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Breitenthal

07.09.2018

AfD-Wahlkampf: Weidel und Co. kommen nach Breitenthal

Das Vereinsheim von Breitenthal gehört drei großen Vereinen im Ort. Bei außergewöhnlichen Veranstaltungen entscheidet ein Gremium aus Vertretern der Vereine, ob das Haus vermietet wird. Die AfD hat dort einen Platz für ihre Wahlkampfveranstaltung gefunden. <b>Foto: Christian Gall</b>
Bild: Christian Gall

Nach der Absage eines Gastronoms hat die Partei das Vereinsheim gemietet. In den Vereinen sorgte das für Austritte. Von außerhalb kündigt sich Widerstand an.

In Breitenthal hat sich Besuch angekündigt. Die Partei AfD wird am kommenden Samstag, 15. September, ab 12 Uhr eine Wahlkampfveranstaltung in der 1200-Seelen-Gemeinde abhalten. Angekündigt haben sich nicht nur Landtagskandidat Gerd Mannes und Bezirkstagskandidat Friedrich Holzwarth. Auch Alice Weidel, seit September 2017 Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, kommt in den südlichen Landkreis Günzburg. Mehr als 200 Besucher werden an dem Tag erwartet. Allerdings dauerte es lange, bis die Veranstaltung zustande kam. Der Prozess hinterließ Narben im Vereinsleben von Breitenthal.

Laut einer Mitteilung der AfD bekam die Partei Mitte August eine Absage von einem Wirt in der Umgebung von Krumbach. Er wollte, so AfD, einen Polizeieinsatz und eine mögliche Rufschädigung von seinem Gasthof abwenden. Bereits wiederholt seien Wirte unter Druck gesetzt worden, keinen Raum für AfD-Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen, erklärt AfD-Landtagskandidat Gerd Mannes. Das sei kein fairer politischer Wettbewerb. Bei früheren Wahlkämpfen seien offensichtlich auch Plakate der AfD zielgerichtet entfernt worden. Nun aber stehen der AfD für die jüngste geplante Großveranstaltung Räumlichkeiten in Breitenthal zur Verfügung. Das Vereinsheim der Gemeinde gehört drei Vereinen im Ort: der DJK sowie dem Schützen- und Musikverein. Ein Gremium aus Vertretern dieser Vereine hat über die Anfrage der AfD mehrheitlich entschieden – zugunsten der Partei.

Vereinsmitglieder sind nach der Entscheidung ausgetreten

Einer der Vorsitzenden des Musikvereins, Reinhard Stegmann, sitzt für den Musikverein in diesem Ausschuss. „Unser Handeln war geprägt von wirtschaftlichen Interessen“, sagt er. Sein Verein sei fern von parteipolitischen Haltungen, im Vereinsheim fänden Wahlkampfauftritte verschiedener Parteien ebenso statt wie andere Veranstaltungen. Das Statement der DJK Breitenthal lautet: „Die DJK lebt als Sportverein ihre Werte der Toleranz, Weltoffenheit, politischen Neutralität und Akzeptanz aller Anschauungen. Aus diesem Grund toleriert sie jegliche politische Veranstaltungen, die über das Gremium der Vereine, die das Haus führen, als Veranstaltung angenommen werden.“ Doch in den Vereinen hat der Entscheidungsprozess Probleme verursacht. Der Pächter des Vereinsheims, Georg Ruef, spricht von einer vergifteten Stimmung: „Das Leben um das Vereinsheim herum hat Schaden genommen.“ Aus den Vereinen habe es mehrere Austritte gegeben, nachdem bekannt geworden war, dass die AfD ihre große Wahlkampfveranstaltung in Breitenthal abhalten darf. Die Bürgermeisterin der Gemeinde, Gabriele Wohlhöfler, sagt, sie sei persönlich nicht von der Veranstaltung begeistert. Allerdings liege die Entscheidungskompetenz für das Vereinsheim allein bei den Vereinen – und deren Beschluss akzeptiere sie.

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Gegen die Veranstaltung der Partei bildet sich bereits Widerstand. Der SPD–Politiker und Landtagskandidat Tobias Auinger plant eine Demonstration. „Wenn die lokale AfD meint, sie kann mit Hetze in die Öffentlichkeit treten, wollen wir zeigen, dass das nicht mehrheitsfähig ist“, sagt er. Die Demonstration soll nach dem Vorbild laufen, wie er sie im Juli in Günzburg bei einer AfD-Veranstaltung organisiert hat – unter dem Motto: überparteilich, überkonfessionell und friedlich. Ort und Teilnehmerzahl stehen noch nicht fest. Bei der vergangenen Demonstration in Günzburg, als auch Beatrix von Storch zur Parteiveranstaltung kam, protestierten mehr als 200 Menschen.

Gegendemonstration zur AfD-Veranstaltung in Breitenthal

Auinger sagt, dass diese Demonstration nichts mit seiner Kandidatur für den Landtag zu tun habe: „In der Vergangenheit habe ich schon solche Demos organisiert, völlig unabhängig von irgendwelchen Wahlen.“ Die Polizei sieht dem Wahlkampfauftritt gelassen entgegen. Laut Werner Deuring, Ermittlungsgruppenleiter in der Polizeiinspektion Krumbach, werde der AfD-Termin für die Polizei wie jeder andere Wahlkampfauftritt laufen. „Einziges Problem könnte die Gegendemonstration sein“, sagte er. Aber es sei noch zu früh, um deren Umfang abzuschätzen.

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