Eurocup

15.11.2013

Kleine Basketball-Welt

Ein schmutziger Sieg, der hart erkämpft werden musste. Will Clyburn (am Ball) hatte mit 17 Punkten und sechs Rebounds ganz wesentlichen Anteil am Ulmer 78:77-Erfolg in Varese.
Bild: Alberto Ossola

Wiedersehen mit alten Feinden und mit renommierten Agenten

Varese/Ulm Was bleibt, das ist der Eindruck eines schmutzigen, aber ganz wichtigen Sieges. „Wir können mit diesem Spiel nicht zufrieden sein“, sagte Adam Hess, der selber am Mittwoch mit fünf Fehlversuchen von der Dreierlinie die Lampen in der altehrwürdigen Whirlpool-Arena von Varese ausgeschossen, mit zwei Tip-Ins aber trotzdem wesentlich zum 78:77-Erfolg der Ulmer Basketballer beigetragen hat. Außerdem bleibt das gute Gefühl der alleinigen Tabellenführung in der Eurocup-Gruppe C, nachdem Valencia mit 76:79 in Villeurbanne verloren hat. Mit vier Siegen aus den fünf Spielen der Vorrunde kann den Ulmern eigentlich nicht mehr viel passieren, zumal Varese mit seinem Fünf-Millionen-Etat nach Aussage der eigenen Offiziellen den internationalen Wettbewerb nach dem vierten Misserfolg bereits abgeschrieben hat. Und schließlich wissen die Ulmer spätestens nach ihrer Reise in die 80000-Einwohner-Stadt in der nördlichen Lombardei, dass die Basketball-Welt klein ist.

Die Pfiffe haben Sosa eher motiviert als gestört

Diese Erfahrung machte beispielsweise Edgar Sosa, der von den heißblütigsten Fans unter den 3000 Zuschauern bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Die Geschichte zu dieser unfreundlichen Behandlung lieferte der Mann aus der Dominikanischen Republik nach. In seiner Zeit bei Angelico Biella hatte Sosa in Varese den Korb zum Sieg geworfen und danach die Fans mit dem Biella-Dress provoziert. „Das war vermutlich nicht allzu schlau“, gestand der Ulmer Spielmacher schmunzelnd ein. Die Pfiffe haben ihn in bester Olli-Kahn-Manier allerdings eher motiviert als eingeschüchtert. „Ich wundere mich, dass die Leute sich an die Geschichte überhaupt noch erinnern. Aber ich fand es lustig.“

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Ausgeglichenheit der Bundesliga hat die Arbeit schwerer gemacht

Ein Wiedersehen gab es auch für Trainer Thorsten Leibenath und Manager Thomas Stoll. Mehrere Agenten der renommierten Agentur U1st waren am Mittwochnachmittag zum Plausch ins wunderschön unweit des Lago Varese gelegene Mannschaftshotel gekommen, und sie hatten sogar einen Kollegen aus Miami mitgebracht. Einfach nur so und zur Kontaktpflege, da bei den Ulmern aktuell keinerlei Personalentscheidungen anstehen. Nach Stolls Ansicht ein klares Indiz für den Imagegewinn der deutschen Bundesliga. „Wir haben mächtig aufgeholt, das sagt uns auch jeder Agent“, berichtete der Ulmer Manager. „Von der Ausgeglichenheit her hat die Bundesliga sogar mit das höchste Niveau in Europa.“

Was die Arbeit eines Bundesliga-Managers eher schwerer macht. „Man kann sich keinen Fehlgriff mehr erlauben.“ Und man muss Geld haben. Nach Einführung der Quote sind nach Stolls Erfahrungen die Preise für gebürtige Deutsche und die vielen eingebürgerten Deutschen explodiert. „Es gibt eben nach wie vor zu wenige deutsche Spieler mit Bundesliga-Format. Das dauert noch ein paar Jahre.“

Gerade Vereine mit geringerem Etat probieren es deswegen gerne mit einer kleinen Rotation mit starken Amerikanern, Litauern oder Spielern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Ulmer leisten sich auch wegen der Doppelbelastung im nationalen und internationalen Geschäft einen großen Kader, und sie setzen bei ihren Ausländern ganz auf die amerikanische Karte. „Das ist aber bei uns kein Programm“, versichert Thorsten Leibenath. „Wir waren im Sommer mehrfach kurz davor, einen Europäer zu verpflichten.“ Geklappt hat es letztlich auch wegen grundsätzlicher Bedenken nicht. „Man kann doch nicht beispielsweise einen Kroaten holen. Man braucht dann schon zwei, die sich unterhalten können“, gibt der Manager zu bedenken. „Wir sind auch erfolgreich, weil die Teamchemie stimmt.“ Und der Trainer würde „nie einen Spieler holen, mit dem ich nicht flüssig reden kann“.

In welcher Lautstärke auch immer. Der schönste Satz von Thorsten Leibenath an diesem Nachmittag in Oberitalien: „Wenn ich einen Spieler anschreie, dann muss der ein gutes Gefühl dabei haben.“

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