Beim FV Illertissen steht im Sommer ein großer Umbruch bevor. Nicht nur personell. Rainer Bleser, Vorsitzender des Vereins, sagt: „Wir hatten super Zeiten, die in die Vereinsgeschichte eingegangen sind. Aber jetzt müssen wir den Gürtel enger schnallen.“ Heißt: Der Etat für den Regionalliga-Spielbetrieb wird gekürzt – um bis zu 25 Prozent. Die Kaderplanung, ohnehin schon eine Herausforderung, wird für die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten dadurch zusätzlich erschwert. Zumal drei Zugpferde der vergangenen Jahre nicht mehr dabei sein werden. Holger Bachthaler hatte seinen Abschied schon vor einigen Wochen bekannt gegeben. Er trainiert künftig den Südwest-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Routinier Tobias Rühle geht bekanntlich als Spielertrainer zum FV Bellenberg in die Kreisliga A. Und nun folgt der nächste namhafte Abgang: Kapitän Max Zeller schließt dich dem Liga-Rivalen FC Memmingen an.
Zeller ist gebürtiger Illertisser und damit eine der wenigen echten Identifikationsfiguren des Vereins. Mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos im Nachwuchs des FC Augsburg spielte der 26-Jährige in seiner Laufbahn immer für den FVI, gewann 2023 und 2025 mit der Mannschaft den bayerischen Totopokal und erlebte Karriere-Highlight bei den DFB-Pokal-Partien gegen die Zweitligisten Düsseldorf, Nürnberg und Magdeburg. Fast 200 Pflichtspiele hat er bislang für die Illertisser bestritten. Als Kapitän ging er stets voran, als zweikampfstarker Innenverteidiger war er oft der Fels in der Brandung. Qualitäten, auf die man sich in Memmingen freilich freut. „Ich hoffe, dass er im Herzen ein Illertisser bleibt“, sagt Bleser.
Ein neuer Trainer soll in Kürze beim FV Illertissen vorgestellt werden
Auch Nico Helbock, Luis Pfaumann und Peter Reinhardt sowie Malik Sama (zu den Stuttgarter Kickers) und Luka Petrovic (zum FC Memmingen) stehen bereits als Abgänge fest. Wie geht es also weiter beim FV Illertissen? „Die Hälfte des Kaders hat noch gültige Verträge und bleibt bei uns. Mit sieben Spielern, deren Verträge im Sommer auslaufen, führen wir bereits Gespräche“, erklärt Bleser. Auch die Trainersuche sei in vollem Gange, einige aussichtsreiche Kandidaten haben sich demnach schon in Illertissen vorgestellt. Mit einer Entscheidung ist in Kürze zu rechnen, denn schon Mitte Juni beginnt die Vorbereitung auf die neue Spielzeit 2026/2027. Die wird es für den zuletzt recht erfolgsverwöhnten Verein in sich haben.
Ein Viertel des bisherigen Budgets muss eingespart werden. In erster Linie bei den Personalkosten für Spieler, Trainer- und Betreuerstab. Der Sportliche Leiter Jochen Schmitt betont: „Trotz allem werden wir eine junge, schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen, gespickt mit erfahrenen Spielern.“ Man werde vermehrt auf Talente setzen, diese weiterhin auf hohem Niveau fördern und fordern. Bleser sagt: „Wir werden mit dem neuen Team nicht ganz oben mitspielen können.“ Trotz aller Sparmaßnahmen bleibt aber auch auf lange Sicht die Zugehörigkeit zur vierthöchsten Spielklasse Deutschlands der klare Anspruch beim FV Illertissen.
So sieht die finanzielle Lage beim FV Illertissen aus
Um die finanzielle Lage des Vereins macht der Vorsitzende kein Geheimnis. Man werde das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 Ende Juni mit einem „positiven Ergebnis“ abschließen. Dazu tragen vor allem die zusätzlichen Einnahmen bei, die der FVI zuletzt durch die Teilnahme an den ersten beiden Runden des DFB-Pokal-Wettbewerbs erwirtschaftet hat. Die Verluste der vergangenen drei Jahre könne man damit aber nicht gänzlich abdecken. Für den DFB-Pokal haben sich die Illertisser heuer nicht qualifiziert, dieser Posten wird in der Bilanz 2026/2027 demnach auf der Einnahmeseite fehlen. „Auch die Sponsorengelder sind schwer zu erhöhen, da viele Betriebe durch die wirtschaftliche Situation nur wenig Spielraum haben“, sagt Bleser. Der Blick des Vorsitzenden geht dabei auch in die Zukunft. Er meint: „Wir müssen in der Lage sein, uns ein kleines Polster zu erwirtschaften, um auch unser Stadionprojekt nicht aus den Augen zu verlieren.“ Derzeit werde eine abgespeckte Umbau-Variante geplant, man sei weiter in Gesprächen mit der Stadt.
Jugend und Landesliga-Mannschaften sind nicht von Einsparungen betroffen
Der Zweckbetrieb, zu dem die Jugend und die Landesliga-Mannschaft zählen, ist von den Einsparungen nicht so stark betroffen. Er finanziert sich über Spenden- und Stiftungsgelder, Ausbildungsentschädigungen und Veranstaltungen weitgehend selbst. „Der Nachwuchs ist unser Kapital. Wir haben jetzt schon einige Meisterschaften zu feiern, können mit der U23 vielleicht sogar die Relegation zur Bayernliga erreichen. Wir werden die Arbeit in diesem Bereich noch forcieren“, meint Bleser.
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