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Ultratour

11.11.2014

Am Schluss ging es nur noch ums Überleben ...

Der Extrembergsteiger und Fotograf Christian Rottenegger (links) im Gespräch mit Veranstaltungswart Manfred Bauer vom Krumbacher Alpenverein.
Bild: Hans Bosch

Der Abenteurer Christian Rottenegger fuhr über 9000 Kilometer mit dem Fahrrad in das Karakorum. Warum er letztlich am Gasherbrum II scheiterte

Das Leben eines Weltenbummlers mag abenteuerlich sein. Ob es für jeden, auch wenn er die Länder der Erde sehen und deren Natur erleben will, erstrebenswert ist, bleibt dahingestellt. Christian Rottenegger aus Bobingen und jetzt am Ammersee lebend, hat sich für Ersteres entschieden.

Seit Jahren ist er mit Fahrrad oder Flugzeug in aller Welt unterwegs, legt Tausende von Kilometern zurück und steigt auf die höchsten Berge im Himalaja. Seine bisher längste und härteste Tour mit drei Gleichgesinnten zeigte er jetzt in einem spannenden Film auf Einladung der Volkshochschule und des Alpenvereins vor rund 130 Interessierten in der Aula der Mittelschule.

Mit Herzblut und viel Einfühlung beschreibt Rottenegger die Erlebnisse und jeder glaubt ihm die Strapazen eines solchen Unternehmens, die oft zu körperlichen und seelischen Grenzgängen werden: „Man denkt oft ans Aufhören oder stellt sich die Frage, warum tust du dir das eigentlich an. Je näher aber das Ziel kommt, desto größer wird der Wunsch, es zu erreichen.“ Ausgangspunkt der viermonatigen und 9320 Kilometer langen Ultratour mit dem Fahrrad war Augsburg. Von dort ging es bis zur Südspitze Italiens, durch Griechenland und die Türkei, bevor Iran, Turkmenistan, Usbekistan und Kirgisien als nächste Stationen folgten. Zuerst bereitete dem Quartett der starke Verkehr auf den Fernstraßen Kummer und im asiatischen Bereich die Schotterpisten, Pässe mit einer Höhe bis zu 4700 Metern und schließlich die oft schikanösen Grenzkontrollen mit tagelangen Wartezeiten.

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Kälte und Hitze, aber auch Sturm, Regen und Schnee bildeten alltägliche Begleiter. Und zwar sowohl in Sichtweite des Ararat (5100 Meter), den Ebenen und Steppen nahe des Kaspischen Meeres und später dann auf dem Weg durch Schluchten und über Pässe der bis zu 8000 Meter hohen Gipfel im Pamir- und Karakorum-Gebirge. Kummer bereiteten nicht nur die teilweise über 100 Kilometer langen Anstiege, die auf holprigen und steinübersäten, mehr einer Piste gleichenden Straßen selbst die Abfahrten zum Problem machten. Hinzu kam eine Verpflegung, die fast täglich aus Erdnüssen und der landestypischen Hammelfett-Suppe bestand. Sie war es, die einem europäischen Magen und Darm und ebenso dem Sitzfleisch nicht gerade förderlich war. Ausdrücklich lobte Rottenegger die Gastfreundschaft der Einheimischen, denn käuflich waren Lebensmittel zumeist nur an Tankstellen. Bei 35 Kilogramm Gepäck pro Fahrrad samt Zelt und Foto-Ausrüstung war die Mitnahme von Essen und Getränken jedoch auf den Tagesbedarf beschränkt.

Etwas mehr Komfort boten den Radlern die bestens ausgebauten, aber kaum befahrenen Straßen in der chinesischen Provinz Xinjiang. Doch schon bald wechselte sich das Bild auf dem berüchtigten Karakorum-Highway zwischen China und Pakistan wieder, der am Khunjerab-Pass mit seinen 4733 Metern Höhe für Radfahrer gesperrt ist. Erst nach wochenlangem bürokratischen Kampf erhielt Rottenegger eine Ausnahmeregelung.

In Skardu, einer Stadt mitten im pakistanischen Karakorum-Gebirge, startete Rottenegger dann seinen zweiten Teil der Ultratour: Schon nach wenigen Tagen begann er mit dem Aufstieg zum Gasherbrum II (8037 Meter) zusammen mit fünf Kameraden. Wenig später sollten es fünf Gruppen mit insgesamt 400 Trägern sein, die das gleiche Ziel hatten. Das Wetter war gut bis auf eine Höhe um 6000 Meter. Dann aber folgten Nebel, Sturm und Unmengen von Neuschnee und, so der Extrembergsteiger: „Der Marsch über spaltenübersäte Gletscher und steile Felsflanken bis zum Hochlager III wurde zur unkalkulierbaren Gefahr.“ Der Bobinger und seine Kameraden erreichten eine Höhe von ungefähr 7700 Metern, riskierten Tag für Tag ihr Leben und stiegen schließlich doch ins Basislager ab. Auf dem Weg dorthin kam es für vier Schweizer Bergkameraden zur Katastrophe: Sie wurden von einer riesigen Lawine erfasst. Zwei von ihnen konnten schwer verletzt geborgen werden. Einer wurde tot gefunden, der andere bleibt wohl für immer in den Eis- und Schneemassen begraben.

Sichtlich bewegt schilderte Rottenegger diese dramatischen Ereignisse, die bei ihm nur einen Wunsch auslösten: „Ich will zurück in die Heimat.“ Das Abenteuerleben als Fotograf will er trotzdem nicht aufgeben – er hat noch zu viele Pläne im Kopf.

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