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Mindelheim/Tansania

08.09.2019

Was Julia Streitel aus Mindelheim in Tansania erlebte

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3 Bilder
Die Lebensfreude der Menschen in Tansania hat Julia Streitel (links hinten) ein ums andere Mal beeindruckt. Nach einem aufregenden Jahr ist sie inzwischen wieder in Deutschland. Früher oder später will sie aber nach Tansania zurückkehren.
Bild: Streitel

Auch nach einem Jahr hält der Freiwilligendienst in Tansania für Julia Streitel noch Überraschungen bereit. Von besonderen Begegnungen, Musik - und Schmerz.

Gerade hätte ich fast gedacht, es gäbe nicht viel Neues zu berichten – dann fiel mir auf, wie viel schon wieder geschehen ist, seitdem ich vergangenes mal von meinen Erlebnissen in Tansania erzählt habe.

Diesmal ein politisches Update vorweg: Ich finde es sehr beeindruckend, dass Tansania seit dem 1. Juni nun nach anderen afrikanischen Ländern wie Kenia und Ruanda ebenfalls das Plastiktütenverbot eingeführt hat. Das Ausgeben und Tragen von Plastiktüten ist jetzt also verboten und die Menschen bekommen auf dem Markt zum Beispiel nur noch wiederverwendbare Beutel, welche sogar gekauft werden müssen. Damit sind uns einige Länder auf dem afrikanischen Kontinent eindeutig einen bedeutenden Schritt voraus!

Ich hatte bereits erzählt, dass ich im Mai bei meiner Freundin Pippa in Arusha war. Das Ziel war es, in einem Praktikum zu lernen, wie ich an unserer Schule durch Umfragen und Unterrichtsbesuche ein zukünftiges Lehrer-Training vorbereiten kann. So würden sie und ihr Kollege nur für das Seminar anreisen müssen.

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Vor ein paar Wochen habe ich diese Arbeit nun abgeschlossen. Es war bestimmt nicht einfach, gerade weil ich selbst keine Lehrerin bin, aber ich war gut vorbereitet und habe selbst sehr viel dabei gelernt. Meine Aufgabe war schließlich damit erledigt, dass ich Pippa in Excel erstellte Graphen zu verschiedenen Kategorien zukommen ließ, die zeigen, in welchen Bereichen des Unterrichtens noch Verbesserungsbedarf besteht.

Julia Streitel erlebt in Tansania, wie Kinder nur eine Mahlzeit täglich haben

Meine Befürchtung, dass sich mein Verhältnis zu den Lehrern durch meine möglicherweise als übergeordnet wahrgenommene Rolle verschlechtern könnte, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Das Angebot wurde insgesamt sogar dankbar angenommen. Das Training findet erst ein wenig später statt, sodass ich nicht mehr persönlich dabei sein kann, aber ich bin gespannt, was mir darüber berichtet wird.

Neben diesem Projekt ging ich im Juni nochmals für mehrere Wochen nach Arusha. Der Grund hierfür war dieses Mal, dass die Schwestern in Same ein sehr umfangreiches Treffen geplant hatten, zu dem eine große religiöse Gemeinschaft eingeladen war. Ich stellte mein Zimmer aus Platzmangel für die Gäste zur Verfügung und freute mich gleichzeitig, so die Stadt noch besser erkunden zu können und einen weiteren Konvent der Little Sisters zu sehen. Die Gemeinde hat nämlich mehrere Standorte wie eben zum Beispiel neben Same auch in Arusha.

Die Zeit war wieder großartig. Ich verbrachte viel Zeit mit meinen lokalen Freunden und lernte ein besonderes Programm der Schwestern dort kennen: Sie ermöglichen über 80 Kindern, jeden Tag für eine warme Mahlzeit sowie zum Spielen, Lernen und Lachen zu ihnen zu kommen. Für viele der Kinder ist das die einzige verlässliche Mahlzeit, die sie am Tag bekommen. Soweit ich weiß, finanziert sich das Programm zu einem großen Teil aus Spenden und es ist wirklich schön zu sehen, wie sich die Schwestern dafür einsetzen. Ich habe auch einige Zeit mit den Kids verbracht – zum Teil waren meine Freunde Elly und Star aus Arusha dabei. Ich habe die Kinder sofort ins Herz geschlossen.

Ansonsten bin ich weiterhin in der Schule aktiv: Ich tippe Examen und deren Ergebnisse, und mittlerweile korrigiere ich auch Tests genauso wie die Übungshefte. Einmal durfte ich sogar einen Teil eines Examens selber aufsetzen. Anfangs war ich ein bisschen überfordert und ich fragte mich, wie ich, die nie in einer Klasse hier unterrichtet hat, wissen soll, welche Fragen da gestellt werden sollen. Letztendlich war es dann aber halb so wild, da ein großer Teil der Tests hier aus Multiple-Choice-Fragen besteht. Das heißt, man braucht nur ein Lehrbuch und ein bisschen Kreativität, um den Kindern mehrere Antworten auf eine Frage zum Ankreuzen zur Verfügung zu stellen. Aber ich war trotzdem froh, dass ich diesen Teil der Arbeit doch meistens den Lehrern überlassen konnte.

Tansania wurde für die Mindelheimerin zum zweiten Zuhause

In den letzten Wochen habe ich außerdem mit einer Gruppe aus Schülern einen Tanz für die Abschlussfeier dieses Jahres einstudiert. Die Schüler schließen die Grundschule mit der siebten Klasse ab und wechseln dann auf die weiterführende Schule. Zumindest sofern sie das möchten und die Eltern das Schulgeld bezahlen können, was auch nicht immer selbstverständlich ist. Jedenfalls überlegte ich mir eine Choreographie zu dem beliebten Song TETEMA von Rayvanny ft. Diamond und brachte sie den Kindern bei. Vielleicht habt Ihr ja Lust, euch mal einen tansanischen Song anzuhören, den hier wirklich ausnahmslos jeder kennt. War mir der Musikstil hier allgemein anfangs eher fremd, kann ich jetzt fast nicht mehr ruhig sitzen bleiben, wenn irgendwo Musik läuft!

Zwischendurch traf ich mich immer wieder mit meinen Freunden und muss mich schließlich von ihnen und den vielen Menschen, die ich in meinem Jahr kennenlernen durfte, verabschieden. Ein außergewöhnliches Jahr ist hiermit leider vorbei, aber ich bin unglaublich dankbar für die Erfahrungen, die ich gemacht habe und dafür, dass ich ein zweites Zuhause gewonnen habe. Und früher oder später werde ich dorthin zurückkehren, wo mein jetziger Lebensabschnitt zu Ende geht: nach Tansania.

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