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Krumbach

13.01.2020

Analyse: Warum diese Wahl für Krumbach so außergewöhnlich ist

Wer wird im kommenden Frühjahr nach der Wahl Bürgermeister im Krumbacher Rathaus (Bild) sein? Derzeit stellen sich drei Kandidaten zur Wahl.
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Wer wird im kommenden Frühjahr nach der Wahl Bürgermeister im Krumbacher Rathaus (Bild) sein? Derzeit stellen sich drei Kandidaten zur Wahl.
Bild: Peter Bauer

Plus Drei Kandidaten gehen ins Rennen. Viele sehen Parallelen zur turbulenten Wahl 2008 und einige erinnern sich noch an 1966 mit einem ganz besonderen politischen Duell.

Anton Brückl. Können Sie sich an diesen Namen erinnern? Vermutlich nicht – und das Ganze ist ja auch schon eine Weile her. Ende 2007 erklärte Anton Brückl, dass er für die FDP als Krumbacher Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen will. Er brachte in Krumbach gewissermaßen eine kommunalpolitische Lawine ins Rollen. Lange Zeit schien damals Amtsinhaber Willy Rothermel (CSU), ein Kommunalpolitiker mit der Erfahrung von Jahrzehnten, der einzige Bürgermeisterkandidat in Krumbach zu sein, seine Wiederwahl höchst wahrscheinlich. Doch dann kandidierten neben Brückl auch Hubert Fischer (JW/OL) und Dr. Ulrike Seifert-Kraus (SPD). Es kam im März 2008 zur Stichwahl, bei der Fischer mit fast 58,6 Prozent der Stimmen überraschend klar gegen Rothermel siegte. Zwölf Jahre ist das her. Aber nicht wenige denken mit Blick auf das Szenario der Bürgermeisterwahl 2020 mit mittlerweile drei Kandidaten (Hubert Fischer, Gerhard Weiß, CSU und Angelika Hosser, Grüne) an diese denkwürdige Wahl des Jahres 2008.

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Eine Frau kandidierte erstmals 2008

In der Tat gibt es so manche Parallele. Eine Frau als Bürgermeisterkandidatin? Das hatte und hat Seltenheitswert in Krumbach. Dr. Ulrike Seifert-Kraus war die erste Kandidatin, nun kandidiert Angelika Hosser für die Grünen. Ulrike Seifert-Kraus kam 2008 auf gerade einmal 13,9 Prozent der Stimmen. 2002, als Christoph Helmes für die SPD gegen Rothermel kandidierte, schaffte Helmes immerhin noch 37,3 Prozent. Bürgermeisterwahlen sind immer Personenwahlen, doch viele interpretierten die unterschiedlichen Ergebnisse auch als Indiz für einen langfristigen Abstieg der SPD in der Wählergunst. Und in der Tat hält dieser Trend bekanntlich bis heute an.

Angelika Hosser, Bürgermeisterkandidatin der Grünen.
Bild: Peter Bauer

Ein Trend der Gegenwart: Das ist der Aufstieg der Grünen. Der Niederraunauer Landtagsabgeordnete Maximilian Deisenhofer tritt bei der Landratswahl an, zudem stellen die Grünen in fünf Kommunen im Kreis Bürgermeisterkandidaten: In Burgau, Ebershausen, Haldenwang und Thannhausen und nun mit Angelika Hosser auch in Krumbach. Ihren Neujahrsempfang mit Katharina Schulze, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bayerischen Landtag, hielten die Grünen im Krumbacher Stadtsaal ab. Ein Indiz für das merklich gestiegene Selbstbewusstsein der Partei. Und ein Neujahrsempfang ganz im Stil der CSU, die dort bei ihren Neujahrsempfängen seit vielen Jahren hochkarätige Politiker einlädt.

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2014 war Fischer einziger Kandidat

Ein bemerkenswerter Begleitumstand der Krumbacher Wahl ist, dass mit Hubert Fischer (er war 2014 einziger Kandidat), Gerhard Weiß und Angelika Hosser diesmal drei Kandidaten ins Rennen gehen, die alle 53 Jahre alt sind, die in Krumbach geboren sind, deren Leben intensiv mit der Stadt verwurzelt ist und die sich untereinander bestens kennen.

