Fußball-Bezirksliga

24.04.2019

Wenn die Emotionen überkochen

Schon wieder eine Ampelkarte: Den Spielern von Türkspor Neu-Ulm ist die Wut über Schiedsrichter Peter Strobel anzusehen, der Anhang der Gäste war mindestens ebenso empört.
Bild: Horst Hörger

Nach dem Gipfel zwischen der SSG Ulm und Türkspor Neu-Ulm wird über den Schiri und seine Entscheidungen diskutiert. Ein Mann wird zum Helden im Tumult

Wer Bernd Pfisterer gegenüber von einem Skandalspiel spricht, der bekommt auch am Tag danach noch die ganze Erregung des Trainers der SSG Ulm ab: „Alle reden von einem Skandal. Keiner redet vom Spiel und davon, dass wir nicht schlechter waren als der Gegner und uns dieses Ergebnis redlich verdient haben.“ Im Mittelpunkt der Diskussionen unter Fußballfreunden stehen tatsächlich die Begleitumstände des Gipfeltreffens der Bezirksliga zwischen dem alten und neuen Tabellenführer SSG Ulm und Verfolger Türkspor Neu-Ulm. Im Mittelpunkt der Kritik steht Schiedsrichter Peter Strobel aus Kirchheim am Ries im Ostalbkreis. Der hatte die Partie nach 68 Minuten zunächst unterbrochen und anschließend die Türkspor-Spieler Gjentijan Haxhijaj, Ilir Tupella und Özhan Aksoy jeweils mit Gelb-Roten Karten vorzeitig vom Feld geschickt. Sekunden vor Schluss gab er schließlich einen überaus fragwürdigen Eckball für die SSG Ulm, den Jonathan Bölstler mit dem Kopf zum 1:1-Ausgleich in der Nachspielzeit nutzte. Die vielen Türkspor-Anhänger unter den 1200 Zuschauern waren empört, der Schiedsrichter musste beim Gang in die Kabine Begleitschutz in Anspruch nehmen. Die Aufregung war sogar für neutrale Zuschauer nachvollziehbar. Ein Beobachter sagte: „Türkspor Neu-Ulm wurde massiv verpfiffen. “

Auch Manfred Merkle hat sich natürlich den Bezirksliga-Schlager angeschaut und sogar der allein schon wegen seines Amtes normalerweise zurückhaltende Chef des Fußball-Bezirks Donau/Iller fand deutliche Worte: „Ich kann nachvollziehen, dass Türkspor sich benachteiligt fühlt. Vor allem in der zweiten Halbzeit war die Sache schon grenzwertig. Da wurde praktisch alles gegen Türkspor gepfiffen.“

Ein anderer neutraler Zuschauer war Harald Haug. Der Trainer des württembergischen Landesligisten TSV Buch war in seinem Urteil zurückhaltender. Haug sagte: „Die Entscheidungen des Schiedsrichters waren rein menschlich sogar verständlich.“ Er berichtet von ständig lamentierenden und jeden Pfiff kritisierenden Türkspor-Spielern, von üblen Beschimpfungen des Schiris vonseiten des teilweise von weit angereisten Anhangs der Gäste: „Das war richtig heftig. Mir hat das gar nicht gefallen.“

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Als das turbulente Spiel dann irgendwann und irgendwie regulär zu Ende gegangen war und als auch noch die Polizei beim Sportgelände vorgefahren war, da machte die Vereinsleitung der SSG Ulm eine unliebsame Entdeckung: Die Auswechselbank von Türkspor Neu-Ulm war inklusive Bedachung ganz offensichtlich mutwillig zerstört worden. Der Schaden wurde fotografisch dokumentiert und er wird den Gästen in Rechnung gestellt werden. Denn in der nächsten Saison will die SSG Ulm in der Landesliga spielen und dann soll natürlich alles schön aussehen – inklusive einer neuen Auswechselbank. Pfisterer kündigt an: „Jetzt geben wir Gas, für uns geht es nur noch um den Titel.“ Der Trainer der SSG Ulm stellt einen Vergleich an: „Wir sind ein Verein wie der TSV Buch. Die Landesliga nehmen wir gerne mit und machen uns dort gar keinen Druck.“

Inmitten all der Emotionen und unschönen Begleitumstände des Gipfeltreffens der Bezirksliga gab es übrigens nach einhelliger Meinung aller Beobachter auch so etwas wie einen Helden. Türkspor-Torhüter Ediz Özer beruhigte immer wieder die aufgebrachten Anhänger seiner Mannschaft, nach Spielende geleitete er zusammen mit SSG-Spielern und Ordnern Schiedsrichter Strobel sicher in die Kabine. Bezirkschef Manfred Merkle sagte: „Wenn der nicht so besonnen reagiert, dann geht es wahrscheinlich noch ganz anders ab.“

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