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Krumbach

15.09.2019

Als den Krumbachern und Hürbenern das Licht aufging

Das ÜWK in der Bahnhofstraße in einer historischen Aufnahme mit dem Pferdefuhrwerk der Spedition Georg Drappeldrey. 
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Das ÜWK in der Bahnhofstraße in einer historischen Aufnahme mit dem Pferdefuhrwerk der Spedition Georg Drappeldrey. 

Plus Vor 120 Jahren leuchteten in den beiden Orten erstmals die Straßenlampen. Wie sich das ÜWK vom Stromversorger zum modernen Energieunternehmer gewandelt hat.

Es war am 16. September 1899: Erstmals erleuchteten 50 Straßenlaternen in Krumbach und 25 im Nachbarort Hürben die nächtlichen Straßen. Wirklichkeit geworden war damit ein Wunsch, der eine Zeitenwende einleiten sollte. Elektrisches Licht gab es damals erst in größeren Städten und so waren die beiden Kommunen bei den Ersten auf dem flachen Land, die mit Stolz das „Es werde Licht!“ in die Praxis umsetzen konnten. Möglich machte dies ein Münchner Ingenieur, der zwei Jahre vorher in Breitenthal die Mühle samt Sägewerk an der Günz gekauft hatte, sie zu einem Flusskraftwerk umbaute und den Strom mittels Freileitung nach Krumbach transportierte.

Das Überlandwerk Krumbach (ÜWK) als heutiger Träger der Stromversorgung in den Bereichen Krumbach und Babenhausen nimmt dieses 120-jährige Jubiläum zum Anlass, die Krumbacher zum Mitfeiern einzuladen. Am kommenden Montag, also gleichfalls am 16. September, gibt es ab 9 Uhr auf dem Marktplatz Brezen und Süßigkeiten sowie für die Kinder kleine Überraschungen.

Schon 1675 gab es eine Mühle und ein Sägewerk in Breitentahl

Die ersten Anfänge der Wasserkraftnutzung lassen sich im mittelschwäbischen Raum bis in das Jahr 1675 zurückverfolgen. Schon damals gab es an der Günz in Breitenthal ein Sägewerk sowie eine Mühle. Über 150 Jahre dauerte es bis zur Entwicklung der Wechselstromgeneratoren und dann nochmals rund 60 Jahre, bevor der erste Drehstromgenerator gebaut wurde. 1897 kaufte Erwin Bubeck, der in München ein „Ingenieurbureau für elektrische Beleuchtung und Kraftübertragung“ besaß, die Mühle samt Säge in Breitenthal. Ein Jahr später begann er mit dem Ausbau des Oberwasserkanals sowie dem Bau einer neuen Wehranlage und des Turbinenhauses samt elektrischer Einrichtung. Zwei Wechselstromgeneratoren mit einer Leistung von je 100 Kilowatt sorgten für den Strombedarf; als Reserve diente eine Dampfmaschine mit 185 PS. In den nächsten Jahrzehnten stand der ständige Ausbau des Leitungsnetzes im Vordergrund. Außerdem folgte die Umrüstung der ehemaligen Mühle in Tafertshofen für die Stromerzeugung, um den ständig wachsenden Bedarf an elektrischer Energie zu decken.

Als den Krumbachern und Hürbenern das Licht aufging
Das Elektrizitätswerk Breitenthal. Das Bild entstand bei der Inbetriebnahme am 16. September 1899. Im Hintergrund der Aufnahme ist die Pfarrkirche im Hintergrund zu sehen. 

Das Kraftwerk Breitenthal gehörte zunächst der Aktiengesellschaft für elektrotechnische Unternehmungen, aus der sich 1924 gemeinsam mit der Stadt Krumbach das ÜWK bildete. Als Energieunternehmen für den Raum Krumbach und Babenhausen ist dieses seit dieser Zeit fest in der Region verwurzelt und Partner für Haushalte, Unternehmen und 14 mittelschwäbische Gemeinden. Sie werden über ein rund 1000 Kilometer langes Leitungsnetz versorgt.

