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Evangelische Ansichten

11.05.2015

Angst kann man nicht einfach so wegreden

Das Gefühl ist Teil des Lebens – es kommt von allein. Man kann es teilen und überwinden

„Keine Angst, keine Angst…“, so wurde sie angesungen, von Hans Albers oder Freddie Quinn oder Heinz Rühmann; je nachdem, welcher Sänger/Schauspieler sich in die Matrosenrolle begab. „Keine Angst, keine Angst – Rosmarie!“. Warum „Rosmarie“? – keine Ahnung! Ob die Aufforderung „Rosmarie“ erreicht hat?

Es ist so eine Sache mit der Angst. Du rufst sie ja nicht, sie kommt von allein. Und wenn sie kommt, kommt sie gerne, um zu bleiben. Der Jesussatz in der Bibel, der weiß davon: „In der Welt habt ihr Angst.“ Angst ist ein beständiger Begleiter von Menschen, von den Jüngerinnen und Jüngern damals (denen diese Worte gesagt waren) bis zu denen von heute. Ja, die haben auch Angst, wie andere Menschen nicht minder. Angst ist ein Gefühl, sich schnell zu verlieren in der Welt, nicht zu genügen oder nicht (mehr) mitzukommen. Und niemanden zu haben, der dieses Gefühl versteht, einem nur ausreden will („Keine Angst, keine Angst…“), was man fühlt. Angst kann man nicht wegreden, nur teilen. Auch Jesus hatte Angst, als der Tod nahte. Angst ist Teil des Lebens.

Angst kann einen beschleichen, wenn man durch das Holocaust-Mahnmal in Berlin geht. Anfangs geht man noch gespannt durch die kleinen Betonstelen. Dann werden die immer höher, man selbst läuft immer tiefer hinein in die große Fläche. Ein Gefühl der Verlorenheit beschleicht einen. Das soll so sein. Wenn dann noch der Himmel grau ist, legt sich das bald auf die Seele. Inmitten hoher Betonstelen verliert man den Überblick und könnte sich verlaufen, wäre da nicht immer noch eine Art Blick zu den rettenden Rändern. Gestern vor zehn Jahren wurde das Mahnmal, nach Entwürfen des amerikanischen Architekten Peter Eisenman unweit des Brandenburger Tores errichtet, eingeweiht. Millionen Besucher haben es seitdem betreten. Und vielleicht ein winziges Stückchen von der Angst, der Beklemmung derer empfunden, die Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden.

Angst kann man nicht wegreden. Auch Jesus konnte das nicht. Angst kann man nur überwinden, wie Jesus das getan, zumindest versucht hat. Das geht, wenn man sich, wie Jesus, in ein größeres Vertrauen bettet, das etwa heißt: Was immer mir geschieht, hat mit dem gnädigen Willen Gottes zu tun. Das kann man nicht wissen, auch nicht immer glauben, aber man kann so zu leben versuchen.

Und darin eine Haltung finden, die der Angst eine Grenze setzt. Wenn Angst sich meiner bemächtigt, wäre es doch aller Mühe wert, sich ihr nicht zu überlassen, sondern das größere Vertrauen zu suchen. Und so die Angst in der Welt zu überwinden. Meint

Ulrich Funk, Pfarrer in Krumbach

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