemberg damals schärferen Beschränkungen konnte die Landesliga-Mannschaft nur zweimal im Felsenstadion spielen. Pro Heimspiel weniger fehlen die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern von im Schnitt 400 Zuschauern sowie aus dem Verkauf von Speisen und Getränken.

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