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Krumbach

20.02.2021

100 Jahre: Eine Krumbacherin erzählt aus ihrem Leben

Wird heute 100 Jahre: Edith Malinowski. Ein Alter, das in Krumbach aktuell nur zwei weitere Personen innehaben.
Bild: Sammlung Malinowski

Plus Edith Malinowski ist eine von drei (über) Hundertjährigen in Krumbach. 1945 musste sie ihre Heimat verlassen, ihr Leben ist ein Spiegelbild der wechselvollen Zeitgeschichte.

Frage an den Leser: Welche Besonderheit verbindet die Krumbacherinnen Helene Walbiner, Karoline Pessinger und Edith Malinowski? Kleiner Tipp: Die Antwort erschließt sich mit Blick auf deren Lebensalter: Die drei Mitbürgerinnen aus der örtlichen Seniorenriege bilden das Trio der (über) Hundertjährigen. Aktuell seit heute ist Edith (Malinowski) „die Jüngste“ im Trio der hochbetagten Damen. Heute kann Edith Malinowski im Kreis ihrer Familie ihren 100. Geburtstag begehen. Also ist sie „als Dritte im Bunde“ in der Spur ihrer eben genannten Altersgenossinnen, die beide einen „Vorsprung“ um die zwei Jahre gut haben.

Rückblick: Die Lebenslinien von Edith Malinowski reichen also hundert Jahre zurück und haben ihren Ursprung nahe Jägerndorf im Sudetenland. Hier im Standesamt Weißkirch ist unter dem Datum 20. Februar 1921 der Geburtseintrag der Neugeborenen „Edith Steiner“ beurkundet. Im heimatlichen Umfeld absolviert die Heranwachsende die Schule, bildet sich als Jugendliche zur Einzelhandelskauffrau aus. Bald findet die junge Frau mit dem aus dem benachbarten Jägerndorf stammenden Walter Malinowski ihren Partner fürs Leben. Der Eheschließung im Kriegsjahr 1940 folgt die Familiengründung – zwei Buben und eine Tochter komplettieren bald den Familienkreis. Allerdings: Das Familienglück erfährt einen harten Schnitt: Ehemann und Vater Walter Malinowski wird zum Kriegseinsatz an die Ostfront gerufen.

Einen Tag vor Weihnachten 1949 war die Familie in Krumbach wieder vereint

Frühjahr 1945: Kriegsende und Vertreibung aus der Heimat: Edith Malinowski durchlebt mit ihren drei Kindern eine mehrmonatige Odyssee, wird in verschiedenste Lager gesteckt. Erhält nach Strapazen und Irrfahrten in Zügen und mit Transporten auf der Straße Quartier auf einem Gutshof in Sachsen-Anhalt. Hier sorgt die Mutter durch Feldarbeiten für den Unterhalt der Familie. Jahre später bahnt sich die ersehnte Familienzusammenführung an. Wissend, dass ihr Mann nach fünfjähriger Kriegsgefangenschaft bei Verwandten im schwäbischen Krumbach untergekommen ist, kann Edith Malinowski mit ihren Kindern illegal die ehemalige DDR verlassen.

Die Erinnerung daran, ist Edith Malinowski eingeprägt geblieben: „Einen Tag vor Heiligabend 1949 war die Familie wieder vereint“. Es folgten ebenso entbehrungsreiche wie mühselige Aufbaujahre in der neuen Heimat, die ganz dem Wohl der Familie verschrieben waren, zumal sich im Jahr 1954, durch die Geburt einer Tochter, weiterer Familienzuwachs einstellt.

Walter Malinowski findet eine Anstellung bei der Deutschen Bundesbahn, Ehefrau Edith arbeitet bis zu ihrem Renteneintritt im Büro der Krumbacher Wachswaren-Firma Morsa.

Die 100-Jährige aus Krumbach ist Mutter, Oma und Urgroßmutter

Zeitensprung ins Heute: Die 100-jährige Altersjubilarin lebt nach wie vor zu Hause, wo sie von ihren Kindern mit Unterstützung des Pflegedienstes fürsorglich betreut wird. Große Freude bereitet der Mutter, Oma und Urgroßmutter ihrem eigenem Bekunden immer der Besuch der Familie, besonders ihrer zwei Enkel und der fünf Urenkel-Kinder.

Die Erinnerung an die „Heimatlichen Wurzeln im Sudetenland“ hat Edith Malinowski, die das älteste Mitglied der „Sudetendeutschen Landsmannschaft Krumbach“ ist, nie verblassen lassen. Und es ist kein Widerspruch, wenn sie im Rückblick freimütig bekennt: „Krumbach hat mir von Anfang an als „neue Heimat“ gefallen - weil es landschaftlich der „alten Heimat“ recht ähnlich ist“.

Zu guter Letzt: An der Schwelle über das hundertste Lebensjahr hinaus auf ihre ureigensten persönlichen Wünsche angesprochen, bleibt die Altersjubilarin in aller Bescheidenheit sich und ihrem Lebensmotto treu: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“.

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