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„900 Jahre Klostergeschichte Ursberg: Entdecken Sie die fesselnde Ausstellung!“

Ursberg

Ursberg ist seit 900 Jahren Klosterort: Blick hinter die Kulissen

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    Julia Winterstein, Holger Lauerer und Robert Bielesch zeigen neben einer lebensgroßen Darstellung des Prämonstratensers Abt Joseph II. Höld, der dem Kloster zwischen 1708 und 1729 vorstand, Ausstellungsgegenstände.
    Julia Winterstein, Holger Lauerer und Robert Bielesch zeigen neben einer lebensgroßen Darstellung des Prämonstratensers Abt Joseph II. Höld, der dem Kloster zwischen 1708 und 1729 vorstand, Ausstellungsgegenstände. Foto: Alexander Kaya

    Einen kleinen Rahmen hält Holger Lauerer in der Hand. 16 drehbare Täfelchen sind an Stäben im Rahmen befestigt. Jedes Einzelne steht für einen Teil von 900 Jahren Klostergeschichte in Ursberg, für die eine ganz besondere Ausstellung konzipiert wurde. Lauerer, Heilerziehungspfleger im Dominikus-Ringeisen-Werk und hobbymäßig Mittelalterexperte seit seiner Kindheit, hat die Schau kuratiert. Am 11. März 1125 begann mit Probst Ulrich I. die Klostergeschichte in Ursberg. Er stand damals dem Prämonstratenserorden vor.

    Am 11. März 1125 wurde in Ursberg ein Prämonstratenserkloster gegründet

    Fast auf den Tag genau 900 Jahre später startet die Ausstellung am Freitag, 14. März. Die Redaktion konnte sie vorab besuchen. Lauerer erklärt, dass der Täfelchenrahmen ein Modell für das Ganze in riesengroßem Format ist. Die Täfelchen ergeben auf der Rückseite zusammengenommen einen alten Stich von Ursberg. Auf ihrer anderen Seite bieten sie thematische Einblicke in die wechselvolle, 900-jährige Geschichte des Klosterortes. Genannt sind unter anderem die Entstehung von Ordensgemeinschaften, die drei Stände, Norbert von Xanten oder der Prämonstratenser-Orden. Jede Station hat ein großes Ausstellungsplakat. Zusammenfassend wird dort in leichter Sprache erklärt, was zum jeweiligen Zeitpunkt gerade aktuell war. QR-Codes leiten die Besucher auf ausführlichere Erklärungen.

    In diesen wird dann ins Detail eingestiegen und etwa der Gründer des Prämonstratenserordens, Norbert von Xanten, porträtiert, ebenso wie der Wernher von Ursberg. Letzterer wohnte in Ursberg auf dem Michelsberg in einer Burg und ließ an dessen Fuß ein Kloster errichten. Es war das erste Prämonstratenser-Kloster in Bayern. Burchhard von Ursberg, ein wichtiger Chronist seiner Zeit, wird 1215 zum Probst von Kloster Ursberg gewählt. Er hat außergewöhnliche Rechtskenntnisse und schreibt seine Urbergensis, eine Chronik. Ihr Titelblatt wird in der Ausstellung gezeigt, ein Nachdruck kann heute noch erworben werden.

    Beleuchtet wird auch Ursberg als Bildungsstandort. So gab es dort eine Klosterschule. Unter Abt Thomas Mang (1522–1569) lässt sie sich nachweisen. Die Grabplatte des Abtes ist noch heute in der ehemaligen Klosterkirche erhalten. Ausstellungsbesucher können Wachstäfelchen samt Griffel in Augenschein nehmen, mit denen Klosterschüler Buchstaben nachritzten. Auch Studieren war in Ursberg möglich: Abt Vitus Schönheinz richtete 1619 einen eigenen Studien-Kurs für Philosophie in Ursberg ein. Beleuchtet wird auch der Anfang des heutigen Ringeisen-Gymnasiums. 1887 wurde eine Lehrerinnenbildungsanstalt eingerichtet. 1917 gab es dann eine dreiklassige Mittelschule für Mädchen. Später wurde daraus ein Gymnasium, das erst 1986 erstmals Buben aufnahm. Natürlich darf auch Dominikus Ringeisen, der Klostergebäude nach der Säkularisation kaufte und mit der St. Josefskongregation wieder eine Ordensgemeinschaft dort installierte, nicht unerwähnt bleiben.

