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Krumbach

23.05.2015

Altersgerechte schwäbische Lebensart

Das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt am Ostrand von Krumbach will seinen 84 Bewohnern in erster Linie eine altersgerechte schwäbische Lebensart bieten. Sein Kern wurde 1955 erbaut.
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Das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt am Ostrand von Krumbach will seinen 84 Bewohnern in erster Linie eine altersgerechte schwäbische Lebensart bieten. Sein Kern wurde 1955 erbaut.
Bild: Hans Bosch

Das Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt ist auch heute bereit, sich den Anforderungen einer modernen Altenpflege zu stellen

Es gab in diesen Nachkriegsjahren verschiedentlich Anstrengungen, die Lage der vielen Alten und Heimatlosen zu verbessern. Eine zufriedenstellende Lösung zeichnete sich in Krumbach erstmals 1953 ab, als Awo-Kreisgeschäftsführer Josef Matzka dem Kreisausschuss den Vorschlag unterbreitete, sein Bezirksverband wolle in Krumbach ein Altersheim bauen. In der Stadt selbst gab es neben dem Waisenhaus mit Altenheim in der Robert-Steiger-Straße (heute Kreishaus) als „Notquartier“ lediglich den alten Gasthof Zur Post in der heutigen Franz-Aletsee-Straße. Die Awo selbst bot den alten Leuten und vielen heimatlosen Vertriebenen im Niederraunauer Schloss eine Unterkunft, allerdings in den viel zu großen Zimmern mehr in Form einer Kaserne. Sie hatte das in ihrem Besitz befindliche Gebäude vorher als Kinderheim betrieben.

Der Neubau ging mit Unterstützung der Stadt und des Landkreises binnen zweier Jahre über die Bühne. So stellte die Kommune die 9000 Quadratmeter große Grundstücksfläche fast kostenlos zur Verfügung. Es gab aber auch einige Kritiker, wobei besonders die Trägerschaft des Hauses zum Diskussionspunkt wurde.

Awo-Kreisvorsitzender Alfons Schier erinnert sich: „Noch Jahre später waren wir das ,rote Haus‘, in dem ,die Sozis‘ das Sagen haben.“ Den Bezirksverband störte das wenig, und er ist noch heute stolz, als Erster in Krumbach die Situation der Alten und Einsamen entscheidend verbessert zu haben, konnten doch die Bewohner der drei bisherigen Unterkünfte alle im neuen Haus untergebracht werden. Schier denkt zurück: „Es waren in erster Linie alleinstehende Vertriebene oder aber Knechte und Mägde, die ohne Altersversorgung bei Bauern gearbeitet hatten.“

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Bis heute hat sich die Situation an der Augsburger Straße grundlegend gewandelt. Die ursprünglich 92 Plätze in Doppelzimmern des Awo-Heimes wurden 1981 auf 60 Plätze reduziert, von denen 20 Zimmer für pflegebedürftige Personen vorgesehen waren. Der Bedarf an Einzelzimmern stieg, und so kam es wenig später zu Überlegungen für eine Erweiterung, die sich ab 1985 konkretisierten, aber in erster Linie aus finanziellen Gründen nochmals über zehn Jahre bis zum Baubeginn beanspruchten.

Nach der Fertigstellung des zweiten Heimtrakts, der Sanierung des Altbaus und der Ausweitung der Pflegeabteilung stehen den Bewohnern heute 78 Einzelzimmer und drei Doppelzimmer für Ehepaare zur Verfügung. Heimleiterin Claudia Berchtold zeigt sich zufrieden: „Wir sind bemüht, im Heim eine gemütliche, der schwäbischen Lebensart entsprechende Atmosphäre zu schaffen.“ Was ihr besonders am Herzen liegt: „Ein bisschen Güte von Mensch zu Mensch ist mehr als alle Liebe zur Menschlichkeit.“ Dies sollen alle Bewohner spüren dürfen, und zwar vom noch rüstigen Rentner bis zum Schwerstpflegebedürftigen.

Die Heimleiterin verweist darauf, dass die derzeitige Situation in der Altenpflege nicht sorgenfrei ist. Für die insgesamt 84 Bewohner stehen derzeit 42 Kräfte im Pflegebereich zur Verfügung. Die Suche nach Fachkräften werde jedoch immer schwieriger. Den Grund dafür sieht sie in dem „wegen der Rahmenbedingungen unattraktiven Berufsbild und der schlechten Bezahlung“. Hier müsse sich in nächster Zeit einiges ändern.

Ein weiterer Aspekt kommt für Berchtold hinzu: Eine Altenbetreuung werde inzwischen auch von Organisationen und Privatfirmen angeboten, die vom Landkreis über private Wohnheime für Demenzkranke, die häusliche Pflege über Sozialstationen, ausländische Haushaltshilfen bis zu einem Mehr an familiärer Pflege reiche. Dies bringe es mit sich, dass die alten Menschen immer länger in ihrem privaten Umfeld blieben. Daraus ergebe sich auch für das Awo-Heim eine gewisse Neuorientierung, so Claudia Berchtold, doch: „Wir stellen uns diesem Wettbewerb.“ Als Trümpfe nennt sie geschultes Pflegepersonal, ein gutes privates Umfeld für die Bewohner mit möglichst eigenen Möbeln in den Zimmern und neben der Hauskapelle mit regelmäßigen Gottesdiensten Fahrten zu Ärzten und zum Einkaufen sowie regelmäßige Ausflüge und aktive Betätigungen durch Beschäftigungstherapeuten.

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