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23.07.2010

Alter schützt vor Vollgas nicht

Norbert Witopil, oder besser John, im Rennen. Die Startnummer 555 hatte er bereits vor 28 Jahren. Heute fährt der mittlerweile 51-Jährige wieder damit. Foto: Archiv Witopil
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Norbert Witopil, oder besser John, im Rennen. Die Startnummer 555 hatte er bereits vor 28 Jahren. Heute fährt der mittlerweile 51-Jährige wieder damit. Foto: Archiv Witopil
Bild: Archiv Witopil

Krumbach "Auf den Spuren von Weltmeister Toni Mang" - das war die Schlagzeile eines Artikels, der vor 28 Jahren über den Krumbacher Norbert Witopil berichtete. Eines haben diese beiden Männer gemeinsam: das überragende Talent zum Motorradfahren. Toni Mang war damaliger mehrfacher Motorradweltmeister in der 250/350er Klasse und der damals 23-jährige Norbert Witopil ein aufgehender Stern in dieser Rennszene.

Das Bergrennen am Auerberg bei Kaufbeuren im Jahr 1980 war das erste Motorradrennen, an dem Norbert Witopil teilnahm. Mit seiner nagelneuen Straßenmaschine fuhr er auf Anhieb auf den vierten Platz. Nun war der Ehrgeiz bei Witopil geweckt, er wollte mehr. In der nächsten Saison fuhr Witopil schon im Maico-Cup mit: Für eine volle Rennsaison standen 50 baugleiche Maico-Cup-Racer bereit, die junge talentierte Fahrer bei der MAICO-Marken-Formel auf den Rennstrecken Deutschlands fahren durften.

Erfolgsserie

Diese Saison beendete Witopil erfolgreich als Zweiter in der Gesamtwertung. Die Erfolgsserie brach nicht ab und erreichte ihren Höhepunkt, als Norbert Witopil Zweiter der Gesamtwertung im Tunap-Cup in der 250-Kubikzentimeter-Klasse wurde. Mit dieser Wertung errang der junge Norbert Witopil die A-Lizenz, die es ihm künftig erlaubte, um die deutsche Meisterschaft sowie um die Motorradweltmeisterschaft zu fahren.

Alter schützt vor Vollgas nicht

In seiner fünften Rennsaison war es dann soweit, Witopil oder "John" wie ihn eigentlich alle nennen, fuhr um die deutsche Meisterschaft im Straßenrennsport in der 350-Kubikzentimeter-Klasse. Damit zählte er zum Kreis der bundesdeutschen Elitefahrer. Natürlich träumte er vom Titel, doch er rechnete nicht, dass er diesmal die Nase wirklich ganz vorne haben würde. "Ein Platz unter den ersten zehn wäre ein großer Erfolg", sinnierte er damals. Seine damaligen "Schmiermaxen", Josef Mayer aus Niederraunau und Hans-Peter Seidler aus Weißenhorn, unterstützten ihn auf diesem Weg, in dem sie sich um die Mechanik kümmerten.

Auch finanziell wäre dieser Erfolg sehr hilfreich gewesen, da Witopil dadurch große Chancen gehabt hätte, in einem Werksteam unterzukommen. Denn das mittlerweile sehr teure Hobby war ohne Sponsoren nicht mehr zu bewerkstelligen. Doch es sollte nicht sein: Bei einem Rennen in Hockenheim erlitt Witopil bei einem Unfall eine Verletzung am Sprunggelenk. Somit musste er drei Rennen aussetzen und erreichte sein Ziel nicht, unter den ersten Zehn zu landen.

Er fuhr zwar weiter Motorradrennen, doch das fehlende Geld für neue Maschinen oder Ersatzteile trübte mit der Zeit den Spaß am Weitermachen. Nach zehn Jahren hörte Witopil auf und konzentrierte sich danach auf seine junge Familie und sein neues Hobby, das Modellfliegen.

Jetzt, 20 Jahre danach, will es "John" Witopil noch einmal wissen: Sein ehemaliger Mechaniker Hans-Peter Seidler machte ihn auf eine Sportsendung aufmerksam, in der die "IG Classic Superbikes" vorgestellt wurden. Bei den Classic Superbikes kann jeder mitmachen, egal ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi. Minimale Kosten - maximaler Spaß ist hier das Motto. Um hier aktiv mitzumischen, bedarf es keiner teuren Spezial-Anfertigung.

John wäre nicht John

Norbert Witopil zögerte. Zu groß waren die Zweifel wegen der Finanzen. Kurzarbeit und das Studium der Tochter ließen keine zusätzlichen Kosten zu. Doch er ließ sich mit seinen ehemaligen Mechanikern auf einen Kompromiss ein. Es sollte eine einmalige Geschichte werden, einfach zum Spaß. Doch "John" wäre nicht "John", wenn er nur zum Spaß fahren würde. An seinem 51. Geburtstag fuhr er auf Anhieb im Auftaktrennen der CSBK-Masters-Series 2010 im Schleizer Dreieck bei den beiden Rennläufen auf den 5. Platz. Angespornt durch diese Leistung finanzierte ihm einer seiner Chefmechaniker ein leistungsstarkes Motorrad für das nächste Rennen in Bremerhaven. Dort setzte Witopil noch eins drauf und fuhr die Plätze eins und zwei ein.

Wieder einmal steht Norbert Witopil nun in der Gesamtwertung an zweiter Stelle. Doch das reichte ihm nicht. Am Wochenende des 10. Juli 2010 fuhr er auf dem Hockenheimring ein so sensationelles Rennen, dass er nun die Rangliste anführt. Norbert Witopils Motto "Alter schützt vor Vollgas nicht" hat er in die Tat umgesetzt.

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