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Mindelheim / Tansania

11.11.2018

Mindelheimerin erzählt vom "Abenteuer Afrika"

Dieses Schild steht vor dem Hope Centre, dem Behindertenheim, in dem Julia arbeitet, während sie in Tansania lebt.
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Dieses Schild steht vor dem Hope Centre, dem Behindertenheim, in dem Julia arbeitet, während sie in Tansania lebt.

Julia Streitel aus Mindelheim hat sich in Tansania ein wenig eingelebt. Hier berichtet sie von Reisen durchs Land, Kiswahili-Kursen und ihrem Lieblingsessen.

Heute gibt es mal wieder ein Update aus dem fernen Ostafrika! Über sechs Wochen bin ich nun schon in Tansania und so langsam gewöhne ich mich an das Land. Vor Kurzem habe ich Bilder vom ersten Schnee in Deutschland bekommen. Dass es um diese Jahreszeit schneit, kann ich mir hier schon kaum mehr vorstellen. Zwar ist von Oktober bis November die kleine Regenzeit, und es kühlt zwischendurch auch ziemlich ab. Aber meistens ist es bisher ziemlich warm und der richtige Sommer kommt ja erst noch von Dezember bis März.

Seit dem letzten Artikel Artikel habe ich viel erlebt und ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich euch erzählt habe, ich hätte an meiner Einsatzstelle im Hope Centre, dem Behindertenheim, keine genaue Aufgabe. Das Problem habe ich zwar immer noch, aber ich muss dazu sagen, dass ich die letzten beiden Wochen gar nicht vor Ort war und sich dadurch auch nicht viel verändern konnte – dazu später mehr. Bevor ich weggefahren bin, hat es sich aber immerhin schon deutlich gebessert.

Die Mindelheimerin lernt jetzt auch Kiswahili

Ich darf mittlerweile in der Schmuckherstellung mithelfen, Klamotten waschen, die Hauswand streichen, mich um ein kleines Massai-Mädchen kümmern, jemandem PowerPoint beibringen oder in der Küche aushelfen. Wenn ich das selbst so lese, hört sich das eigentlich sehr vielfältig an. Allerdings mache ich ja nicht alles auf einmal, sodass manchmal Zeit bleibt, in der ich nichts zu tun habe. Diese Zeit versuche ich mit lesen, Unterhaltungen und Kiswahili lernen zu füllen.

Ein Event im Hope Centre, das kürzlich stattgefunden hat, war die Feier des St. Francis Day, der für die „Little Sisters of St. Francis“ einen hohen Stellenwert hat. Es wurde gekocht und es gab Tanz- und Gesangseinlagen der dort lebenden Kinder und Jugendlichen. Es ist sehr schön, zu sehen, dass sich alle in dem Heim gut zu verstehen scheinen und sich jederzeit gegenseitig unterstützen, wenn Hilfe gebraucht wird. So sieht also mein Alltag hier momentan aus.

Julia Streitel aus Mindelheim macht in Afrika spannende Ausflüge

Am Wochenende habe ich Zeit für mich, sodass ich wie Anfang Oktober einen Ausflug machen kann. Ich bin mit dem Physiotherapeuten des Hope Centres in die nächste größere, fast drei Busstunden entfernte Stadt Moshi gefahren. Mein Begleiter konnte mir viel zeigen, da er dort studiert hat.

Wir waren in einem Hotel frühstücken – den Luxus, einen Pool im Blick zu haben, kannte ich da schon nicht mehr– er hat mir das bekannte Krankenhaus Kilimanjaro Christian Medical Centre gezeigt und wir haben noch einige für mich wichtige Sachen besorgt, die ich hier in Same nicht bekomme.

Der Freiwilligendienst in Afrika bietet für die Mindelheimerin manche Herausforderung

Alleine wäre ich an diesem Tag wohl ziemlich überfordert gewesen. Die Busfahrt ist schon ein Erlebnis für sich. Inzwischen habe ich mich aber an lange Fahrten genauso gewöhnt wie daran, dass die Abfahrtszeiten nicht so genau genommen werden. Hier fährt der Bus eben, wenn er voll ist. Insgesamt hat man es nicht leicht, wenn man als „Mzungu“ (Weißer) über die Bushaltestelle läuft. Man muss nämlich sämtlichen Motorrad- und Taxifahrern, die auf einen zugestürmt kommen, erklären, warum man gerade kein Taxi braucht oder, dass man schon auf jemand anderen wartet.

Ebenfalls Anfang Oktober durfte ich mit zwei Ordensbrüdern für eine Nacht in die nahe gelegenen Berge fahren. Ich war bereits arbeiten, als meine Mentorin fragte, ob ich alles Nötige dabei hätte und spontan mitfahren möchte – die Brüder würden am Mittag vorbei kommen. So ein Angebot schlägt man natürlich nicht aus – am Abend kamen sie dann und haben mich geholt.