    Burchhard von Ursberg schreibt seine Urbergensis, eine Chronik. Ihr Titelblatt wird in der Ausstellung gezeigt.
    Burchhard von Ursberg schreibt seine Urbergensis, eine Chronik. Ihr Titelblatt wird in der Ausstellung gezeigt. Foto: Alexander Kaya

    Im Kapitel „Bedingungstaufen“ wird daran erinnert, dass 42 Jahre lang sogenannte Bedingungstaufen in Ursberg unter dem wundertätigen Kreuz gespendet wurden. Die Kreuzigungsgruppe, die sich heute in der ehemaligen Klosterkirche befindet, sollte zu dem Wunder führen, dass tot geborene Kinder unter dem Kreuz kurz Lebenszeichen zeigten und dann getauft werden konnten. Die Vorstellung, dass man damals ungetauft nicht in den Himmel kommen könne, stürzte die Menschen in psychische Krisen. So wurden zwischen 1686 und 1730 24.000 solcher Taufen registriert. Das Einzugsgebiet derer, die damals nach Ursberg pilgerten für eine Bedingungstaufe, hatte einen Radius von 100 bis 150 Kilometern um Ursberg herum.

    Die letzte Station der 16 Themengebiete ist Ausstellungskurator Lauerer sehr wichtig. Mit „Zukunft“ ist sie überschrieben. In einer Zeit, in der die Kirchen an Einfluss verlieren und Menschen scharenweise die Kirchen verlassen, fragt er sich, wer sich dann um Karitatives, wie es hier am Klosterstandort geleistet wird, noch kümmern wird. „Bleibt die Gesellschaft ein ‚wir‘ oder wird es ein ‚ich‘?“, fragt Lauerer am Ende. „Wir wissen es nicht, aber unser Handeln wird die Zukunft gestalten!“, schreibt er auf der zur Ausstellung gehörenden Internetseite.

    Ausstellungskurator Holger Lauerer mit dem Exponat zur Säkularisation. Kloster Ursberg im Hintergrund als Stich erkennbar, wird enteignet. Auf Rechenmaschinen ähnlichen Papierrollen steht geschrieben, was alles verkauft und zu Geld gemacht wird.
    Ausstellungskurator Holger Lauerer mit dem Exponat zur Säkularisation. Kloster Ursberg im Hintergrund als Stich erkennbar, wird enteignet. Auf Rechenmaschinen ähnlichen Papierrollen steht geschrieben, was alles verkauft und zu Geld gemacht wird. Foto: Alexander Kaya

    2023 entstand die Idee zur Ausstellung. Gut eineinhalb Jahre hat die Recherche dafür gedauert. Bis zuletzt wird noch an Exponaten gearbeitet. Holger Lauerer gibt an der Uni Wien Fachvorträge und betreibt ein mittelalterliches Gehöft in Kaltenberg mit seiner Familie. Er hat viele Exponate selbst beigesteuert und mit anderen realisiert. So etwa die Darstellung der Herdstellen von Dörfern der Umgebung vor und nach dem 30-Jährigen Krieg mithilfe von kleinen Holzhäuschen. Oder auch die Tafel, die die Säkularisation symbolisiert: Da wird der bekannte Ursberger Stich zerrissen und an den Riss-Stellen wird auf Rechenmaschinenpapierrollen geschrieben, was alles aus den säkularisierten Gütern verkauft wird.

    Gezeigt wird die Schau im Erdgeschoss des heutigen Hauses St. Josef, die Örtlichkeit, wo einst auch die Klostergeschichte begann. Immer freitags und samstags gibt es ab 14. März zwischen 14 und 17 Uhr zu jeder vollen Stunde Führungen (die letzte beginnt jeweils um 16 Uhr). Sonntags sind die Führungen bereits ab 11 Uhr zu jeder vollen Stunde bis zur letzten Führung um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden werden jedoch erbeten. Die Ausstellung endet am 6. Juni, dem Todestag Norbert von Xantens.

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