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Thannhausen

17.01.2020

Analyse: Warum die Thannhauser Bürgermeisterwahl außergewöhnlich ist

Drei Kandidaten bei einer Bürgermeisterwahl in Thannhausen? Das gab es zuletzt im Jahr 1996. Unser Rückblick zeigt, dass die Mindelstadt auch so manche kommunalpolitisch turbulente Zeit erlebt hat.
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Drei Kandidaten bei einer Bürgermeisterwahl in Thannhausen? Das gab es zuletzt im Jahr 1996. Unser Rückblick zeigt, dass die Mindelstadt auch so manche kommunalpolitisch turbulente Zeit erlebt hat.
Foto: Dr. Heinrich Lindenmayr

Plus Erstmals seit langer Zeit treten in Thannhausen wieder mehrere Kandidaten gegeneinander an. Ein historischer Streifzug durch die mitunter turbulente Thannhauser Kommunalpolitik.

Konrad Barm? Vermutlich nur wenige werden den Namen des heutigen Burgauer Bürgermeisters mit Thannhausen in Verbindung bringen. Doch 1996 hat nicht viel gefehlt und Barm, der für die Freien Wähler kandidierte, wäre zum Bürgermeister von Thannhausen gewählt worden. Bei der Stichwahl unterlag er mit 48,7 Prozent knapp Johannes Schropp (CSU), der 51, 3 Prozent erhielt. Die Wahl des Jahres 1996 steht für geradezu turbulente kommunalpolitische Zeiten, wie sie Thannhausen lange erlebt hat. Bei den Bürgermeisterwahlen 2008 und 2014 hingegen war Georg Schwarz (nominiert von CSU und Freien Wählern) einziger Kandidat. Es ist auch dieser Hintergrund, der das Besondere der jetzt anstehenden Thannhauser Bürgermeisterwahl plastisch vor Augen führt. Erstmals seit langer Zeit treten mit dem bisherigen 2. Bürgermeister Peter Schoblocher (Freie Wähler), Stadtrat Alois Held (CSU) und Carsten Pothmann (Grüne) wieder mehrere Kandidaten an.

Am Mittwoch, 5. Februar, sind sie ab 19.30 Uhr bei der Podiumsdiskussion der Mittelschwäbischen Nachrichten in der Aula der Grundschule zu Gast.

Georg Schwarz war zwölf Jahre im Amt

Zwölf Jahre war Georg Schwarz (61) Thannhauser Bürgermeister, zuvor bereits sechs Jahre in der Marktgemeinde Neuburg. Bei der Bürgermeisterwahl am 15. März tritt er nicht mehr an. Drei Kandidaten bewerben sich um seine Nachfolge, das lässt einen spannenden Wahlkampf erwarten.

Wohin wird sich die Stadt entwickeln? Es gab Bürgermeister in Thannhausen, deren Amtszeit geradezu für eine Ära steht. Wilhelm Donderer beispielsweise war von 1952 bis 1966 Bürgermeister. In seine Amtszeit fällt die Erhebung Thannhausens zur Stadt im Jahr 1953. Josef Mayer war gar von 1966 bis 1984 Rathauschef. Sein Nachfolger wurde im Jahr 1984 Werner Sommer.

Als Sommer 1984 gewählt wurde, ahnte wohl kaum jemand, welch hektische Zeiten Thannhausen in den Folgejahren erleben sollte. Zwischen Sommer und dem Stadtrat kam es schließlich zu einem regelrechten Zerwürfnis. Am 2. Juni 1992 verließen die Stadträte gar geschlossen den Sitzungssaal. Nachdem Sommer 1994 abgetreten war, setzte sich Johannes Schropp (CSU) bei der Wahl mit 58,6 Prozent der Stimmen gegen Ludwig Zauner (SPD) und Anka Münn-Brustkern (Grüne) durch. Eine Kandidatin der Grünen für das Bürgermeisteramt? Das war im Jahr 1994 gewissermaßen noch exotisch.

In der Gegenwart sind Kandidaten der Grünen für kommunalpolitische Ämter fast schon selbstverständlich geworden. In Thannhausen sind die Grünen bereits im Stadtrat vertreten. Der Niederraunauer Landtagsabgeordnete Maximilian Deisenhofer kandidiert bei der Landratswahl, zudem stellen die Grünen in fünf Städten und Gemeinden im Kreis Bürgermeisterkandidaten: In Burgau, Ebershausen, Haldenwang – und mit Angelika Hosser und Carsten Pothmann auch in Krumbach und Thannhausen. Beide Städte stehen vor einer Wahl, wie es sie seit Jahren nicht mehr gab. Allein in Sachen Alter ist die Bandbreite bei den Kandidaten groß. CSU-Kandidat Alois Held gehört seit 2014 dem Stadtrat an, ist 37 Jahre alt, Peter Schoblocher (FW) 60, Carsten Pothmann (Grüne) 55 Jahre alt. Schoblocher verweist immer wieder auf seine langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik. Der selbstständige Architekt ist seit 24 Jahren im Stadtrat, er war vier Jahre Fraktionsvorsitzender und sechs Jahre 2. Bürgermeister der Stadt.

