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Günzburg/Landkreis

13.06.2015

An Napoleon scheiden sich die Geister

„Napoleon und Bayern“ heißt das jüngste Buch des Historikers Thomas Schuler. Bei einem Vortrag im Rokokosaal des Günzburger Heimatmuseums schilderte er, dass Bayern ohne Napoleon heute anders aussähe. Oder womöglich ganz von der Landkarte verschwunden wäre.
Bild: Greta Kaiser

Der Feldherr und Kaiser der Franzosen hat auch in der Region Spuren hinterlassen, wie Thomas Stuhler nicht nur in seinem neuen Buch zeigt.

Das ist erstaunlich. Über keinen Menschen wurden mehr Bücher geschrieben als über Napoleon. Wohl mehr als eine Million Titel sind bislang weltweit erschienen. Was ist so faszinierend am Feldherrn und Kaiser der Franzosen? „An ihm scheiden sich die Geister“, erklärt der Historiker Thomas Schuler, „man kann über ihn nicht gelassen diskutieren“. Und er hat bis heute Spuren hinterlassen – auch und gerade in Bayern. „Napoleon und Bayern“ heißt denn auch Schulers jüngstes Buch, das er im Rokokosaal des Günzburger Heimatmuseums vorstellte.

Was war Napoleon? Ein genialer Feldherr, einer der die Grundlagen der europäischen Demokratien legte? Ein Mann, den der Dichterfürst Goethe über alle Maßen bewunderte? Oder letztlich doch nur ein Kriegsverbrecher, wie nicht wenige meinen? Darüber lässt sich trefflich streiten. Unbestritten aber ist: Napoleon war so etwas wie der Geburtshelfer des heutigen Bayern.

„Wir sind auf einem Vulkan“, lautet der Untertitel des Buches von Thomas Schuler, der sich als Historiker und Journalist seit 15 Jahren mit Napoleon befasst. Das Zitat stammt von Kronprinz Ludwig, dem späteren bayerischen König Ludwig I. Denn Bayern stand in den Jahren um 1800 gleich mehrfach am Abgrund.

An Napoleon scheiden sich die Geister

Zunächst als Verbündeter Frankreichs im Krieg gegen Österreich und Russland. Hätte Napoleon die Schlachten von 1805 verloren, das Kurfürstentum Bayern wäre wohl von der Landkarte getilgt und ein Teil des Habsburger Reiches geworden. Hätte Bayern nach dem katastrophalen Russland-Feldzug Napoleons 1812 und seiner Niederlage in der Völkerschlacht von Leipzig 1813 nicht noch schnell die Seiten gewechselt und sich zu den Siegern gesellt, auch dann wäre das Schicksal des heutigen Freistaats wohl besiegelt gewesen.

So aber, schilderte Schuler, war Bayern letztlich ein Gewinner. Für ihre Bündnistreue belohnte Napoleon die Bayern mit neuen Territorien – darunter der vorderösterreichischen Markgrafenschaft Burgau mit Günzburg als Verwaltungszentrum. Bayern wurde dank Napoleon zum Königreich aufgestuft und mit der ersten liberalen Verfassung versehen. Auf dem Wiener Kongress, der vor 200 Jahren endete, konnte Bayern seine durch Napoleon gewonnenen Territorien sichern, der heutige Freistaat war im Wesentlichen geschaffen. Der Tanz auf dem Vulkan hatte letztlich ein gutes Ende genommen.

Das aber um einen hohen Preis. Im Russland-Feldzug Napoleons verloren 30 000 bayerische Soldaten ihr Leben, Franzosen und Österreicher plünderten Bayern komplett aus, die Wirtschaft lag am Boden. Schuler illustrierte diese Zeiten bei seinem Vortag mit beeindruckenden Bildern.

Vor 200 Jahren ging der Stern Napoleons endgültig unter – mit der verheerenden Niederlage im belgischen Waterloo. Trotzdem wirkt der gebürtige Korse bis heute nach. In welcher Form, das ist unter anderem bei der Bayerischen Landesausstellung bis 31. Oktober im Armeemuseum in Ingolstadt zu sehen. Auch diese Schau trägt den Titel „Napoleon und Bayern“.

Das Buch „Napoleon und Bayern“ von Thomas Schuler ist im Verlag C. H. Beck erschienen. Am 20. September lädt Schuler zu einer Führung „Auf den Spuren Napoleons in Günzburg“ ein. Treffpunkt ist um 15 Uhr bei der Tourist-Info im Rathaus.

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