Das ÜWK sorgte in Krumbach für eine sichere Energieversorgung

Erster ÜWK-Chef war Franz Aletsee, der spätere Krumbacher Bürgermeister, der bis 1964 als Direktor aktiv blieb. Eine seiner ersten wichtigen Entscheidungen traf er im Jahre 1926. Die Strom-Eigenerzeugung reichte nicht mehr aus und so kaufte er den Mehrbedarf an Strom von der Lech-Elektrizitätswerke AG (LEW) in Augsburg. Eine vertragliche Bindung, die noch heute praktiziert wird. In den Folgejahren sorgte das ÜWK stets für eine sichere Energieversorgung und dies auch während des Krieges. Nach dessen Ende mussten die Mitarbeiter im Juli 1945 innerhalb kürzester Zeit ihre Büros in der Bahnhofstraße räumen. Der Grund: Die amerikanische Militärregierung beschlagnahmte das Gebäude und nutzte es monatelang als Hauptquartier.

Die Nachkriegszeit war gekennzeichnet von vielfachen Umstellungen, Erweiterungen und Maßnahmen zur Sicherung des ständig steigenden Strombedarfs. Nach dem Bau der großen 110-kV-Leitung wurde in Krumbachs Norden im Jahre 1960 eine eigene Übergabestation errichtet und zwölf Jahre später das vorher gemeindliche Elektrizitätswerk Langenhaslach, Neuburg und Edelstetten gekauft. 1978 kam es zu einer innerbetrieblichen Veränderung: Die LEW kaufte alle Geschäftsanteile von der Licht- und Kraftversorgung München und so wurde das ÜWK eine selbstständige „LEW-Tochter“. Heute besitzt die „Mutter“ 74,6 Prozent der Geschäftsanteile und die Stadt Krumbach 25,4 Prozent.

Enge Zusammenarbeit des ÜWK Krumbach mit der LEW

Diese enge Zusammenarbeit hat sich bis heute bewährt. Besonders gilt dies für den um die Jahrtausendwende eintretenden Quantensprung: Bisher war für das ÜWK die Sicherstellung des Strombedarfs wichtigste Aufgabe. Jetzt geht es darum, den von den vielen privaten Photovoltaik- und Biogasanlagen erzeugten Strom mit voller Leistung ins Leitungsnetz zu bringen. Heute werden rein rechnerisch 72 Prozent des Strombedarfs im ÜWK-Bereich durch diese Erneuerbaren Energien gedeckt. Biogasanlagen erzeugen 25 Prozent und die PV-Anlagen 59 Prozent. Hinzu kommen 15 Prozent aus der Wasserkraft und lediglich ein Prozent stammt vom einzigen Windrad nahe Weinried.

Für ÜWK-Geschäftsführer Martin Glink bedeutet diese Entwicklung „eine komplette Drehung unseres bisherigen Aufgabenbereichs“, die noch immer anhalte und deren Folgen nicht absehbar seien. Das ÜWK passe sich den neuen Notwendigkeiten an und betreue inzwischen den Strom von 2570 PV-Anlagen, der in den Haushalten selbst verbraucht, ins Netz abgegeben oder in einem von 131 privaten Batteriespeichern „gelagert“ wird. Neue Aufgaben sieht Glink im weiteren Ausbau von „Tankstellen“ für Elektrofahrzeuge und der Stromspeicherung.

Von 1923 bis 1988 in Betrieb waren diese Turbine und der Drehstrom-Generator im E-Werk Breitenthal und lieferten 100 Millionen kWh Strom für die Versorgung Krumbachs. Auf unserem Bild der heutige Geschäftsführer Martin Glink vor dem im Vorgarten des ÜWK aufgestellten Maschinensatz. 

An zusätzlichen Dienstleistungen will das Unternehmen auch künftig den Stromkunden fachkundige Beratung für moderne Energielösungen und innovative Haustechnik bieten. Konkret meint Glink damit das Elektrofachgeschäft und die auf acht Mitarbeiter angewachsene Installationsabteilung. Der Geschäftsführer: „Als einer der letzten Energieversorger in Deutschland betreiben wir einen eigenen Fachhandel und bieten mit unserer Haustechnik für Bauherren bei Neu- und Umbauten von der Planung, Ausführung und Service alles aus einer Hand.“

Zusammenfassend verweist Glink auf die „lange und gemeinsame Geschichte“ des ÜWK mit der Region Mittelschwaben und kommt zu dem Fazit: „Vom reinen Stromversorger haben wir uns zum Partner bei allen Fragen rund um das Thema Energie entwickelt. Gleichgeblieben ist unsere Verbundenheit mit den hier lebenden Menschen. Das soll am 16. September gefeiert werden.“

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