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Sicherheit

13.07.2016

Allgäuer Polizei entkräftet „Sexmob“-These

Das Freibad in Bad Wörishofen. Hier soll ein 17-jähriger eine 9-Jährige sexuell belästigt haben. Kripo und Staatsanwaltschaft ermitteln.
Bild: Tobias Hartmann

Immer wieder kommt es in Unterallgäuer Bädern zu sexuellen Übergriffen. Doch nur in den wenigsten Fällen sind die Tatverdächtigen Asylbewerber. Im Fall Bad Wörishofen dauern die Ermittlungen weiter an.

Ein 17-jähriger Asylbewerber soll im Freibad von Bad Wörishofen ein 9-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Kripo und Staatsanwaltschaft Memmingen gehen einer entsprechenden Anzeige nach. Die Vorwürfe wurden vor über einer Woche bekannt. Die Ermittlungen hierzu dauern noch an, teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen dazu am Montag auf Nachfrage mit. Zeugen werden vernommen, um zu prüfen, ob die Anschuldigung zutrifft oder nicht.

Zwischenzeitlich sorgte ein Bericht der Bild-Zeitung mit der Schlagzeile „Sexmob-Alarm im Schwimmbad“ für bundesweite Aufregung. Die Zeitung bezog sich auf ein internes Dokument der Polizei in Düsseldorf und sprach von einem enormen Anstieg bei Sexualdelikten in Schwimmbädern. Später berichteten andere Medien mit Bezug auf Polizeiquellen, dass vermehrt Zuwanderer beschuldigt würden, die Opfer vermehrt Kinder seien.

Wasser auf die Mühlen der Rechten also, die sich sogleich in ihren Ansichten bestätigt sahen.

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Recherchen diverser Zeitungen ergaben in der Folge aber ein anderes Bild für das Bundesgebiet. Auch aus Zahlen des Polizeipräsidiums Schwaben-Südwest geht anderes hervor.

„Eine Aussage, wonach sich sexuelle Übergriffe durch Asylbewerber oder Flüchtlinge häufen“, könne „nicht bestätigt werden“, teilt Polizeisprecher Sebastian Adam auf Nachfrage mit.

Allerdings gab es im vergangenen Jahr die höchste Anzahl an Fällen insgesamt seit 2010. Dabei, da sind sich Experten einig, wird aber nicht jeder Übergriff von den Betroffenen auch angezeigt. Adam hat die Zahlen seit dem Jahr 2010 herausgesucht und verglichen. „Im laufenden Jahr haben wir (neben Bad Wörishofen, Anm. d. Red.) im gesamten Präsidiumsbereich nur einen weiteren Fall eines Vorfalles gegen die sexuelle Selbstbestimmung in einer Badeanstalt, begangen durch einen Asylbewerber“, teilt er mit.

Zu den Badeanstalten zählen in der Polizeistatistik Freibäder, Seen und Hallenbäder.

Dieser weitere Fall ereignete sich nach Adams Darstellung im Januar in Neu-Ulm in einem Hallenbad. „Dabei berührte ein 29 Jahre alter Asylbewerber einen zwölf und einen elf Jahre alten Jungen im Schwimmbecken unsittlich“, so Adam.

Im Unterallgäu habe es neben der Anzeige aus Bad Wörishofen „keine Vorfälle mit einem Asylbewerber als Tatverdächtiger“ gegeben, teilt Adam mit. Insgesamt gab es von 2010 bis 2015 nach Polizeiangaben 75 Fälle von Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Bädern im Präsidiumsbereich. Im Landkreis Unterallgäu waren es im gleichen Zeitraum acht Fälle. Präsidiumsweit waren davon in 14 Fällen Asylbewerber Verdächtige, im Unterallgäu waren es drei, mit dem Fall in Bad Wörishofen sind es nun vier Verdächtige.

2015 gab es im Präsidiumsbereich insgesamt 19 angezeigte Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Badeanstalten. „Davon waren in zwei Fällen Asylbewerber tatverdächtig“, sagt Adam. Im Landkreis Unterallgäu gab es in diesem Jahr zwei Vorfälle. „In keinem der beiden Fälle war ein Asylbewerber tatverdächtig“, berichtet Adam.

2014 waren es im Präsidiumsbereich zehn angezeigte Fälle, bei denen in einem Fall ein Asylbewerber verdächtigt wurde. Im Landkreis Unterallgäu war es ein Fall, davon ein verdächtigter Asylbewerber. 2013 zählte die Polizei im Präsidiumsbereich acht Fälle, davon in zwei Fällen mit Asylbewerbern als Tatverdächtigen. Im Landkreis Unterallgäu waren es im gleichen Jahr drei Fälle mit einem Asylbewerber als Verdächtigem.

Für 2012 stehen 17 Fälle mit sechs Tatverdächtigen aus dem Personenkreis der Asylbewerber, im Unterallgäu kein Fall. 2011 waren es im Präsidiumsbereich: 13 Fälle mit einem beschuldigten Asylbewerber. Im Unterallgäu gab es einen Fall ohne Beteiligung von Asylbewerbern.

2010 schließlich registrierte man im Präsidiumsbereich acht Fälle. In zwei Fällen wurden Asylbewerber beschuldigt. Im Unterallgäu gab es einen Fall und einen beschuldigten Asylbewerber.

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