Die Mindelheimerin erlebt afrikanische Gastfreundschaft

Die abenteuerliche Fahrt hat anderthalb Stunden gedauert. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass man auf solch einer Fahrt niemals schlafen könnte, egal wie müde man ist. Denn die Straße ist so uneben, dass man dauerhaft durchgeschüttelt wird. So sind wir also durch die bergige und wunderschöne Landschaft gehopst. Im Kindheitsdorf einer der Brüder angekommen haben wir zunächst im Pfarrhaus zusammen Abend gegessen, bevor wir dessen Mutter besucht haben.

Hätte ich gewusst, dass wir da noch einmal eine warme Mahlzeit bekommen, hätte ich mich noch nicht sattgegessen. Es ist hier nun einmal üblich, dass man etwas isst, wenn man eingeladen ist – für den Segen des Hauses sozusagen. Das gilt natürlich auch für mich und aus Höflichkeit habe ich dann noch „Ugali“ mit Spinat gegessen. Ugali ist eine aus Maismehl zubereitete, schnittfeste Masse, die im Grunde nach gar nichts schmeckt. Aber ich mag es trotzdem gern.

Was isst man in Afrika? Die Unterallgäuerin hat mittlerweile viel probiert

Andere typische, vegetarische Gerichte des Landes – ich bin Vegetarierin – sind Bohnen, Reis, pfannkuchenähnliche Chapati, Gemüse, Chipsi – die sind im Grunde wie Pommes – Makande – eine Mischung aus Bohnen und Mais – Spinat oder auch ab und zu Nudeln.

Nun aber zurück in die Berge. Wir haben am folgenden Tag noch Bananen und Zuckerrohr geerntet, was ich sehr interessant fand. Ich hatte das vorher noch nie gesehen. An alle, für die das wie für mich Neuland ist: Zuckerrohr wächst auf Feldern, die auf den ersten Blick wie Maisfelder aussehen. Allerdings gibt es keine Kolben und der Stängel ist bereits das Zuckerrohr. Nachdem die Blätter entfernt wurden, werden Rohr-Bündel mit trockenen Teilen des Stammes einer Bananenstaude zusammengebunden und so dann später auch transportiert.

Über 6000 Kilometer liegen zwischen Mindelheim und dem Nationalpark

Bevor wir die Heimfahrt angetreten haben, konnte ich noch einmal einen Blick auf das sich vor uns erstreckende Tal werfen, von dem ein Teil zum Mkomazi National Park gehört. Der Ausblick war wirklich atemberaubend!

Wenn ich nicht gerade unterwegs bin, treffe ich mich nach der Arbeit ab und zu mit zwei anderen Freiwilligen aus Same. Wir haben uns zufällig ganz am Anfang meiner Zeit in Tansania kennengelernt: eine niederländische Krankenschwester, die bis Dezember da ist, und eine weitere deutsche Freiwillige, die wie ich ein Jahr lang hier lebt. Ab und zu tut es doch gut, Deutsch oder zumindest Englisch reden zu können.

Die Mindelheimerin besucht auch eine Kaffeeplantage in Tansania

Allerdings möchte ich ja unbedingt auch Kiswahili lernen und deshalb habe ich gerade einen zweiwöchigen Sprachkurs besucht. Es war ein Intensivsprachkurs im fünfeinhalb Reisestunden entfernten Usa River – in der Nähe der größeren und auch ein bisschen touristischeren beziehungsweise wohlhabenderen Stadt Arusha. Die Mischung der tollen Umgebung, intensiven Lerneinheiten, Ausflügen und netten Menschen hat diese beiden Wochen perfekt gemacht. Übrigens hatte ich neben meinem Zimmer auch einige Nachbarn wie zum Beispiel Affen und Buschbabys – sehr putzig, aber auch ziemlich laut.

Der Unterricht fand von Montag bis Freitag jeweils sechs Stunden lang statt, wobei wir auch praktische Einheiten wie gemeinsames Kochen oder einen Marktbesuch, und natürlich Hausaufgaben hatten. Außerdem gab es zwischendurch immer „Chai“, also Tee, denn der wird in Tansania sehr häufig getrunken.

Apropos Getränke: Als kursinterne Exkursion haben wir einen Bauer besucht, der neben einigen Obst- und Gemüsesorten auch Kaffee anbaut. Dort durften wir die Kaffeeproduktion von vorne bis hinten miterleben und nebenbei unseren gelernten Wortschatz anwenden und erweitern. Natürlich durften wir am Ende auch probieren. Tansanischen Arabica Kaffee kann ich also wärmstens empfehlen!

Grüße nach Mindelheim

Nun bin ich jedenfalls wieder zu Hause in Same und werde in nächster Zeit versuchen, das Gelernte auszubauen und mich wieder in den Alltag hier einzufinden. Solche Highlights wie die, von denen ich euch berichtet habe, schmücken das Auslandsjahr wirklich schön aus! Ich sende euch allen im kühlen Deutschland sonnige Grüße! Bis zum nächsten Beitrag!

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