Alois Held, Personalleiter bei der LS Bau AG, wurde 2014 erstmals für die CSU von einem hinteren Listenplatz (Platz 16) auf Anhieb in den Stadtrat gewählt. Das damalige Ergebnis gebe ihm Rückenwind und Auftrieb für die Bürgermeisterwahl, hat Held wiederholt betont.

Carsten Pothmann von den Grünen ist in einer führenden Position für die Telekom tätig. Er ist in Zürich geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen, 18 Jahre hat er in Günzburg gelebt. Mittlerweile wohnt er auch wieder im Günzburger Ortsteil Reisensburg.

Erstmals seit 2002 wieder mehrere Kandidaten

Nun erlebt Thannhausen erstmals seit dem Jahr 2002 eine Wahl mit mehreren Bürgermeisterkandidaten. 2002 setzte sich Johannes Schropp (CSU) mit 57,2 Prozent gegen Günther Meindl (42,8 Prozent) durch. Meindl kandidierte damals für die SPD. Aktuell kandidiert er auf der Liste der Grünen wieder für den Stadtrat.

Pothmann, Schoblocher, Held: Wer in diesen Tagen mit den drei Kandidaten spricht, der erlebt auch, dass alle drei bei allen unterschiedlichen Perspektiven regelrecht von der Stadt schwärmen. Alle drei heben immer wieder die außerordentliche Leistung des bisherigen Bürgermeisters Georg Schwarz hervor, der es in seiner zwölfjährigen Amtszeit auch geschafft hat, das nicht selten aufgewühlte kommunalpolitische Klima in der Stadt zu beruhigen. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren bemerkenswert entwickelt. Der Hochwasserschutz, um den es eine geradezu jahrzehntelange Dauerdiskussion gab, steht vor der Vollendung, im ehemaligen Landschulheim wird eine dritte Kindertagesstätte eingerichtet, neues Bauland (beispielsweise im Bereich Beatussteig) wurde ausgewiesen. Ähnlich wie im benachbarten Krumbach ist auch in Thannhausen die Einwohnerzahl auf mittlerweile rund 6500 Einwohner gestiegen. Entgegen aller früherer Prognosen ist die Tendenz offenbar weiter steigend, auch, weil der Lebensunterhalt in großen Städten zunehmend teurer wird und viele die Lebensqualität von kleineren Städten wie Krumbach und Thannhausen zu schätzen wissen.

Zentrale Herausforderung für die Kommunalpolitik

Doch mit Blick auf die Einwohnerzahl muss auch die Infrastruktur der Stadt in allen Bereichen entwickelt und angepasst werden – eine zentrale Herausforderung für die Kommunalpolitik in den kommenden Jahren.

Und Konrad Barm? Er war im Jahr 2002 in Burgau erfolgreicher als zuvor in Thannhausen. Bei der Burgauer Bürgermeisterwahl 2002 setzte er sich als Kandidat der Freien Wähler klar mit 54,2 Prozent gegen den damaligen Amtsinhaber Wolfgang Schubaur (CSU) durch. Doch 2020 sieht die Lage etwas anders aus. Amtsinhaber Barm hat drei Gegenkandidaten.

Podiumsdiskussion in der Aula der Grundschule

Beim Wahl-Podium der Mittelschwäbischen Nachrichten zur Bürgermeisterwahl werden am Mittwoch, 5. Februar, ab 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) in der Aula der Grundschule drei Themenkomplexe im Vordergrund stehen: 1. Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr. 2. Familie und Soziales. 3. Kultur und Freizeit. Durch den Abend führt MN-Redaktionsleiter Peter Bauer.

Die drei Thannhauser Bürgermeisterkandidaten stellen wir in ausführlichen Einzelporträts vor:

Peter Schoblocher möchte mit Erfahrung etwas bewegen

Carsten Pothmanns Vision für Thannhausen

Alois Held: Bürgermeisteramt als „Lebensaufgabe“

2002 traten Johannes Schropp (CSU) und Günther Meindl (damals SPD) bei der Bürgermeisterwahl in Thannhausen gegeneinander an. 2008 wurden beide gemeinsam aus dem Stadtrat verabschiedet: Mehr Informationen dazu finden Sie hier:

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