1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. 155 Stunden Bibelmarathon in Leipheim

Reformationsjahr

30.10.2017

155 Stunden Bibelmarathon in Leipheim

Monika Kübel las als Erste vor. Knapp eine Woche lang wurde fast rund um die Uhr aus der Bibel gelesen.
Bild: Sandra Kraus

In Leipheim lesen seit Dienstagabend katholische und evangelisch-lutherische Christen Seite für Seite fast rund um die Uhr aus dem Alten und Neuen Testament.

Auf dem Weg zur Zielgeraden, in diesem Fall „Die Offenbarung des Johannes“ als Schlusskapitel, befindet sich der Bibel-Lese-Marathon in Leipheim. Seit Dienstagabend lesen evangelisch-lutherische und katholische Christen Seite für Seite in ihren Gotteshäusern die ganze Bibel vor.

155 Stunden Lesezeit sind eingeplant worden, ob sie ausreichen und ob sie wirklich alle durch freiwillige Vorleser besetzt werden, ist völlig offen. Wenn alles gut geht, werden in den Morgenstunden des Reformationsfests die letzten Kapitel der Apokalypse (griechisch Enthüllung) vorgelesen. Begonnen hat das Mammutvorhaben am vergangenen Dienstag mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrer Gerhard Oßwald (evangelisch), Geistlichem Rat Johannes Rauch und Pater Vincent (beide katholisch). Für beide Konfessionen ist die Heilige Schrift das Fundament des Glaubens, eine gemeinsame Größe trotz der von Martin Luther angestoßenen Kirchenspaltung. Auf dieses Verbindende gehen die Leipheimer mit ihrer seit Langem gelebten Ökumene auch im Lutherjahr 2017 ein.

Pfarrer Rauch findet: „Die Bibel ist eine große Kraftquelle für ein ganzes Leben, aus der wir schöpfen können. Schlagen Sie die Bibel doch einfach auf und lesen irgendwo los. Sich berühren und überraschen lassen von dem, was uns durch Gott zufällt.“ Der Inhalt dieses Buchs der Bücher, dieses am meisten übersetzte Buch, gehe die Menschen etwas an. Gerhard Oßwald sagt: „Gott möchte, dass wir ihn verstehen, dass wir Gewissheit haben, dass wir wissen, wie er so tickt und wie er über uns denkt. Gott bekommt Hand und Fuß, in dem Moment, wo das Wort Mensch geworden ist. Jesus ist das Wort zum Anfassen.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Tatsächlich nehmen die vielen Vorleser in ihren 30-minütigen Schichten zwischen fünf Uhr morgens und ein Uhr nachts die Frohe Botschaft in die Hand und lesen daraus vor. Monika Kübel aus Leip-heim war die Erste, die sich im Altarraum der Pauluskirche an das Tischchen mit Leselampe, einem Glas Wasser und der großen Lutherbibel 2017 setzte. Sie begann mit fester Stimme: „Das erste Buch Mose. Genesis. Die Schöpfung. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Es geht weiter mit dem Garten Eden, dem Sündenfall und Kains Brudermord.

Die Zuhörer verteilen sich in der Kirche, hören aufmerksam zu, lassen sich berühren von den Geschehnissen des Alten Testaments. Es gibt Vorleser, die so begeistert sind, dass sie sich spontan für eine weitere Schicht eintragen. Am Vormittag kommen Schulklassen zum Zuhören. Gemeindereferentin Gabriele Germann zum Beispiel baute den Bibel-Lese-Marathon in den Religionsunterricht der 6. Klasse ein. In einer Fürbitte hatte Germann den Wunsch geäußert, dass die Bibel unverkürzt und zeitgemäß weitergetragen werde.

Dieses Ideal hatte wohl auch Martin Luther, als er sich vor 500 Jahren als Erster daranmachte, die Texte des Alten und Neuen Testaments in ein gebräuchliches Deutsch zu übertragen. Weitergetragen wurde die Lutherbibel 2017, wie die neueste Ausgabe genannt wird, am Freitag von der Pauluskirche in das Riedheimer Gemeindehaus und am Sonntag in die Leipheimer St. Veitskirche. Dort auf dem Altar ist ihr angestammter Platz.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren