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Klischees

06.03.2018

Vorurteile im Check: Sind Pfadfinder ungewaschene Ökos?

Klar tragen Pfadfinder ihre Kluft – aber nur bei offiziellen Veranstaltungen wie dem jährlichen Zeltlager.
Bild: Nico Lange

Nico Lange, Leiter des Oberelchinger Stamms, kennt alle Klischees gegenüber Pfadfinder - und hält entschieden dagegen.

Wer Pfadfinder ist, wird nicht selten von anderen Jugendlichen belächelt. Dafür gibt’s eigentlich keinen Grund. Im Gegenteil. Pfadfindergruppen kennzeichnet einen engen Zusammenhalt und Freundschaft. Um einmal mit ein paar Vorurteilen gegenüber Pfadfinder aufzuräumen hat K!ar.Text Nico Lange vom Stamm Oberelchingen mit den sieben stärksten Vorbehalten gegenüber der Jugendorganisationen konfrontiert.

Pfadfinder tragen immer ihre Uniform

Lange: Falsch. Zum einen heißt die Uniform Kluft und zum anderen Tragen Pfadfinder diese nur bei Gottesdiensten, auf Zeltlagern und bei festlichen Anlässen. Beim wöchentlichen Treffen dagegen bleibt die Kluft aus. Da laufen die Kinder und Jugendlichen in ihrer ganz normalen Freizeitkleidung herum.

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Pfadfinder gehen ständig in die Kirche

Lange: Der Stamm Oberelchingen ist katholisch. Trotzdem besuchen wir gerade zwei Mal im Jahr geschlossen die Kirche. Wer in einem Stamm Mitglied werden will, muss auch nicht einer bestimmten Konfession angehören. Ob Christ, Moslem oder konfessionslos – das ist völlig egal. Hauptsache man hat gemeinsam Spaß. Es gibt aber auch Stämme, die bewusst nicht kirchlich sind.

Auch Pfadfinder mögen ein Dach über dem Kopf. (Symbolfoto)
Bild: Ralf Lienert

Pfadfinder schlafen am liebsten im Wald

Lange: Ganz falsch. Auch Pfadfinder lieben ihre Betten und würden es nicht gegen den Waldboden eintauschen wollen. Aber ein Hang zur Natur, den haben die Pfadfinder natürlich schon. Daher geht es jedes Jahr an Pfingsten gemeinsam ins Zeltlager und dort wird natürlich Bett gegen den Zeltboden getauscht. Isomatte und Schlafsack dürfen natürlich trotzdem nicht fehlen und sorgen zumindest für ein bisschen Komfort.

Pfadfinder verkaufen ständig selbstgebackene Kekse

Lange: Die Vorstellung stammt aus amerikanischen High-School-Filmen. Dort sieht man ständig Pfadfinder in Wohnorten von Haus zu Haus marschieren und Cookies in der Nachbarschaft verteilen. Meist gegen eine kleine Spende. Ich habe mein ganzes Leben noch keine Kekse irgendwo verkauft. Manchmal verkaufen die Jüngeren Selbstgebasteltes, was dann gespendet wird. Zuletzt hat man aber auch für eine gemeinsame Reise in den Europapark Geld gesammelt. Dazu haben die Älteren eine Party veranstaltet und den Verdienst aus dem Getränkeverkauf gesammelt und die Jüngeren haben bei Nachbarn Rasen gemäht.

Bei den Pfadfindern sind nur Jungs dabei

Lange: Gerade bei den jungen Pfadfindern zwischen sieben und zehn Jahren sind in der Regel mehr Mädchen dabei. Während der Pubertät ändert sich das ein wenig. Da finden die Mädchen die Pfadfinder dann plötzlich nicht mehr so cool. Einige bleiben aber doch dabei. Ich schätze, dass bei den älteren Pfadfindern vom Stamm Oberelchingen etwa zwei Drittel Jungs sind. Ich hoffe, dass sich in Zukunft noch mehr Mädchen beim Stamm beteiligen.

Pfadfinder sitzen im Kreis und singen Lieder

Lange: Während des Zeltlagers stimmt das tatsächlich. Da wird abends ein Lagerfeuer angezündet, um das herum sich alle versammeln. Dann holt schon mal jemand die Gitarre raus und es werden gemeinsam ein paar Lieder angestimmt. Allerdings findet das Lager nur einmal im Jahr statt. Sonst trifft sich der Stamm jede Woche und veranstaltet gemeinsam alle möglichen Unternehmungen: Spieleabende, Pizzabacken, aber natürlich auch Knotenmachen und Kompasslesen. Pfadfinder sind eine Ansammlung von guten Freunden, die einfach Zeit mit einander verbringen wollen.

Pfadfinder waschen sich selten und sind ungepflegt

Lange: Es soll früher schon mal vorgekommen sein, dass das Pfadfinderhaar die ein oder andere Woche ohne Shampoo auskommen musste. Gerade in den Zeltlagern gab es früher meist keine vernünftigen Sanitäranlagen. Da half dann nur Katzenwäsche mit einem Schwamm. Inzwischen hat sich das aber geändert. Kein Zeltplatz ist heute noch ohne Dusche und Toiletten. Und Wildcampen ist verboten. Die Pfadfinder nutzen das Angebot der Sanitäranlagen natürlich gerne und waschen sich vor Ort genauso häufig wie zu Hause auch. Also auch im Zeltlager wird Hygiene groß geschrieben.

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