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Landkreis Günzburg

27.08.2016

Als die Braut zur Hochzeit noch Schwarz trug

Fridolin und Cäzilia Bader, geb. Dopfer sind am 3. Oktober 1910 in Niederraunau durch Kaplan Mathias Waldmann getraut worden. Aus dieser Ehe ging zwar nur eine Tochter hervor, doch mittlerweile sind es bis heute doch 30 Nachkommen geworden.
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Fridolin und Cäzilia Bader, geb. Dopfer sind am 3. Oktober 1910 in Niederraunau durch Kaplan Mathias Waldmann getraut worden. Aus dieser Ehe ging zwar nur eine Tochter hervor, doch mittlerweile sind es bis heute doch 30 Nachkommen geworden.
Bild: Fotostudio Baader/Sammlung Eheim

Warum viele Bräute bei der Hochzeit ein schwarzes Kleid trugen und wie die Farbe Weiß allmählich dominierte. Online-Abstimmung zu unserer Leserbilderaktion

Vorsichtig zieht Monika Hoede den hellgrauen Karton aus dem Regal. Er ist nur einer von vielen, die hier im Landauer-Haus in Krumbach untergebracht sind, doch verbirgt sich in ihm ein ganz besonderer historischer Schatz. Es ist ein schwarzes Hochzeitskleid aus dem Jahre 1880, gestiftet von einer Familie aus dem Landkreis Günzburg.

Die wertvollsten Kleidungsstücke, die man besitzen konnte 

„Es ist extrem selten, dass ein Kleid komplett erhalten ist. Meist war es früher so, dass man aus dem Rock neue Kleidung für die jüngeren Geschwister angefertigt hat“, berichtet die gelernte Trachtenschneiderin und Leiterin der Trachtenberatungsstelle des Bezirks Schwaben in Krumbach, Monika Hoede. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts heirateten Bräute der sogenannten Mittel- und Unterschicht in ihrem besten Kleid, das entweder schwarz war oder der jeweiligen Regionaltracht entsprach. Erst durch die industrielle Revolution war es immer mehr auch armen Frauen möglich, sich ein weißes Hochzeitskleid zu leisten. Der bis dahin dominierende Trend vom katholischen spanischen Königshof schwarze Kleider zu tragen, wurde damit endgültig in Europa abgelegt. „Weiß war ab sofort das neue Schwarz. Es steht auch heute noch für Unschuld und Reinheit. Lediglich schwangere Frauen mussten noch in Schwarz heiraten, um die Schande zu verdeutlichen, die sie über die Familie brachten.“

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Um 1900 wurde schwarze Kleidung ansonsten nur an höchsten Festtagen oder in Trauerzeiten zum Kirchgang getragen. Sie waren die wertvollsten Kleiderstücke, die man besitzen konnte und wurden dementsprechend mit vielen Details und einer aufwendigen Innenverarbeitung versehen. Seit Ende der 1880er-Jahre war Schwarz die Modefarbe für Kleidungsstücke und die „enge Mode“ trat immer öfter in den Vordergrund.

Die Betonung der Länge hielt sich als Grundtyp für die Kleideroberteile über eine lange Zeit. Dies wurde oftmals durch vertikal angebrachte Besätze und Biesen, mit Revers von der Schulter bis über die Taille und mit Brusteinsätzen in der vorderen Mitte erreicht. „Fast jedes Kleid war damals zweiteilig und hatte einen Stehkragen“, erzählt Monika Hoede, während sie das Kleid auf dem Tisch ausbreitet. Besonders die alten Trachten werden hier im Landauer-Haus äußerst behutsam und mit viel Polsterung gelagert. Damit auch keine Ungeziefer Unterschlupf in den Kartons finden, werden sie regelmäßig überprüft und neu gelagert, wenn es sein muss. „Motten können eine große Gefahr für die Kleider werden. Da ist es wichtig, von Anfang an gründlich zu sein. Das gilt natürlich nicht nur für die Hochzeitskleider, sondern für alle Trachten.“

Ihre Schätze sind in Museen begehrt

Das Landauer-Haus ist älter als die meisten Ausstellungsstücke und dennoch ein wunderbarer Platz für all diese Kostbarkeiten. Nach ihrer Lehre hat Monika Hoede noch studiert und wurde schließlich Leiterin der Trachtenberatungsstelle. „Ich mache meinen Job äußerst gerne. Gerade haben wir wieder neue Exemplare bekommen, die allesamt erst einmal in Ruhe begutachtet und verwahrt werden müssen“, sagt sie. Ihre Schätze „wandern“oftmals in diverse Museen, in denen sie dann für mehrere Wochen ausgestellt und von jedermann bestaunt werden können. Auch zu dem Anlass „Die Schwarze Zeit“ wurden schon einige Exemplare aus dem Lager geholt und ausstellungsfertig gemacht, darunter auch das Hochzeitskleid aus dem Jahre 1880. Monika Hoede verlässt das Lager und macht sich auf den Weg über die schweren hölzernen Treppen nach unten. „Es gibt noch Menschen, die sich für ihre Vergangenheit und die ihres Landes interessieren und das freut mich jedes Mal wieder. Es wäre einfach schade, wenn all diese Kostbarkeiten auf dem Dachboden vergammeln oder sogar weggeschmissen werden, weil man keinen Platz mehr dafür hat. Manche Menschen wissen oftmals gar nicht, was sich da noch alles in Omas altem Kleiderschrank verbirgt.“

Stimmen Sie online ab

Viele eindrucksvolle Hochzeitsfotos haben wir von unseren Lesern erhalten. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Nach dem Einsendenschluss am gestrigen Freitag können sie nun online bis Mittwoch, 7. September, 12 Uhr über das Siegerbild abstimmen. Der Einsender des Gewinnerbildes gewinnt ein 20-Liter-Fass Bier oder alternativ ein nicht alkoholisches Getränk. Unsere Bildergalerie finden Sie unter www.mittelschwaebische-nachrichten.de

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