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Asylstreit in Waltenhausen: Integration ist kein Selbstläufer

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Kommentar Von Stefan Reinbold
05.09.2019

Jetzt entscheidet sich, ob die Integration von Flüchtlingen gelingt oder nicht. Bei dieser Aufgabe darf man die Menschen auf dem Land nicht allein lassen.

Das Thema ist komplex. Für Außenstehende lässt sich nur schwer ermitteln, wie die Situation in Waltenhausen wirklich ist, was übertrieben und was korrekt ist. Selbst die Betroffenen blicken aus teils ganz unterschiedlichen Perspektiven auf den Sachverhalt.

Sicher ist, ein eskalierender Streit auf offener Straße, macht Angst, erst Recht, wenn dabei eine Eisenstange und ein Messer im Spiel sind. Selbst wenn die Waffen nicht eingesetzt wurden, kann man nachvollziehen, dass sich Eltern deshalb Sorgen machen.

Der Vorfall ist andererseits Wasser auf die Mühlen derer, denen immer schon klar war, dass das mit den Flüchtlingen nicht gelingen kann. In der Psychologie spricht man von der sich selbst erfüllenden Prophezeiung, wenn man beständig bestimmte Attribute Menschen zuschreibt und sich diese Annahmen irgendwann tatsächlich erfüllen. Weil man unterschwellig durch sein eigenes Verhalten dazu beiträgt. Jetzt ist die Zeit, von der wir in zehn oder 20 Jahren sprechen werden, wenn wir darüber urteilen, ob die Integration von Flüchtlingen geklappt hat oder eben nicht. Aber Integration kann nicht einseitig funktionieren.

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Waltenhausen: Situation ist auch für Flüchtlinge nicht leicht

Ein Selbstläufer ist sie schon gar nicht. Und man darf die Menschen auf dem flachen Land nicht allein damit lassen. Die Rahmenbedingungen müssen der Staat und die politisch Verantwortlichen setzen. Aber noch immer gibt es Menschen, die seit zwei Jahren auf eine Entscheidung in ihrem Asylverfahren warten. Noch immer gibt es für den Umgang mit Menschen ohne Ausweisdokumente keine zufriedenstellende Lösung.

Natürlich müssen die, die hier kein Asylrecht genießen können, auch wieder in ihre Heimatländer zurück. Man muss den Menschen aber auch erklären, dass man in einem Rechtsstaat, der die Würde des Menschen an erster Stelle in seiner Verfassung stehen hat, den Klageweg bei Asylverfahren nicht einfach außer Kraft setzen kann. Man müsste kreative Wege finden, die Menschen ihren Lebensunterhalt weitgehend selbst erarbeiten zu lassen. In aller Regel wollen die Geflüchteten ja was aus ihrem Leben machen. Auf engstem Raum herumsitzen und ohne Perspektive warten zu müssen, bedeutet Stress, der zu aggressivem Verhalten führen kann.

Manchmal hilft es schon, miteinander zu reden, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Alles andere ist personalintensiv und kostet Geld. Sinnvoll investiertes Geld, wenn man will, dass sich eine positive Prophezeiung verwirklicht. Sinnvoll auch, wenn man auf die Folgekosten einer misslungenen Integrationspolitik blickt.

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