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09.03.2009

Arbeitsplatz: Autobahn

Günzburg "Wäre der was für uns?" Xaver Büchele starrt wie gebannt auf die vorbei rasenden Fahrzeuge. Er hat sie alle im Visier: Große und Kleine, Schnelle und Langsame. Dann quietschen die Reifen. 231 PS brausen auf die Fahrbahn der A 8. Dreizehn Uhr am Freitagnachmittag. Die Jagd beginnt. Es ist ein ganz normaler Tag zwischen Günzburg und Burgau. Es ist: Verkehrskontrolle.

Alles wird geprüft. Lastwagen, Personen, Kofferräume - Geschwindigkeit, Drogen, Alkohol. Dies ist der Job der Günzburger Autobahnpolizisten Xaver Büchele und Harald Spengler.

Die beiden Beamten haben schon viel gesehen, manchmal zu viel. "Die A 8 ist eine Katastrophe", resümiert Büchele über seinen täglichen Arbeitsplatz. Erst kürzlich starben wieder zwei Menschen bei Zusmarshausen, darunter ein Ersthelfer. Solche Tage und solche Bilder zehren an den Nerven der Männer von der Autobahnpolizei. Sie graben sich tief in die Erinnerung ein. "Auch wenn man Jugendliche unter Drogen sieht, wie die ihr Leben wegwerfen - das ist schlimm", meint der vierfache Familienvater Büchele. Es bleibt nicht viel Zeit zum Reden. Ein Raser drängelt sich zwischen den Autos nach vorne. Er fährt auf, immer wieder. Der neongelbe Audi ist den Polizisten nun zu bunt geworden. Der Blaulichtblitzer an der Frontscheibe und die " Polizei"-Leuchtschrift an der Sonnenblende sind eingeschaltet.

Die Polizisten beobachten unauffällig - und jagen schnell

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Der Polizeiwagen selbst ist unauffällig, ein beigefarbener BMW-Kombi. Eher eine Familienkutsche als ein PS-starker Rennschlitten. Der Audi-Fahrer hat sein Pech inzwischen bemerkt. Mit der Kelle wird der Mann auf einen Parkplatz gelotst. "Mein kleiner Sohn hat bei der Geschwindigkeit so gut geschlafen", entschuldigt sich der rund vierzig Jahre alte, dunkelhaarige Mann freundlich. "Ich brauche meinen Führerschein!" meint er schließlich seufzend. Im Mittel ist er 21 Stundenkilometer zu schnell gewesen. Xaver Büchele bleibt höflich und gelassen, er prüft am Handcomputer die Daten des Fahrers.

Der tragbare Computer kennt die Daten der Fahrer

"Der hat sich früher mal geprügelt", bemerkt der 46-jährige Hauptkommissar bei einem Blick in die Datenbank, auf welche die Polizisten bayernweit online zugreifen können. Aber unrühmliche Taten der Vergangenheit seien jetzt nicht das Thema. Bußgeldbescheid. Punkte. Auf Wiedersehen. Und schon geht's weiter.

Ein Lastwagen aus Hannover mit Anhänger wird "rausgezogen", wie das Hinauswinken zur Kontrolle im Polizeijargon heißt. Der Fahrer hat keine Einlegescheibe, die die Rastzeiten und die Geschwindigkeit aufzeichnet. Das wäre eigentlich Pflicht. Ansonsten ist der Laster scheinbar in Ordnung. Entwarnung: keine Drogen, kein Gammelfleisch.

Einige geschulte Blicke reichen den Polizisten. "Manche Fahrer stehen unter erheblichem Druck" - Büchele weiß um die schwierige Situation der Fernfahrer: Job oder Führerschein. Schnell fahren, "just in time", laute zu oft die Devise. Aber es gibt ja auch noch die Anderen. Die wirklich "bösen Buben".

Doch wie unterscheidet der Polizist den Drogenkurier vom Wochenend-Shopper? "Es gibt schon gewisse Raster, nach denen wir entscheiden, wen wir letztlich überprüfen", erklärt Büchele. Das Alter des Autos und des Fahrers etwa. Je älter das Gefährt, desto auffälliger.

Fahndungsraster sind eine Wissenschaft für sich

Die Kontroll-Raster scheinen eine eigene Wissenschaft zu sein. Transporter aus Südosteuropa sind genauso auffällig wie Münchner Kleinwagen am Sonntagmorgen aus Richtung Stuttgart. "Da sitzen ab und zu vollgedröhnte junge Leute drinnen, die vom Feiern kommen", meint Büchele. Doch Zeit haben zum Erzählen: Fehlanzeige. Ein klappriger, weißer Umzugswagen nähert sich. Was sich wohl dahinter verbirgt? Die Jagd auf der A 8 beginnt aufs Neue.

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