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Karriere

06.03.2018

Warum der Weg zum Traumberuf lang sein kann

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Die Schülerinnen der Maria-Ward-Realschule informieren sich über die Möglichkeiten nach ihrem Abschluss im Jahr 2019.
Bild: Elisa-Madeleine Glöckner

Welche Ausbildung passt zu mir? Antworten liefern soll das Berufsinformationszentrum der Bundesagentur für Arbeit, das bei der Suche auf Tablets setzt.

Emilie will Polizistin werden, Loresa Anwältin – so zumindest der Plan. Denn momentan besuchen die beiden die neunte Klasse der Maria-Ward-Realschule, wo sie in gut einem Jahr ihren Abschluss machen werden. Eine aufregende Zeit für die gesamte Klasse 9 b, zumal die Zukunft ein Stück näher rückt. Doch anders als Emilie Wein und Loresa Gashi, fällt es den meisten jungen Leuten nicht leicht, einen geeigneten, vielleicht sogar den Traumjob zu finden. In diesem Spannungsfeld setzt das BiZ an, das Berufsinformationszentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA). Mit inzwischen digitalen Orientierungsseminaren informieren sie über die potenziellen Job-Perspektiven der Realschülerinnen.

Berufsberater setzten auf ein digitales Konzept

Schon einige Wochen zuvor haben die insgesamt 20 Teenager Zeit mit Elke Kastl-Fitzek, der Berufsberaterin der BA, verbracht. "In den Stunden hat sie uns verschiedene Berufe vorgestellt, welchen Abschluss man dazu braucht und wie viel man in den Bereichen am Ende verdient“, erinnern sich Emilie und Loresa. Sehr informativ sei das gewesen.

Die Tablets kommen heute das erste Mal im Klassenzimmer zum Einsatz. Tablets? Richtig gelesen – denn nicht jede Schulklasse bekommt die Chance, ein stationäres BiZ wie das in Ingolstadt zu besuchen. Die mobile oder auch digitale Variante des Orientierungsseminars hilft, dieses Defizit zu überbrücken. Die Jugendlichen der Maria-Ward-Realschule jedenfalls finden das Konzept sinnvoll. Es sei nicht nur zeitgemäß, meint zum Beispiel Emilie, sondern eine ebenso willkommene Abwechslung zum tristen Schulalltag. Die 15-Jährige lacht.

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Für ihre Zukunft haben Emilie Wein (links) und Loresa Gashi konkrete Pläne. Das Digital-Seminar der BA halten die beiden für sinnvoll.
Bild: Elisa-Madeleine Glöckner

Noch sind die Bildschirme der Tablets gesperrt. Grund dafür ist eine Hausaufgabe, die die Realschülerinnen bis zu diesem Tag überdenken sollten. Wie Berufsberaterin Kastl-Fitzek erklärt, sollten sich die Mädchen Berufe aussuchen, über die sie sich nun online erkundigen können. Man hätte es ahnen können... Emilie hat sich für die Gendarmerie entschieden, Loresa für die Juristerei. Die Tablets blinken auf – und 20 Schülerinnen beginnen damit, sich durch die Online-Welt der BA zu klicken. Auf dem Portal berufenet.arbeitsagentur.de finden sie Infos zu den jeweiligen Arbeitsbedingungen, den Aufgaben- und Tätigkeitsfeldern, der Ausbildungsdauer und natürlich den Verdiensten ihres Berufs.

Arbeitswelt muss mit der Digitalisierung mithalten

Die Erkenntnisse tragen sie in einen "Erkundungsbogen“ ein, den Kastl-Fitzek zuvor ausgeteilt hat. "Die Inhalte sind gut zusammengefasst“, bemerkt Emilie. Und auch die Benutzeroberfläche sei übersichtlich gestaltet und leicht zu bedienen. Kastl-Fitzek erläutert: "Wie die Industrie auch muss die Arbeitswelt mit der Digitalisierung Schritt halten.“

Die Traumjobs der Klasse 9b zeichnen ein buntes Bild der Arbeitswelt – zumindest ist es differenziert. Da gibt es zum Beispiel Selina Anderson, die sich vorstellen könnte, in das Bankwesen zu wechseln. Freundin Lena Walde möchte in den Einzelhandel. Insbesondere der Kommunikationsaspekt ist es, der die jungen Frauen an den beiden Berufsbildern fasziniert. "Die Art und Weise, wie man mit Kunden umgeht – das ist spannend“, sagt Lena.

Nachdem sie mit dem Fragebogen fertig sind, geht es für die Jugendlichen an einen Test. Er soll sie unterstützen, sich und die eigenen Fähigkeiten einzuordnen. Konzentriert – ja fast bemerkenswert konzentriert, wie Kastl-Fitzek findet – zappen sich die Mädchen von den Punkten Organisationsvermögen und Empathie über Teamfähigkeit bis hin zu logischem Denken. Klingt einfach? Das ist es nicht. Der Test ist mit Zeit hinterlegt. Die Teenager müssen sich sputen. Augenrollen in der Klasse 9 b. "Oh“, hört man jemanden pusten. "Man kann schnell durch den Test hüpfen, es aber auch richtig machen“, mahnt die Berufsberaterin eher scherzhaft.

Erkenntnis: Nicht immer schlägt der Test passende Berufe vor

Emilie Wein möchte nach ihrem Abschluss für weitere drei Jahre an die Fachoberschule Neuburg, um dort das Abitur nachzuholen. "Mein Plan ist ein duales Studium bei der Polizei.“ Ohnehin sei sie sehr karriereorientiert. Und tatsächlich: Nachdem sich die 15-Jährige durch den Test gefuchst hat, ist die Berufsprognose eindeutig: Polizeibeamtin. Weniger Glück hat Freundin Loresa. Statt Rechtsanwältin legt ihr der Test nahe, Berufsflugzeugführerin zu werden. Die Alternative: Berufshubschrauberzeugführerin.

Anders als Emilie und Loresa hat Simone Neumaier noch keine Vorstellung von ihrem Berufsleben. Zwar hat sich die 15-Jährige in vielen Bereichen ausprobiert, etwa im Labor, im Büro und in einer Werkstatt. Doch gefunden hat sie noch nicht das Richtige. Zugegeben, ein Patentrezept für den Traumberuf – das gibt es nicht.

Als Berufsberaterin hat Elke Kastl-Fitzek (Mitte) ihren Traumberuf gefunden. Unterstützt wird sie von S. Ghera (links) und Peter Kundinger.
Bild: Elisa-Madeleine Glöckner

Indes kämpft sich Elke Kastl-Fitzek durch das Dickicht an Fragen, die sich im Raum auftun. Sie selbst ist seit 24 Jahren als Berufsberaterin unterwegs, an die Schulen der Region kommt sie seit 22 Jahren. Für sie ist es der Traumjob. "Diesen und keinen anderen“, freut sie sich. "Man betreut die Jugendlichen von der Neunten bis zum Abschluss.“ Und wenn was schief läuft, dann noch länger.

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