Hubert Fischer, JW/OL, seit 2008 Bürgermeister.
Bild: Monika Leopold-Miller

Kommt zu den drei Kandidaten eventuell noch ein vierter hinzu, aus den Reihen der SPD? Der Krumbacher SPD-Ortsvorsitzende Achim Fißl bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es bei der SPD solche Überlegungen gegeben habe. Aber ein Kandidat sei nicht gefunden worden. Beim einen habe es beispielsweise aus familiären Gründen nicht gepasst, beim anderem aus beruflichen Gründen nicht.

Fißl kündigt an, dass der SPD-Ortsverein die drei Bürgermeisterkandidaten einladen möchte. Dann werde es eine Entscheidung geben, ob und wen die SPD unterstütze. Fißl räumte ein, dass sich die Ausgangslage durch die Kandidatur von Angelika Hosser verändert hat. Wäre es bei der Kandidatur von Fischer und Weiß geblieben, hätte er persönlich Weiß den Vorzug gegeben.

Legendär ist bis heute die Krumbacher Bürgermeisterwahl 1966

Der UFWG-Fraktionsvorsitzende und 3. Bürgermeister Klemens Ganz hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder „pro Fischer“ positioniert, aber er machte auch deutlich, dass er nicht für die Fraktion sprechen könne. Bei der jüngsten Nominierung der UFWG-Stadtratskandidaten gab es bei der UFWG keine Empfehlung für einen der Bürgermeisterkandidaten.

Wer in die Krumbacher Stadtgeschichte blickt, der sieht auch, dass Wahlen mit mehreren Kandidaten in der Nachkriegszeit keineswegs die Regel waren.

Gerhard Weiß, 2. Bürgermeister und Bürgermeisterkandidat der CSU.
Bild: Peter Bauer

Dafür steht auch die 31-jährige Amtszeit von Georg Winkler (1971 bis 2002). Der damals 34-jährige Regierungsrat wurde im Mai 1971 zum Krumbacher Bürgermeister gewählt, er war seinerzeit der einzige Kandidat (sein Vorgänger Mayer war überraschend gestorben).

Geradezu legendär ist bis heute die Krumbacher Bürgermeisterwahl des Jahres 1966. Karl Kling, 1964 bis 1966 ehrenamtlicher Bürgermeister Krumbachs, hatte erklärt, bei der Wahl 1966 aus beruflichen Gründen (Kling leitete ein großes Ingenieurbüro) nicht mehr kandidieren zu können.

Gespickt mit heftigen Attacken

Mit der Wahl 1966 sollte es in Krumbach erstmals seit 1943 wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister geben. Bei der Wahl kam es dann zum politischen Duell zwischen Stadtkämmerer Ludwig Mayer und Alfons Schmid (vielen bekannt als stellvertretender Leiter des Krumbacher Gymnasiums). Mayer schien zunächst das Vertrauen der CSU und der weiteren Fraktionen zu haben. Dann nominierte die UFWG Alfons Schmid. In der Folgezeit kam es zu einem regelrecht beinharten Wahlkampf. Die letzte Zeitungsausgabe vor der Wahl war noch einmal geradezu gespickt mit heftigen Attacken beider Seiten, sogar die Polizei wurde eingeschaltet.

Ludwig Mayer, Bürgermeisterkandidat im Jahr 1966. Er siegte gegen Konkurrent Alfons Schmid.
Bild: MN-Archiv

Die UFWG verteilte als Wahlgeschenk kleine Kerzen in Ostereiform. Darauf antworteten die Mayer-Unterstützer, dass man doch bitte „nicht für Schmid und seine Eier, sondern für den Amtmann Ludwig Mayer“ stimmen sollte. So heftig wird es im Bürgermeisterwahlkampf 2020 wohl nicht werden. Aber nicht wenige gehen bereits jetzt davon aus, dass eine Stichwahl in Krumbach wahrscheinlich ist. Und dann wird sich vielleicht der eine oder andere auch wieder an den FDP-Politiker Anton Brückl erinnern. Der erhielt 2008 bei der Bürgermeisterwahl 5,2 Prozent. Aber in Krumbach brachte er gewissermaßen einen politischen Erdrutsch auf den Weg.

Alfons Schmid, Kandidat im Jahr 1966. Er verlor die Wahl gegen Ludwig Mayer.
Bild: Sammlung Wüsten

Weitere Infos zur Bürgermeisterwahl finden Sie hier:

Bürgermeisterwahl: Das politische Duell zweier Freunde

Warum Angelika Hosser in Krumbach kandidiert

Thannhausen und Krumbach zeigen gelebte Demokratie

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