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Mindelheim/Tansania
04.04.2019

Eine Unterallgäuerin unter Hyänen

Natur pur: Julia Streitel aus Mindelheim berichtet regelmäßig aus Tansania, wo sie ihren Freiwilligendienst absolviert. Beeindruckende Berglandschaften, wie hier in der Nähe von Same, sind dort nichts Außergewöhnliches.
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Natur pur: Julia Streitel aus Mindelheim berichtet regelmäßig aus Tansania, wo sie ihren Freiwilligendienst absolviert. Beeindruckende Berglandschaften, wie hier in der Nähe von Same, sind dort nichts Außergewöhnliches.

Julia Streitel aus Mindelheim hat die Hälfte ihres Freiwilligendiensts in Tansania hinter sich. Dort erlebt sie viel Kurioses - auch in tierischer Gesellschaft.

Nach langem Schweigen kommt nun endlich wieder ein Bericht von mir. Ich gebe zu, diesmal ist seit dem letzten wirklich viel Zeit vergangen, aber ich bin einfach nicht dazu gekommen, etwas zu schreiben. Es war so viel los!

Eine wichtige Nachricht möchte ich gleich ganz am Anfang loswerden: Ich habe endlich mein Residence Permit erhalten! Was das heißt? Ich kann im Land bleiben, bis mein Freiwilligendienst vorbei ist. Hätte ich das Permit nicht bekommen, hätte ich möglicherweise früher nach Hause fahren müssen. Jetzt ist aber im letzten Moment doch noch alles gut gegangen und ich habe meine Genehmigung bekommen.

Mittlerweile ist nun also die Hälfte meines Aufenthaltes in Tansania vorbei, und eine Hälfte liegt noch vor mir. Um das zusammenzufassen, was die letzten zwei Monate alles passiert ist, setze ich mal Mitte Januar an.

Ein junger Mann stirbt - und überall tönt laute Musik

Das war nämlich die Zeit, zu der meine Mentoren Norbert und Roswitha aus Deutschland zu Besuch gekommen sind. Sie waren bereits viele Male in Tansania. Mit den beiden habe ich eine tolle Zeit verbracht und wir haben viel in der Umgebung unternommen. Sie haben erst ein paar Tage bei uns im Konvent gewohnt sowie mein Projekt besucht, und mich dann mit in die nahe gelegenen Berge nach Kwamomo genommen, um Bekannte zu besuchen. Dort im Dorf gab es leider einen Trauerfall, sodass wir unter anderem eine Beerdigung miterlebt haben. Im Grunde lief die Zeremonie nicht viel anders ab als bei uns: Zunächst gab es einen Gottesdienst, in dessen Anschluss die Beisetzung stattfand, und danach gab es ein gemeinsames Essen mit sehr vielen Leuten aus dem Dorf. Allerdings wurde der noch recht junge Tote auf dem eigenen Feld begraben und nicht wie bei uns üblich auf einem Friedhof.

Ich muss aber dazu sagen, dass es zum Beispiel in Same schon Friedhöfe gibt und es vielleicht nur in den Bergen anders gehandhabt wird. In den Tagen bis zur Beerdigung wurde in dem Haus des Verstorbenen sehr laute Musik gespielt, die im ganzen Dorf zu hören war. Ich nehme an, dass das so Tradition ist und unter anderem auf den Tod des Menschen aufmerksam machen soll. Auf jeden Fall fand ich es interessant und besonders, dieses Ereignis mitzuerleben. Neben der Beerdigung haben wir weitere Orte und Menschen besucht, waren wandern und sind sogar einmal in den Mkomazi Nationalpark hier ganz in der Nähe von Same gefahren. Zum ersten Mal habe ich dort Elefanten in freier Wildbahn gesehen – wunderschöne und beeindruckende Tiere.

Erschreckende Erlebnisse bei Zahnarzt-Untersuchungen

Der Aufenthalt meiner Mentoren wurde Anfang Februar nahtlos abgelöst von einigen Italienern, die zu uns in den Konvent gekommen sind, darunter ein Zahnarzt namens Carlo. Einmal im Jahr öffnet er eine kleine Zahnklinik hier in Same , wo sich Patienten einige Tage lang kostenlos behandeln lassen können. Die anderen helfen ihm dabei. Für die Klinik bringen sie ganz viele Instrumente und Zubehör aus Italien mit und leisten wirklich eine tolle Arbeit. Es war gar keine Frage, dass ich die vollen fünf Tage mithalf, indem ich für die Patientenaufnahme und das Managen des Ablaufes zuständig war.

Mir hat die Arbeit in der Zahnklinik viel Spaß gemacht – endlich war ich einmal durchgehend beschäftigt. Außerdem macht es viel aus, wenn das Team motiviert und mit Freude zusammen arbeitet – und nebenbei habe ich oft bei der Behandlung zuschauen können, was ich sehr spannend fand. Lustigerweise wurden schließlich exakt 100 Leute in diesem Rahmen behandelt. Erschreckenderweise mussten bei 48 Prozent der Patienten Zähne gezogen werden. Vielleicht wäre es nötig, an der Zahnpflege noch ein wenig zu feilen. Die Zeit verging wie im Flug und die Woche war viel zu kurz. Sie hätte aber auch nicht viel länger sein können, denn schon in der nächsten stand mein Zwischenseminar in Daressalam an.

