In Deutschland werden die Lichter in den Atomkraftenwerken Stück für Stück abgeschaltet. Die USA setzt dagegen voll auf Atomenergie. Die Atomaufsichtsbehörde NRC gab am Donnerstag grünes Licht für den Bau von zwei Reaktoren im Bundesstaat Georgia. Trotz der abweichender Meinung ihres Leiters und einem Atomunfall vor einigen Wochen in Kalifornien.
Fanning spricht von einem "historischen Tag"
25 Jahre ist es her, seit die USA ihren letzten Reaktor gebaut hatten. Der wurde 1986 im Bundesstaat Louisiana fertiggestellt. Thomas Fanning, der Chef von Southern Co.'s, dem Atomkonzern der die Baugenehmigung bekommen hatte, sprach von einem "historischen Tag". Die beiden neuen Reaktoren würden "den Standard für Sicherheit und Effizienz in der Atomindustrie setzen".
Widerstand kam von NRC-Chef Gregory Jaczko, der sich wegen der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima gegen das 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) teure Projekt aussprach. "Ich kann die Vergabe dieser Genehmigung nicht unterstützen, als sei Fukushima niemals passiert", sagte er.
Atomkraft erlebt eine Renaissance in den USA
In den USA erlebt die Atomkraft derzeit eine Renaissance. In einer Grundsatzrede hatte sich US-Präsident Barack Obama nach Fukushima eindeutig zum Bau neuer Kraftwerke bekannt. Damit soll vor allem die Abhängigkeit von Ölimporte verringert werden. Die Regierung hat daher Kreditgarantien in Milliardenhöhe für den Ausbau der Kernkraft zugesagt. Washington betrachtet Atomkraftwerke auch als Möglichkeit, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern.
Nach Angaben der NRC sind in den USA derzeit mehr als 100 Reaktoren in über 60 Atomkraftwerken am Netz. (afp)
Diese Atomkraftwerke werden in Deutschland betrieben
Wo stehen welche Atomkraftwerke in Deutschland, wer betreibt sie und wann werden oder wurden sie abgeschaltet? Eine Übersicht:
Das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein wird von E.ON betrieben. Baubeginn war im Januar 1976, im kommerziellen Betrieb ist das AKW seit Dezember 1986. Brockdorf ist ein Druckwasserreaktor und soll 2021 abgeschaltet werden.
Das Kernkraftwerk Isar liegt nahe Landshut und wird von E.ON betrieben. Isar/Ohu 1 ist ein Siedewasserreaktor. Bauzeit war von 1972 bis 1979. Isar/Ohu 2 ist ein Druckwasserreaktor und ging nach sechsjähriger Bauzeit im April 1988 ans Netz. Isar 2 soll im Jahr 2022 abgeschaltet werden. Der Atommeiler Isar 1 wurde bereits im August 2011 vom Netz genommen.
Das Atomkraftwerk Philippsburg steht im Landkreis Karlsruhe (Baden-Württemberg). Betreiberin ist die EnBW. Philippsburg 2, ein Druckwasserreaktor, ging nach achtjähriger Bauzeit 1985 in den kommerziellen Betrieb, der Siedewasserreaktor Philippsburg 1 im Jahr 1980. 2011 wurde Philippsburg 1 vom Netz genommen.
Das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) ist ein Druckwasserreaktor und steht im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Betreiben wird es von der Firma E.ON. Baubeginn für Grohnde war im Jahr 1986, Betriebsstart 1985, Ende soll 2021 sein.
Das Kernkraftwerk Emsland in Niedersachsen wird von RWE betrieben. Es wurde in den Jahren 1982 bis 1988 gebaut. In Betrieb bleiben soll der Druckwasserrreaktor bis zum Jahr 2022.
Das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg wird von enBW betrieben. Es hat zwei Druckwasserreaktoren, von denen derzeit noch einer in Betrieb ist. Neckarwestheim II soll als eines der letzten deutschen AKW 2022 vom Netz gehen.
Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld liegt südlich von Schweinfurt am Main. Baubeginn für Grafenrheinfeld war 1974, die Inbetriebnahme war 1981. Das Atomkraftwerk wird von der E.ON Kernkraft GmbH betrieben und wurde 2015 abgeschaltet.
Gundremmingen B und Gundremmingen C im Landkreis Günzburg sind zusammen das leistungsfähigste Atomkraftwerk Deutschlands. Betrieben werden die Siedewasserreaktoren von der RWE. Baubeginn war im Jahr 1976, Gundremmingen B ging 1984 ans Netz, Gundremmingen C ein Jahr später. Block B soll spätestens 2017 vom Netz gehen, Block C spätestens im Jahr 2021.