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25.06.2019

Archaische Töne aus der Bergwelt

Bewundernswert, welche Klangvarianten Berthold Schick den nur elf Tönen seines 3,5 Meter langen Alphorns entlockte.
Bild: Claudia Bader

Konzert Ungewöhnliches boten Berthold Schick und die „Allgäu 6“ im Mindelzeller Amphitheater

Mindelzell Was haben das als Nationalsymbol der Schweiz geltende Alphorn und der spanische Tanz „Bolero?“ gemeinsam? Den Alphorn-Bolero. In dieser außergewöhnlichen Komposition verbinden Solist Berthold Schick und seine „Allgäu 6“ lateinamerikanische Rhythmen mit archaischen Tönen aus der Bergwelt. Beim Auftritt der bekannten Formation im Amphitheater zauberte die weitschweifende, klassische Harmonik im traumhaften Ambiente des lauen Sommerabends im Amphitheater Mindelzell eine einmalige Stimmung.

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Nachdem sie am Abend zuvor noch in Orscholz im Saarland konzertiert hatten, zogen Berthold Schick und seine Band auch bei ihrem „Heimspiel“ sämtliche Register ihres Könnens. Von den ersten Tönen an spürten die zahlreichen Besucher, dass Hausherr Engelbert Schmid mit seiner Ankündigung „Blasmusik in Perfektion“ nicht zu viel versprochen hatte. Denn die sieben Vollblut-Musiker ließen erkennen, dass sie das Anspruchsvolle und Außergewöhnliche als Herausforderung sehen.

Rund drei Stunden lang präsentierten sie nicht nur böhmische Mu-sik, sondern einen kurzweiligen Wechsel unterschiedlicher Stilrichtungen. Präzision, vor Selbstbewusstsein strotzende Einsätze und traumwandlerische Sicherheit der Musiker in Tempi- und Stimmungswechseln sind dabei ganz selbstverständlich.

Archaische Töne aus der Bergwelt

Scheinbar spielerisch gelang es Berthold Schick, sein Ensemble zu Höchstleistungen zu motivieren, jeden Titel zu einem besonderen Schmankerl werden zu lassen. Zum Beispiel die Hetscherbrückl-Polka von Ernst Mosch oder einen „kaiserlichen Marsch.“ Nachdem er mit dem Stück „Kaskaden“ von Willy Neugebauer ein meisterliches Trompeten-Solo präsentiert hatte, erwies sich der aus Traunstein stammende Musiker Franz Bradler auch als amüsanter Entertainer. Mit sympathischem oberbayerischem Dialekt und verschmitzter Mimik erzählte er von kleinen Erlebnissen und Begebenheiten, die die Lachmuskeln des Publikums gewaltig strapazierten.

Auch solistisch haben Berthold Schick und seine „Allgäu 6“ so einiges drauf. Sowohl auf Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn, Tuba, Posaune oder Schlagzeug zeigten sich die sieben Spitzenmusiker voll in ihrem Element. In romantischem Trompeten-Klang tönte zum Beispiel der Bee-Gees-Hit „How deep ist your love“ durch das Amphitheater. In der Ballade „Für Theresa“ spielte sich die sonst eher bescheiden und zurückhaltend agierende Tuba mit weichen Klängen in den Vordergrund. Zwischendurch durften die Besucher in mehr oder weniger bekannten Kompositionen von Ernst Mosch wie zum Beispiel der Polka „Das kleine Grammophon“ schwelgen. Bewundernswert, welche Klangvarianten Berthold Schick den nur elf Tönen seines dreieinhalb Meter langen Alphorns entlockte.

In einem Bert-Kaempfert-Medley konnte man sich von bekannten Ohrwürmern wie zum Beispiel „Afrikaan Beat“, „Strangers in the night“ oder „Dankeschön“ mitreißen lassen. Den „absoluten Höhepunkt“ des Abends präsentierte Hausherr Engelbert Schmid: Als Meister auf dem Waldhorn intonierte er den „Jägerchor“ aus der Oper „Freischütz“ von Carl Maria von Weber. In böhmischer Besetzung steuerte „Allgäu 6“ die perfekte Begleitung bei.

Auch nach einem rund dreistündigen Konzert unter freiem Himmel hätten die Besucher noch länger zuhören können und traten erst nach mehreren Zugaben den Heimweg an.

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