Verkehrschaos in der 5,5-Millionen-Stadt Daressalam

Zu dem Seminar kamen neben drei deutschen Leitern insgesamt 14 Freiwillige, die momentan in Tansania, Kenia und Madagaskar ihren Dienst machen, und die ich zum Teil von den Vorbereitungen kannte. Im Programm hatten wir zum Beispiel Einheiten zu verschiedenen Themen wie Rassismus oder Konflikten, aber wir hatten auch Zeit, uns in Einzelarbeit und Gesprächen mit unseren Projekten auseinanderzusetzen. Vor und nach dem Seminar blieb noch ein wenig Zeit, die Stadt zu erkunden. Die Stadtteile, die ich in der kurzen Zeit gesehen habe, haben mir allerdings nicht so gut gefallen. Mir war es zu voll – in Daressalam leben fast 5,5 Millionen Menschen – und es gab zu viel Verkehr. Aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht.

Ihr seht schon, bisher war viel los und es geht noch weiter. Jetzt kommt nämlich das Highlight dieses Berichtes: Die Zeit mit meiner Familie. Meine Eltern und mein Bruder Jonas sind gekommen, um mich zu besuchen. Ich habe mich schon monatelang darauf gefreut, dass sie kommen, und vor Kurzem war es endlich so weit. Es war ein Samstag und ich fuhr extra früh los, denn ich wollte sie wie versprochen am Flughafen abholen. Da die Fahrt vor allem mit dem Bus recht lang ist, fuhr ich zuerst zweieinhalb Stunden bis nach Moshi – von dort ging es mit einem anderen Bus weiter, das letzte Stück legte ich mit einem Motorradtaxi zurück. Ich fuhr nicht direkt zum Flughafen, sondern zuerst in die nahe gelegene Lodge, wo meine Familie für uns die erste Nacht nach dem langen Flug gebucht hatte.

Eine Nach im Nirgendwo der Serengeti

Dort hatte ich noch Zeit, mich auszuruhen. Von Tür zu Tür war ich doch immerhin sieben Stunden unterwegs gewesen. Aber die Aufregung war stärker und so fuhr ich schließlich zum Flughafen, um meine Familie in Empfang zu nehmen – endlich. Dann ging es zurück nach Moshi. Meine Eltern hatten ja vor vielen Jahren selbst als Entwicklungshelfer bei Moshi gelebt und auch ich habe als Baby schon acht Monate dort verbracht. Geboren wurde ich allerdings in Deutschland. Jedenfalls haben wir Leute von damals getroffen und das Gelände gesehen, in dem wir damals gewohnt haben. Mein langjähriger Wunsch, einmal dorthin zurückzukehren, wurde damit endlich erfüllt.

Auf unserer anschließenden Safari stand unter anderem die Serengeti auf dem Programm. Wir hatten Glück mit den Tieren, die wir gesehen haben – ich kann gar nicht alles aufzählen. Aber es waren tausende Gnus und Zebras neben der Straße, Giraffen, Elefanten, Nilpferde, Krokodile, Affen, Gazellen, Antilopen, Löwen aus der Nähe und sogar drei Geparden. Da es schon spät war, haben wir dann die Nacht in einem Camp mitten im Nirgendwo der Serengeti verbracht, wo man nachts sogar die Hyänen heulen gehört hat. Wenn man schon mal bis zu diesem Punkt kommt, lässt man natürlich den Ngorongoro Krater nicht aus, wo wir zum Beispiel noch Büffel und zwei Nashörner zu Gesicht bekommen haben. Es ist besonders, die Tierwelt und die Landschaft aus der Nähe zu erleben, nachdem man sie so lange nur aus Büchern und Bildern kannte.

Eine wunderschöne Zeit - und ein trauriger Moment

Beim Blick auf den Krater wunderte es mich nicht, dass er bereits vom Wissenschaftler Bernhard Grzimek als achtes Weltwunder bezeichnet wurde. Er ist mit ca. 19 Kilometer Durchmesser die größte, nicht überflutete Caldera der Welt. Sie entstand vor vielen Jahren, als ein Vulkanberg einbrach, und ist wirklich beeindruckend. Zuletzt hatte ich Zeit, meiner Familie mein Zuhause bei den Schwestern, mein Projekt sowie die Stadt mit Umgebung zu zeigen. Wir verbrachten eine wunderschöne Zeit. Entsprechend einsam fühlte ich mich, als ich am Tag des Abfluges alleine und winkend auf dem Parkplatz zurückblieb. Aber wenn ich auf die vergangenen Wochen schaue, wird mir bewusst, dass ich viel erleben durfte, wofür ich dankbar bin. Ich hoffe, es geht mit tollen Highlights in der zweiten Jahreshälfte weiter – ich werde wieder berichten. Bis dann!


Was Julia Streitel bislang in Tansania erlebt hat, lesen Sie hier:

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Wie eine Mindelheimerin Advent in Afrika erlebt hat

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